Erkelenz-Granterath - Am Anfang steht eine ziemlich „dusselige Idee”

WirHier Freisteller

Am Anfang steht eine ziemlich „dusselige Idee”

Von: Helmut Wichlatz
Letzte Aktualisierung:
erk-wagenbau-bu2
Die Spätgens´sche Wagenbautruppe heute. Was sich hinter der Plane verbirgt, wird noch nicht verraten. Premiere feiert der Wagen am Karnevalsfreitag auf dem Hetzerather Nachtzug. Foto: Wichlatz

Erkelenz-Granterath. Der Granterather Karneval lebt auch vom Engagement und der Beharrlichkeit der Bürger und Familien vor Ort. Eine dieser Familien heißt Spätgens und ist seit den Anfängen der Karnevalszüge jedes Jahr aktiv dabei.

Vor 33 Jahren begann alles mit einer „dusseligen Idee”, wie der Namensgeber und Initiator Günter Spätgens betont. Aus Langeweile kam er auf die Idee, mit einem Wagen am damals noch ungewohnten Zug in Granterath teilzunehmen. Weil er damals in einer Landschaftsgärtnerei arbeitete, lieh er sich dort einen Transporter und schmückte ihn nach dem Motto „Das Grüne muss nach unten” mit Bäumen und Grün. Die Wagengruppe Spätgens war geboren.

Aus dem einmaligen Scherz von damals wurden 33 Jahre - und ein Ende ist nicht in Sicht. Jedes Jahr präsentiert der närrische Clan einen Motivwagen, der es in sich hat. Dabei hat man sich vom improvisieren Transporter zum professionell gestalteten Motivwagen gesteigert. Basis der Wagen ist ein alter Pferdetransporter, den die Gruppe vor 18 Jahren kaufte und der in viel Eigenleistung umgebaut wurde. Fast sechs Meter lang und zweieinhalb Meter breit ist das Gefährt. Sicher ist es auch, denn der TÜV schaut jedes Jahr genau hin, bevor der Wagen seinen Auftritt hat.

Mit dem Wagenbau beginnt die Gruppe je nach Aufwand im Frühherbst oder im November. Zuerst muss man sich über das Motiv einig werden. „Da wird demokratisch abgestimmt”, betont Günter Spätgens. In diesem Jahr konnten sich zum Beispiel die Glücksbärchis nicht gegen das Siegermotiv durchsetzen. Was es wird, wird nicht verraten. Nur ausgewählten Besuchern gewährt man in der Arbeitsphase einen Blick hinter die Plane. Premiere wird dann in Hetzerath auf dem Nachtzug gefeiert.

Bis dahin wird gesägt, geschraubt und gepinselt. Günters Bruder Wilfried geht sogar mit der Airbrush-Pistole ans Werk. Im Laufe der Jahre hat sich eine gewisse Routine eingestellt. Trotzdem ist die Bauphase für einige wichtiger als die rund 15 Stunden, die der Wagen später auf den Straßen unterwegs sein wird. „Beim Bauen werden immer wieder neue Ideen entwickelt, die wir dann umsetzen”, betont Spätgens Neffe Olaf Mauritz, der auch immer wieder in der lockeren Gruppe mitmischt.

Oftmals behelfen sie sich mit einfachen Mitteln. Alles, was sich auf dem Wagen dreht, wird zum Beispiel von einem Scheibenwischermotor angetrieben. „Das hat sich bewährt und kostet nicht so viel”, lautet Spätgens fachmännisches Urteil. Auch die Kostüme sind Handarbeit. Ehefrau Brigitte und ihre Mitstreiterinnen nähen nicht nur die Kostüme für die ganze Mannschaft. Selbst die Kamellebeutel, aus denen heraus das Publikum beworfen wird, sind handgenäht.

Ab und zu wird ihnen aber auch die Suppe versalzen, denn das Wetter können auch sie nicht beeinflussen. So froren sie sich einmal in dünner Badekleidung bei Minustemperaturen durch die närrischen Tage, weil das Motto in der Session „Karibisches Strandvergnügen” verhieß.

Das jüngste Mitglied ist vier Jahre alt. Günters Sohn Sascha ist 16 und schon seit elf Jahren mit dabei. Wie die anderen kann auch er es sich nicht vorstellen, den Granterather Zug einfach nur vom Straßenrand aus zu erleben. Nach dem Einsatz des Wagens wird er abgerüstet und für ein halbes Jahr in den Schuppen geschoben, bevor im Herbst wieder die Arbeit beginnt.

In der vorigen Session machten sie als Vampire mit rollender Horrorburg die Züge unsicher. Wer wissen will, für welches Motiv die Wagengruppe Spätgens in diesem Jahr entschieden hat, der kann auf den Zügen in Hetzerath, Granterath und Erkelenz Ausschau halten. Ein Tipp: Neben weiß dominieren die rote und blaue Farbe. Und das Motto kennt wirklich jeder.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert