„Zwischen den Welten“: Gymnasiasten erforschen jüdisches Leben

Von: Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:
5758271.jpg
Schulleiter Matthias Küsters (hinten 2.von links), Lehrer Christoph Nohn (hinten 3.von links) und Lehrerin Elke Sieben freuen sich mit den Schülern auf die Ausstellung, die am Montag eröffnet wird. Fotos (6): Georg Schmitz Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. „Erinnern darf sich nicht auf bestimmte Termine beschränken, wie beispielsweise auf den 9. November. Die Erinnerungen müssen in den Alltag und in die Herzen der Menschen rein“, erklärt Matthias Küsters, Leiter des Geilenkirchener St.-Ursula-Gymnasiums. Die Erinnerung an unsere jüdischen Mitbürger wach halten will eine Schülergruppe auch mit der Ausstellung „Zwischen den Welten“, die am kommenden Montag um 10.30 Uhr in der Aula des Gymnasiums eröffnet wird.

Gezeigt wird aber nicht nur die Zeit der Gräueltaten und der Massenvernichtung, Thema ist das jüdische Leben in Geilenkirchen und den ehemaligen Kreisen Geilenkirchen, Heinsberg und Erkelenz in preußischer Zeit (1815 bis 1938). Die Präsentation zeigt Menschen jüdischen Glaubens als eigenständige Gruppe in einem mehrheitlich religiös-kulturell anders geprägten Umfeld, also Menschen in einem Spannungsfeld zwischen verschiedenen Welten. So erklärt sich auch der Titel der Ausstellung, die Oberstufenschüler ein Jahr lang in ihrer Freizeit vorbereitet haben. Geleitet wurde die Projektgruppe von den Lehrern Elke Sieben und Christoph Nohn.

Ein Jahr lang studierten sie Quellen aus dem ehemaligen preußischen Landratsamtes Geilenkirchen und der Regierung Aachen, die sich heute im Landesarchiv, Abteilung Rheinland, in Düsseldorf befinden. Die Juden betreffenden Akten wurden von den Lehrern in mühevoller Kleinarbeit gesichtet und zusammengefasst. Die einjährige Recherche war dann Grundlage für die Projektarbeit der Schüler, die die wandelnden Lebensbedingungen der Juden darstellt.

Die Ausstellung startet in der Franzosenzeit (1794 bis 1815) und erinnert an die rechtliche Gleichstellung der französischen Juden im Jahre 1791. Die Präsentation geht auch auf die Bevölkerungsentwicklung ein.

So lebten beispielsweise im Jahr 1806 140 Menschen jüdischen Glaubens in Geilenkirchen, 188 in Heinsberg und 67 in Erkelenz. Die Orte mit der größten Zahl waren Geilenkirchen und Gangelt, in manchen Ortschaften bildeten die Juden nach den Katholiken die zweitgrößte Konfession. Anschaulich dargestellt wird die Gewerbestruktur der jüdischen Bevölkerung im Kreis Heinsberg in den Jahren 1823, 1832 und 1842. Bei einer Analyse zum durchschnittlichen Einkommen im Jahre 1865 wird deutlich, dass die Juden der Landkreise Heinsberg und Erkelenz als arm angesehen werden mussten, und auch die Geilenkirchener Juden im Schnitt nicht als reich galten.

Unterstützung fand die Projektgruppe auch bei Schulleiter Matthias Küsters, der Inschriften der Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof in Geilenkirchen aus dem Hebräischen übersetzt hat. Auch er hatte Erstaunliches herausgefunden: Der neue Tag begann für die jüdischen Mitbürger nicht um Mitternacht, sondern bereits nach Sonnenuntergang.

Derweil lobt Elke Sieben den Einsatz der Schüler: „Sie haben immer intensiv mitgearbeitet und viele eigene Ideen und Grafiken eingebracht. Sie haben sogar darüber hinaus noch viele Dinge zu Hause gemacht.“ Das Ergebnis der einjährigen Arbeit findet man nicht nur in der Ausstellung. Ein informatives und ansprechend aufgemachtes Begleitheft hält die wichtigsten Ergebnisse fest.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert