18 Fahrräder und ein plattes Hinterrad

Von: Laura Beemelmanns
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Am Montag werden die Schüler der Sonnenscheinschule geprüft. Zuvor fahren sie die Strecke vier Mal mit den Polizeibeamten und einigen Eltern ab, um Fehler zu vermeiden und die Strecke kennenzulernen. Die neun Jahre alte Pauline Schröders macht das prima! Fotos (5): Laura Beemelmanns Foto: Laura Beemelmanns

Heinsberg. „Ich habe keine Katzenaugen“, stellt eine Schülerin mit Entsetzen fest. „Ich habe noch ein paar auf der Dienststelle“, entgegnet Bezirksdienstbeamter Ralf Hermandung in ruhigem Ton. Die Schülerin lächelt. Na dann ist die Fahrradprüfung ja gerettet. Die steht nämlich am Montag an, und es gilt noch einiges vorzubereiten.

18 Schüler gehen mit 18 Rädern an den Start. Sie sind allesamt Schüler der Klasse 4 d der Sonnenscheinschule an der Westpromenade und stehen kurz vor ihrem ersten Führerschein. Darauf wollen Ralf Hermandung und der Verkehrsbeamte Manfred Kunst, der die Prüfung leiten wird, die Kinder zunächst theoretisch vorbereiten.

Sie treffen sich mit den Schülern und Klassenlehrerin Manuela Otto im Klassenraum. „Ihr sollt selbstständig unterwegs sein“, sagt Kunst, und „gerade im Straßenverkehr muss sich jeder selbst einschätzen können“. Das klappt aber nicht immer so gut, weiß Kunst aus Erfahrung. „Wer überschätzt sich denn eher? Die Jungs oder die Mädchen?“, fragt er in die Runde. Ein Mädchen zeigt auf: „Die Jungs.“ Dass das richtig ist, müssen auch die anwesenden Jungen eingestehen, protestieren jedoch scherzhaft.

Die Formalien sind also geklärt. Jeder Schüler muss einen Helm aufsetzen, die Räder müssen noch auf ihre Verkehrstauglichkeit geprüft werden, ein paar wenige Anweisungen und Erklärungen noch und dann kann es losgehen. Gesagt, getan. Die Schüler folgen Kunst und Hermandung auf den Schulhof, holen ihre Räder und stellen sie im Halbkreis auf. Die Polizeibeamten schreiten zur Tat. Alle Bremsen, Reifen, Glocken, Lichter und natürlich die Katzenaugen werden überprüft.

Von 18 anwesenden Schülern haben 16 den so sehr ersehnten Aufkleber bekommen. Bei zweien muss „Papa noch mal nachsehen“, sagt Hermandung. Auch wenn die Schüler enttäuscht sind, müssen nur noch Kleinigkeiten erledigt werden. Einige Fragen stehen allerdings noch im Raum: „Wenn man den Fahrradführerschein nicht schafft, darf man dann auch keinen Autoführerschein machen?“, fragt eine Schülerin den Verkehrsbeamten. „Nein, den kannst du trotzdem machen“, antwortet Kunst. „Wenn ihr hier gut aufpasst, dann fällt euch der Autoführerschein aber leichter“, muntert Manuela Otto auf.

Die Klassenlehrerin und auch die Polizeibeamten versuchen den Schülern die Angst zu nehmen, aber ihnen auch Grenzen zu zeigen. „Habt ihr schon mal das Wort ,Selbstüberschätzung‘ gehört?“, fragt Kunst. „Ja, wenn einer etwas sagt, was er gar nicht kann“, lautet die Antwort. „Genau das.“ „Euer Ziel muss sein, zu wissen, wie gut ihr als Radfahrer seid.“ Um das ein wenig einschätzen zu können, üben die Kinder Zuhause mit ihren Eltern, in der Schule und nun noch einmal mit den Beamten. Aber sie kriegen auch Noten in der Prüfung. Ab zehn Jahren dürfen die Kinder nämlich nicht mehr auf dem Bürgersteig fahren und müssen am Straßenverkehr teilnehmen.

Manfred Kunst plant nun noch den nächsten Schritt. Er holt sein Fahrrad und bleibt minutenlang verschwunden. Dann kommt er zurück – und schiebt sein Rad. Ein Platten. „Das ist mir noch nie passiert“, sagt er. Schnell greift er auf das Rad von Ralf Hermandung zurück. Der übernimmt dann den Job des Streckenposten. Die Übung kann beginnen.

Einige Meter weiter sollen die Kinder in der Nähe eines Discounters lernen, wie sie mit einer schwierigen Situation umgehen. Vor dem Discounter fahren viele Autos. Die Kinder müssen nun hinter sich schauen, darauf achten, dass kein Auto vom Parkplatz herunterfährt und entgegenkommende Räder sowie Fußgänger im Auge haben. Manfred Kunst geht zunächst alles theoretisch durch. Dann fährt er vor. Hermandung hat sich ein Stück weiter positioniert. Die Schüler fahren los. Alles klappt reibungslos. „Die Schüler sind wirklich sehr gut vorbereitet“, sagt Kunst. Er hat auch schon ganz andere Situationen erlebt und freut sich, dass bei der Prüfung dieser 18 Schüler am Montag eigentlich nicht mehr viel schiefgehen dürfte. Damit das auch wirklich klappt, drücken wir ihnen die Daumen.

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