Heinsberg - 17-Jähriger flieht aus der JVA Heinsberg

17-Jähriger flieht aus der JVA Heinsberg

Von: Robert Flader und Rainer Herwartz
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Justizvollzugsanstalt in Heinsberg
Die Justizvollzugsanstalt in Heinsberg: Aus ihr ist in der Nacht zum Mittwoch ein 17-Jähriger geflohen. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. Eigentlich sollte er wegen guter Führung ohnehin bald vorzeitig entlassen werden, doch das ging ihm wohl nicht schnell genug: Aus der Justizvollzugsanstalt Heinsberg ist in der Nacht zum Mittwoch ein 17 Jahre alter Häftling geflohen.

Nach den Gründen kann nur spekuliert werden, sagt Anstaltsleiterin Ingrid Lambertz. Nach Informationen unserer Zeitung wird er seit etwa 1.30 Uhr vermisst. Grundsätzlich ist er im offenen Vollzug untergebracht und war von einem abendlichen Ausgang zwar zurückgekehrt, in der Nacht aber aus einem Fenster geklettert und geflohen.

Der Flüchtige hatte erst am Wochenende Freigang und dabei offenbar Stress mit seiner Freundin, den er möglicherweise klären wolle. „Oft sind es Probleme im sozialen Geflecht”, spekuliert Wilhelm Kroh, stellvertretender JVA-Leiter.

In der JVA Heinsberg leben derzeit 14 Jugendliche/junge Erwachsene im offenen Vollzug, in speziell eingerichteten Wohn- und Schlafräumen außerhalb der Anstaltsmauern - aber immer unter der Kontrolle von JVA-Beamten.

Maximal 24 Häftlinge können, in Einzelzellen, im offenen Vollzug untergebracht werden. Dort dürfen sie einem geregelten, wenn auch äußerst „limitierten” Alltag nachgehen und arbeiten, erklärt Wilhelm Kroh.

Die sogenannte Versager-Quote, also zum Beispiel von Freigängern im offenen Vollzug, die nicht mehr in die Anstalt zurückkehren, oder Häftlingen, die aus der JVA fliehen, liege in Heinsberg bei fast null Prozent, stellt Ingrid Lambertz klar.

Flüchtiger seit 2010 in der JVA

Der 17-Jährige sei erst im April des vergangenen Jahres aufgrund von „typischen Jugenddelikten” (Kroh) wie Drogenbesitz und -verkauf, Schlägereien und Diebstahl in die JVA Heinsberg „gezogen” - er hatte sich selbst gestellt. Bis Ende 2010 verbrachte er seine Haftzeit im geschlossenen Bereich, obwohl er, wie Lambertz erklärt, nach dem NRW-Vollstreckungsplan von Anfang an für den offenen Vollzug geeignet gewesen wäre. Er hatte eine Ausbildung begonnen, um den Hauptschulabschluss nachzuholen.

Nun, im offenen Vollzug, ist er geflüchtet. „Mit einem solchen Verhalten machen sich diese jungen Menschen alles kaputt”, sagt Wilhelm Kroh. Der Flüchtige sei bislang „sehr zuverlässig” gewesen und stand wegen guter Führung vor der vorzeitigen Haftentlassung im Frühjahr, voraussichtlich im Mai/Juni.


Nach dem 17-Jährigen wird nun gefahndet. Was ihm am Ende blüht, wenn die Polizei ihn wieder einkassiert, entscheidet die Vollstreckungsleitung, sprich das Amtsgericht in Heinsberg. „Der Freiheitswille ist nicht strafbar. Deshalb führt die Flucht nicht automatisch zu einer Haftverlängerung”, erklärt die JVA-Chefin.

Die Zeit, die er draußen verbrachte, wird allerdings in jedem Fall auf die noch zu verbüßende Strafe draufgepackt. „Wir regen manchmal an, es dabei zu belassen”, so Lambertz, „je nachdem, wie lange er draußen war und ob er sich ordentlich verhalten hat.”

Der offene Vollzug ist jedoch dann in jedem Fall tabu.


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