Heinsberg/Erkelenz - 112 Gründe, die Feuerwehr zu lieben

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112 Gründe, die Feuerwehr zu lieben

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:
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Der Feuerwehrmann hat das süße kleine Kätzchen aus einer brennenden Wohnung vor dem Tod gerettet. Zweifellos einer der guten Gründe, die Feuerwehr zu lieben.
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Bestseller-Autor Jörg Nießen ist als Hauptbrandmeister voll im Thema.

Heinsberg/Erkelenz. Eigentlich müsste sich Jörg Nießen wohl heute noch kneifen, damit er genau weiß, dass das, was sich in den letzten vier Jahren getan hat, kein bloßer Traum war. Geradezu kometenhaft war der Erkelenzer Hauptbrandmeister, der bei der Berufsfeuerwehr in Köln seinen Dienst versieht, 2010 in die Riege deutscher Bestseller-Autoren katapultiert.

Und das im Grunde nur, wie er sagt, weil er seiner langjährigen Lebensgefährtin mit seinen Geschichten aus dem Job langsam aber sicher auf den Geist ging. „Ich kann den Scheiß nicht mehr hören. Schreib‘ ihn endlich auf“, hatte sie zu ihm gesagt. „Ohne sie wäre kein einziges Buch entstanden“, ist Nießen sicher. Doch dass diese überaus amüsanten und skurrilen Erlebnisse aus dem Alltag des Feuerwehrmannes zum wahren Verkaufsschlager werden würden mit rund 150.000 verkauften Buchexemplaren, hätten weder seine bessere Hälfte noch Jörg Nießen selbst jemals geglaubt.

Sein Erstling mit dem Titel „Schauen Sie sich mal die Sauerei an“ brachte ihn in kürzester Zeit nicht nur in die vorderste Reihe der Buchhandlungsregale, sondern ebenso schnell in unzählige Medien und letztlich sogar auf die Couch bei Markus Lanz. Der zweite Teil seiner Erlebnis-Schilderungen mit dem Titel „Die Sauerei geht weiter“ folgte zwei Jahre später und erzielte immerhin bislang noch eine verkaufte Auflage von rund 80.000 Exemplaren. Und jetzt ist sein neuestes Werk frisch auf dem Markt: „112 Gründe, die Feuerwehr zu lieben“. Seine Fans werden überrascht sein.

„Alle haben mit einem dritten Band gerechnet, der ähnlich aufgebaut ist wie die ersten beiden. In den ersten beiden Büchern handelt es sich aber um authentische, selbst erlebte Geschichten. Und im Moment habe ich noch nicht genug neue Perlen erlebt, um dort weiter zu schreiben.“ Seine Leser sollen wissen, und darauf legt der 38-jährige Buchautor Wert, dass keine seiner Geschichten erfunden war, sondern alle aus dem prallen Leben stammen.

Gemeinsam mit seinem Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf ersann er schließlich den Titel des neuen Buches. „Der Verlag hat eine Serie, die heißt 111 Gründe irgendetwas zu lieben. Da haben wir in Anlehnung an die Notrufnummer einen Grund draufgepackt und der neue Titel stand. Allerdings nur der. Das Buch musste noch geschrieben werden.“

Nichts leichter als das? Weit gefehlt, wie Jörg Nießen erfahren musste. „112 ist ein Zahl, die man unterschätzt“, erklärt er gegenüber unserer Zeitung. „ So auf die ersten 60 bis 70 Gründe kommt man noch alleine. Aber dann muss man schon viele Gespräche führen.“ Und das tat er denn auch recht intensiv – mit Geschwistern, Freunden und Kollegen. „Ich glaube, ich bin jedem aus meinem sozialen Umfeld auf die Nerven gegangen, bis ich die 112 Gründe zusammenhatte“, lächelt Nießen verschmitzt. Etwas mehr als ein Jahr habe er für das dritte Buch benötigt, um es zu Papier zu bringen.

Jedes gelöschte Feuer und jede gerettete Katze seien schon ein Grund für sich, die Feuerwehr zu lieben, sagt der 38-Jährige. Das Spektrum der erzählten Gründe reicht dabei von witzig bis ernsthaft. So lautet bei Jörg Nießen auch ein Grund: . . . weil ohne Freiwillige Feuerwehr halb Deutschland brennen würde. Als immer noch aktiver Feuerwehrmann kennt er alle Facetten seines Berufs und weiß, warum er ihn als Berufung sieht. Er weiß aber auch, wo manchmal der Feuerwehrstiefel drückt. Deshalb liefert er mal sachlich, mal humorvoll, bisweilen aber auch selbstironisch und zweideutig in seinem Buch Argumente, die die Zuneigung zu dieser traditionsreichen Institution und deren Vertretern erklären.

„Es ist ein völlig anderes Buch als die ersten beiden“, sagt Nießen. Von der ersten Auflage, die 10.000 Bücher umfasse, seien aber schon fast alle verkauft.

Mit allen drei Büchern ist der Feuerwehrmann, der nicht daran denkt, seinen Beruf an den Nagel zu hängen, um sich nur noch dem Schreiben zu widmen, auf Lesetour. Rund 50 Stationen seien es mittlerweile geworden, von Leipzig über Dresden, Berlin, Köln Bielefeld bis nach Ulm. Gerade erst gab es dabei für den Erkelenzer eine Premiere. Erstmals war er auch im Ausland unterwegs. Die Freiwillige Feuerwehr in Bettemburg hatte ihn zu einem kleinen Literaturfestival nach Luxemburg eingeladen.

Es sei ohnehin recht spannend und unterhaltsam, was er in den letzten Jahren so alles habe erleben dürfen. „Ich bekomme Anfragen von Schülern, weil das Buch ,Schauen sie sich mal die Sauerei an‘ im Deutschunterricht besprochen wurde und sie jetzt ein kleines Interview mit mir machen wollen“, sagt Nießen. „Ich habe aber auch schon ein Zuschrift von einer Dame aus der Psychiatrie bekommen, weil sie seit Jahren noch einmal herzlich gelacht habe.“ Beinahe könnte man denken, dass derlei Geschichtchen alleine schon wieder genügend Stoff für ein neues Buch böten. Doch wie dies aussehen wird, weiß Jörg Nießen noch nicht.

Nur eines weiß er. „Ich kann versprechen, dass ich nicht mit dem Schreiben aufhöre.“

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