Zum Wohl der Kinder oder negative Kirchturmspolitik?

Von: Udo Stüßer
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Geilenkirchen. Diskussion um Schüleranmeldezahlen, zweiter Teil: Nachdem bereits in der Ratssitzung am Mittwochabend von einigen Stadtverordneten heftig kritisiert wurde, dass nicht bekannt ist, mit welcher Empfehlung sich Schüler an weiterführenden Schulen angemeldet haben, ging die Diskussion im Ausschuss für Bildung und Soziales am Donnerstagabend weiter.

Gesamtschulleiter Uwe Böken gibt diese Informationen nicht an die Stadt Geilenkirchen weiter, weil die Bezirksregierung dies aus Gründen des Datenschutzes untersagt habe. Dies sorgt bei etlichen Stadtverordneten für Unverständnis. CDU-Fraktionschef Wilhelm-Josef Wolff wollte in der Ratssitzung sogar eine Klage nicht ausschließen. Als am Donnerstagabend die Schüleranmeldezahlen für die Eingangsklassen der städtischen Schulen zum Schuljahr 2012/2013 offiziell präsentiert wurden, fragte Ausschussvorsitzender Dr. Joachim Möhring (SPD) nochmals nach, an welcher Schule sich Schüler mit Hauptschulempfehlung angemeldet haben.

„Wir haben versucht, diese Zahlen zu bekommen. Es ist uns noch nicht gelungen. Aber wir werden nochmals nachhaken und zeitnah nachliefern. Die Argumentation der Bezirksregierung ist nicht nachvollziehbar”, erklärte Beigeordneter Herbert Brunen. Dies sorgte für Unverständnis bei Ruth Thelen (Grüne), selbst Lehrerin in Übach-Palenberg. „Die Stadt erhält doch den Anmeldeschein mit dem Namen des Kindes und der Schulempfehlung”, erklärte sie und zitierte eine Rechtsverordnung: „Der Anmeldeschein wird in vier Ausfertigungen für die aufnehmende Schule, die Eltern, die abgebende Schule und die Gemeinde als Schulträger ausgestellt.”

Herbert Brunen gab zu: „Wir müssten die Daten haben, wir haben sie aber nicht. Also kann doch niemand sagen, die Stadt darf nicht wissen, mit welcher Empfehlung das Kind die Grundschule verlässt.” Jürgen Benden, Fraktionschef der Grünen, übte Kritik: „Wir reden nicht zum ersten Mal darüber. Es wurde mehrfach nachgefragt. Die Verwaltung hätte nur mal in die Vorschriften reinschauen müssen.”

Angesichts von 56 an der Realschule angemeldeten Schülern wollte Ruth Thelen wissen, wie viele Schüler mit Hauptschulempfehlung angenommen worden seien. Eine Antwort lieferte Realschulleiter Peter Pauli, der im Publikum saß: „18 bis 20.”

Und munter weiter ging die Diskussion, als es um den Antrag der Bürgerliste ging, den Schuleinzugsbereich der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule auf das Stadtgebiet Geilenkirchen zu begrenzen.

„Die Gesamtschule hat 30 Kinder aus Geilenkirchen abgelehnt und drei Kinder aus der Gemeinde Gangelt aufgenommen”, kritisierte Bürgerlisten-Fraktionschef Christian Kravanja. „Die freie Schulwahl ist ein hohes Gut. Ob es aber richtig ist, dass Schüler aus unserer Stadt abgewiesen werden, bezweifele ich. In diesem Jahr sind es nur drei, im nächsten Jahr könnten es viel mehr sein.” Dem widersprach Grünen-Fraktionsvorsitzender Jürgen Benden energisch: „Es wird Geilenkirchener Eltern geben, die ihre Kinder in Schulen anderer Kommunen schicken wollen. Wenn wir uns jetzt abschotten, werden die anderen Kommunen dies ebenfalls tun.” Weiter sagte er: „Die ganze Diskussion wäre uns erspart geblieben, hätten sie für eine sechszügige Gesamtschule gestimmt. Der Erhalt der Realschule war politische Willkür, die jetzt kaschiert werden soll.” Zustimmung erhielt die Bürgerliste von der CDU. Marlis Tings: „Uns liegen die Kinder der Stadt Geilenkirchen am Herzen. Wir wollen unseren Kindern Wahlfreiheit ermöglichen.”

Zustimmung signalisierte auch Stefan Kassel (FDP): „Der Antrag ist richtig.” Derweil argumentierte Kurt Sybertz (SPD) dagegen: „Wenn wir uns abschotten, schotten sich auch andere ab. Abschotten ist der verkehrte Weg, das ist gegen die Kinder.”

Ruth Thelen argumentierte, dass alle Schulen unterschiedliche Ausrichtungen hätten. „Ich finde es toll, wenn man auswählen kann. Ich habe als Schüler die Stadt verlassen, weil man mir nicht angeboten hat, was meinem Talent entsprochen hat. Der Antrag der Bürgerliste ist negative Kirchturmspolitik.” Bei sechs Nein-Stimmen wurde der Antrag der Bürgerliste angenommen.
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