300 Edelkrebse finden im Effelder Waldsee ein neues Zuhause

Von: Anna Petra Thomas
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Zunächst hatten die jungen Sportangler noch Respekt vor den kleinen Krebsen. Doch dann trauten sie sich, gemeinsam mit Jugendleiter Christian Moj (rechts) die Tiere im Uferbereich ins Wasser zu setzen. Foto: Anna Petra Thomas
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Bis zu 20 Zentimeter lang und bis zu 20 Jahre alt wird ein vom Aussterben bedrohter Edelkrebs. Foto: Anna Petra Thomas

Wassenberg-Effeld. Eigentlich geht es nach Ende der Badesaison recht geruhsam zu am Effelder Waldsee. Da haben eher die Wildgänse den Strand für sich erobert. Ein recht großer Menschenauflauf war es jedoch, den auf der Parkfläche am Campingplatz zwei äußerlich eher unscheinbare, weiße Styroporkisten im Kofferraum von Christian Moj hervorriefen.

Die Nachricht von der wertvollen Fracht hatte sich unter den Mitgliedern des Sportanglervereins (SAV) „Erholung Effeld“ anscheinend schnell herumgesprochen. Mehr noch begeisterte dann der Inhalt der beiden Kisten, nachdem Moj den Deckel gelüftet hatte. Insgesamt 300 Edelkrebse tummelten sich darin. Diese Krebsart, in der Fachsprache „Astacus astacus“ genannt, habe sich vor rund 100 Jahren ebenso wie der Steinkrebs noch in unseren heimischen Gewässern getummelt, wusste Moj zu berichten.

Heute jedoch werde diese Tierart in der sogenannten Roten Liste in der Kategorie eins geführt, da sie vom Aussterben bedroht sei. Als Gründe dafür nannte er den naturfernen Ausbau vieler Gewässer, deren Belastung mit Schadstoffen, aber auch eine für den Edelkrebs tödliche Erkrankung, die sogenannte Krebspest. Für deren Auftreten werden fremde Krebsarten verantwortlich gemacht, die sich in heimischen Gewässern vermehrt haben.

Eine davon stammt mit dem galizischen Sumpfkrebs aus Südosteuropa. Drei weitere Arten kommen mit dem Kamberkrebs, Signalkrebs und dem roten amerikanischen Sumpfkrebs aus Nordamerika. Moj, der Jugendleiter des SAV ist und mit den mehr als 70 jungen Mitgliedern des SAV in jedem Jahr mindestens ein nachhaltiges Naturschutzprojekt durchführt, hatte vom „Edelkrebsprojekt NRW“ gehört. Dieses befasst sich mit dem Schutz heimischer Krebsbestände.

„Die durch unbedachtes Aussetzen amerikanischer Flusskrebse in Europa unabänderbar etablierte Krebspest ist ein erschreckendes, aber auch lehrreiches Beispiel dafür, welche negativen Folgen das Einschleppen aus anderen Erdteilen stammender Tier- und Pflanzenarten für unsere heimische Natur haben kann“, heißt es in der Beschreibung diese Projekts, das von Dr. Harald Groß aus Bad Münstereifel geleitet wird.

Von ihm erhielt die Jugend des SAV jetzt auch die 300 Edelkrebse im Wert von rund 500 Euro, die künftig den Effelder Waldsee in einem Bereich bevölkern sollen, der nicht für den Badebetrieb genutzt wird. Auftakt dieses neuen Naturschutzprojekts war eine umfangreiche Untersuchung, bei der festgestellt wurde, dass bisher gar keine Krebse im See lebten. „Es hätte ja keinen Sinn gemacht, hier Edelkrebse anzusiedeln, wenn es hier auch noch amerikanische Krebse gegeben hätte“, erklärte Moj.

Danach machte er sich mit vielen jungen, aber natürlich auch älteren, an der Aktion interessierten Vereinsmitgliedern sowie mit Bürgermeister Manfred Winkens auf den Weg an eine kleine Bucht des Sees, wo die ersten Krebse wieder ins Wasser gesetzt wurden. Indem er den Nachwuchs-Naturschützern zeigte, wie man einen Krebs richtig anfasst, trauten sich nach und nach immer mehr von ihnen, einen kleinen Krebs in die Hand zu nehmen und ihm seine neue Heimat zu zeigen.

Alle Tiere wurden an einer Stelle ausgesetzt, „damit sie sich auch als Paare wiederfinden“, so Christian Moj. Im Herbst nächsten Jahres will er sich mit den jungen Vereinsmitgliedern und Taschenlampe auf die Suche nach den ersten Jungtieren machen. Die Krebse würden zwar im Uferbereich bleiben, seien aber nur in der Nacht aktiv, erklärt er. Tagsüber würden sie sich im Wurzelwerk von Baumstämmen und in anderen Höhlenbereichen in der Uferzone des Sees aufhalten.

SAV-Jugend ist ein „Stern des Sports“

Die Jugendgruppe des Sportanglervereins (SAV) „Erholung Effeld“ unter der Leitung von Christian Moj führt in jedem Jahr mindestens ein Naturschutzprojekt durch und war damit bereits in Wettbewerben auf Kreis-, Landes- und sogar auf Bundesebene erfolgreich. In diesem Jahr belegte der SAV den ersten Platz beim Wettbewerb „Sterne des Sports“ von Raiffeisenbank und Kreissportbund für sein Engagement, Jugendlichen neben dem Sportangeln auch in die Aufgaben des Naturschutzes einzubinden.

Die jungen Vereinsmitglieder haben gerade erst am Waldsee entlang der niederländischen Grenze 20 Nistkästen installiert. Ein großes Insektenhotel, ein Park mit Fledermauskästen und ein kleiner Lehrpfad gehören ebenfalls zu ihren erfolgreichen Projekten. Für das Vereinsgewässer in der Gemarkung Backesweide haben die Jugendlichen zudem Röhrichtinseln gebaut für Kormorane.

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