Protest in Immerath: Greenpeace-Aktivisten verzögern Abriss des Doms

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Abriss des Immerather Doms: Letztes Aufbäumen vor traurigem Ende

Von: Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:
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Am frühen Nachmittag war der Abriss des alten Gotteshauses in vollem Gange.
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Die Arbeiten waren am Vormittag durch eine Protestaktion von Greenpeace stundenlang verzögert worden.
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Sogenannte Höhenretter der Polizei holten die Greenpeace-Aktivisten schließlich von der Außenwand der Kirche.
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Auf einem nahegelegenen leerstehenden Wohnhaus hatten vermummte Tagebaugegner ebenfalls ein Transparent enthüllt.
Immerather Kirche Protest
„Wer Kultur zerstört, zerstört auch Menschen” stand auf dem Plakat an der Außenwand des Gotteshauses.
Immerather Kirche Protest
Zuvor hatte Greenpeace eine Mahnwache vor dem Immerather Dom organisiert.
Immerather Kirche Protest
Die markante Pfarrkirche soll abgerissen werden, um den Weg für den Tagebau Garzweiler freizumachen.

Erkelenz-Immerath. Als der Abrissbagger die ersten Steine aus den dicken Wänden herausreißt, verfestigt sich die Gewissheit, dass das Wahrzeichen in ein paar Tagen verschwunden sein wird. Jeder Stein, der krachend zu Boden fällt, zeugt davon, dass all die Hoffnung, all der Kampf und all die Proteste vergebens waren.

Bald werden die letzten Reste des Ortes Immerath und damit die ehemalige Pfarrkirche St. Lambertus, die im Volksmund Immerather Dom genannt wird, verschwunden sein. Was sich am Montagmorgen in Immerath abspielt, wirkt wie ein letztes, wirkungsloses Aufbäumen.

Dass der Immerather Dom dem Erdboden gleichgemacht werden würde, stand lange fest. Das Licht all der Scheinwerfer, die in diesen Tagen auf Immerath gerichtet sind, nutzt die Umweltorganisation Greenpeace zum Protest. In aller Frühe, gegen 5 Uhr, stürmt eine Gruppe von 40 Aktivisten das Gelände. Dabei stoßen sie mit dem RWE-Sicherheitsdienst und der Polizei zusammen. Nach Angaben der Polizei verletzen sich dabei zwei RWE-Mitarbeiter und zwei Aktivisten leicht. Ein Aktivist sei von einem Polizeihund gebissen worden, sagte Polizeisprecherin Angela Jansen.

Stoppen kann die Aktivisten weder die Polizei noch der Sicherheitsdienst. Drei Greenpeace-Leute ketten sich an einen Abrissbagger, drei gelangen in das Gebäude, seilen sich an der Kirchenfassade ab und rollen ein Spruchband aus: „Wer Kultur zerstört, zerstört auch Menschen.“

Mit dieser Protestaktion verbindet Greenpeace die Forderung nach einem Kohleausstieg bis 2030 und nach der Aussetzung der Abrissarbeiten in Immerath. „Greenpeace fordert einen sofortigen Stopp der Abrissarbeiten am Immerather Dom, bis eine Entscheidung über die Zukunft der Braunkohle getroffen wurde“, sagt Susanne Neubronner, Energieexpertin von Greenpeace. RWE schaffe in Immerath Fakten, während in Berlin über ein mögliches Ende der Kohle beraten werde, sagte sie.

Mit der Greenpeace-Aktion, mit einer Mahnwache und einem politischen Gebet am Wochenende wollen die Kohlegegner ein Zeichen setzen: Es dürfe kein Dorf, keine Kirche und kein Wald mehr geopfert werden. Das sei das Vermächtnis des Immerather Doms.

Was folgt, ist eine stundenlange Hängepartie. Die Polizei, die mit einem Großaufgebot vor Ort ist, setzt auf Deeskalation. Man hofft vielleicht, dass die Aktivisten freiwillig aufgeben, sobald sie von allen Kameras abgelichtet sind. „Wir haben Gespräche mit beiden Seiten geführt und versucht, die Situation aufzulösen, ohne die Aktivisten runterzuholen. Aber das hat nicht geklappt“, sagt Polizeisprecherin Jansen. Gegen Mittag rückt ein Höheninterventionsteam der Polizei an und befördert die Aktivisten zurück auf den Boden. Elf Aktivisten nimmt die Polizei in Gewahrsam, sagt Jansen.

Für RWE-Sprecher Guido Steffen hat der Protest nichts mit dem Immerather Dom und dem Ort Immerath zu tun: „Es ist ein weiteres Schauspiel von Demonstranten gegen die Braunkohle.“ Die Braunkohle trage ein Viertel zur deutschen Stromversorgung bei. „Das zeigt, dass die Braunkohle gebraucht wird“, sagt er.

Am Ende kommt es wie von RWE geplant: Der Bagger reißt die Mauern der neuromanischen, 2013 entweihten Pfarrkirche, ein. Am Absperrzaun davor legen Menschen wie an einer Gedenkstätte Blumen und Kränze nieder oder hängen Fotos auf. Es ist das traurige Ende eine Kirche, die für die Ewigkeit gebaut war.

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