Worte für das Grauen von Auschwitz

Von: Stefan Schaum
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Gepackte Koffer – für die letzte Reise: Die Deportation in die Konzentrationslager haben die Gesamtschüler in dieser Installation symbolhaft zum Ausdruck gebracht. Foto: Stefan Schaum
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Nach dem Besuch in Vernichtungslagern der Nazis präsentieren Übach-Palenberger Gesamtschüler eine bewegende Ausstellung. Foto: Stefan Schaum

Übach-Palenberg. Oliver Stech hat sie gefunden: Worte für das Grauen, für das es kaum Worte gibt. Noch während des Besuchs im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau hat der Schüler seine Gefühle festgehalten: „Ich bin irritiert, der Gedanke explodiert. Der Geist gefriert, die Kehle geschnürt!“ Sein Gedicht ist Teil einer Ausstellung, in der die 13. Jahrgangsstufe der Willy-Brandt-Gesamtschule ganz besondere Erfahrungen zum Ausdruck bringt. Ihr Titel: „Auschwitz und kein Ende“.

Fünf Tage lang waren die 40 Jugendlichen Anfang Oktober in Polen unterwegs auf den Spuren der systematischen Ausrottung durch die Nationalsozialisten. Sie haben die ehemaligen Lager besichtigt und das, was dort an das Massensterben erinnert: Berge von Schuhen, Haufen von Haaren. Reste, die vom Leben übrigblieben. „Es war ein Anblick, den man kaum verkraftet“, beschreibt es Roman Kapfenberger. So mancher in der Gruppe habe immer wieder Abstand nehmen müssen und Zeit gebraucht, um das Erlebte überhaupt verarbeiten zu können.

Leicht wollen die Jugendlichen es auch den Ausstellungsbesuchern nicht machen. So stehen über der Tür zur Schulaula die Worte, die die Nazis über den Eingang von Ausschwitz gehängt hatten: „Arbeit macht frei“. „Die Schüler wollen provozieren, damit Besucher sich möglichst intensiv mit den Dingen auseinandersetzen“, sagt Oberstufenkoordinatorin Andrea Zahalka, die die Jugendlichen auf der Fahrt begleitet hatte. Ermöglicht wurde die Reise durch die Stiftung „Erinnern ermöglichen“ und das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk.

In Texten und Bildern haben die Schüler ihre Stationen aufgearbeitet. Auch Installationen gibt es: Alte Koffer, auf denen Fotos der Deportationszüge stehen. Das sind Dinge mit hohem Symbolwert. Dinge, die berühren. Berührend war auch das: Ein Gespräch, das die Schüler in Polen mit einem Überlebendem des Holocaust geführt haben.

„Der Mann hat fünf Jahre in Auschwitz verbracht und ist heute 93 Jahre alt – aber er ist nicht gebrochen, sondern strahlt pure Lebensfreude aus“, beschreibt Roman Kapfenberger einen Menschen, der ihm sehr imponiert habe. „Sein Beispiel zeigt, dass man diese unglaubliche Menschenverachtung und diesen Hass auch überwinden kann.“ Der Inhalt dieser Gespräche, die mit Hilfe von Dolmetschern möglich waren, findet sich in der Ausstellung wieder.

„Kein Ende“ – diesen Teil des Titels greift die 12. Jahrgangsstufe in der Ausstellung auf. Wie der Rechtsextremismus sich heute manifestiert, zeigen die Schüler anhand zahlreicher Beispiele. Die hat die 11. Jahrgangsstufe zur Hand, wenn es ganz allgemein um Menschenrechtsverletzungen geht. Um Kinderarbeit, Sexuellen Missbrauch, Gewalt gegen Frauen. „Wir haben bei der Recherche viele schlimme Dinge gesehen, die täglich auf der Welt geschehen“, sagt Melis Uygun.

Auch Bilder aus dem US-amerikanischen Gefangenenlager Guantanamo zeigen die Schüler. Provokation ist auch hier ein Stichwort. Und darüber wollen die Schüler mit Besuchern gerne ins Gespräch kommen.

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