Zum Tag der Barbara ein Zweig als Frühlingsbote

Von: Johannes Gottwald
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Ein Glasfenster in der Boschelner St.-Fidelis-Kirche zeigt einen Bergmann, der in einem Stollen – und über ihm stilisiert die Grubenanlage – Kohle bricht. Lokale Geschichte der Barbara-Verehrung. Foto: Gottwald

Übach-Palenberg. Mehr als fünfzig Jahre sind schon vergangen, seit auf der Zeche Carolus Magnus die letzte Steinkohle gefördert wurde. Dennoch sind manche Traditionen aus der Zeit des Bergbaus lebendig geblieben. Dazu gehört auch der 4. Dezember, das Fest der Heiligen Barbara.

Bei den Invaliden- und Seniorenvereinen in Marienberg und Palenberg ist dieser Tag bis heute im Jahresprogramm fest verankert. „Auf der Zeche hat man allerdings kaum gespürt, dass es ein besonderes Datum für uns war“, erinnert sich ein ehemaliger Bergmann. „Da haben wir höchstens mal eine Flasche Schnaps mit nach unten genommen und zusammen leer getrunken.“

Zwar gab es Messfeiern in der Kirche, aber die Barbarafeiern mit geselligem Zusammensein sind meist nach den Zechenschließungen aufgekommen. „Hauptsächlich geht es dabei um die Pflege der Bergbautraditionen, um diese Zeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.“

Ähnlich wie die Heilige Cäcilia gehört auch Barbara zu den Märtyrinnen des antiken Christentums. Sie empfing schon als junges Mädchen die Taufe und wurde dafür von ihrem darüber erzürnten Vater in einen Turm gesperrt. Sie flüchtete später aus diesem Gefängnis und verbarg sich in einem Bergwerk, wo sie freundlich aufgenommen wurde – daher die Beziehung zu diesem Berufsstand.

Historie der Heiligen

Als sie jedoch eines Tages in ihr Elternhaus zurückkehrte, lieferte der Vater die Tochter den römischen Behörden aus. Da sie sich weigerte, ihren Glauben zu verleugnen und den heidnischen Göttern zu opfern, wurde sie zum Tode durch Enthaupten verurteilt. Vermutlich wurde sie im Jahre 306 während der Christenverfolgung des Kaisers Diokletian in Nikomedia (das heutige Izmir in der Türkei) hingerichtet.

Schon seit dem Mittelalter gehörte Barbara zu den „vierzehn Nothelfern“ und wurde häufig bei Gewittern und Bränden um Schutz gebeten. Am populärsten wurde sie jedoch als Schutzpatronin der Bergleute, die ihr zu Ehren im böhmischen Kuttenberg (heute: Kutna Horá) sogar eine imposante spätgotische Kathedrale errichteten.

Auch im gesamten ehemaligen Aachen-Heinsberger Steinkohlenrevier ist die Verehrung der Heiligen Barbara weit verbreitet. Dies drückt sich nicht nur darin aus, dass mehrere Kirchen ihren Namen tragen, auch zahlreiche Straßen wie auch eine in Übach-Palenberg wurden nach ihr benannt.

In der Alsdorfer Grube Anna befand sich bis zu deren Stilllegung 1983 auf der zweiten Sohle in 610 Metern Tiefe eine große Statue dieser Heiligen, sie war an der Gabelung zweier Stollengänge angebracht. Häufig wurde Barbara vor Schichtbeginn um Beistand angerufen; ein Gebet begann mit den Worten: „Sankt Barbara, in dieser Stund‘, wo mich verschlingt der Erde Mund, gib machtvoll mir dein treu Geleit, und stehe hilfreich mir zur Seit‘.“

Legenden aus dem Streb

Der Barbara-Kult wurde auch in den benachbarten niederländischen Revieren von Heerlen und Kerkrade gepflegt. Von dort ist sogar eine wundersame Begebenheit überliefert: An einem 4. Dezember soll in einem holländischen Bergwerk plötzlich mitten in der Schicht eine Frauenstimme durch die Stollen gerufen haben: „Flieht, flieht!“ Die Bergleute ließen sofort alles stehen und liegen und rannten fort. Wenige Minuten später soll es zu einem plötzlichen Wassereinbruch gekommen sein – tatsächlich konnten sich alle Kumpel retten.

Selbstverständlich kennt man in unserer Region auch außerhalb der Bergbau-Branche verschiedene Volksbräuche zum Barbaratag. In Dremmen bei Heinsberg steckte man noch bis etwa 1960 den Kindern Süßigkeiten und kleines Naschwerk in die Schuhe – als kleine Vorfreude auf den Nikolaustag, an dem dann der große Teller am Fenster aufgestellt und mit Gaben gefüllt wurde.

Am bekanntesten sind aber wohl die Barbara-Zweige, die man Anfang Dezember von Obstbäumen abschneidet und in die Vase stellt. Sie werden übrigens auch mit abergläubischen Vorstellungen verknüpft: Barbara-Zweige gelten zuweilen als Talismane oder Ernte-Orakel und wurden sogar schon für die Voraussage von Lottozahlen benutzt.

Man tut jedoch besser daran, sie mit genügend frischem Wasser zu versorgen, dann blühen sie mit etwas Glück schon an den Weihnachtstagen – mitten im Winter eine erste Vorahnung des kommenden Frühjahres.

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