Gangelt - Wohnungsbau vor der Gangelter Stadtmauer: Denkmalschutz statt Residenz

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Wohnungsbau vor der Gangelter Stadtmauer: Denkmalschutz statt Residenz

Von: Dettmar Fischer
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Spricht sich gegen die geplante „Wohnresidenz an der Burg Gangelt“ aus: Das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland will die Wiese vor der Gangelter Stadtmauer erhalten. Foto: defi

Gangelt. Jetzt haben es die Gangelter Politiker schwarz auf weiß: das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland ist gegen den Bau einer Wohnresidenz auf der Wiese vor der Gangelter Stadtmauer.

Dr. Dorothee Heinzelmann ist wissenschaftliche Referentin der Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) und hat auf Bitten der Gemeindeverwaltung Gangelt die Position der Denkmalpflege zum geplanten Bau einer Wohnresidenz vor der Stadtmauer ausführlich auf zwei Din-A4-Seiten dargelegt.

Wer zwei und zwei zusammenzählen kann, wird relativ schnell zu dem Ergebnis kommen, dass die Spitze der Gemeindeverwaltung, Bürgermeister Bernhard Tholen, nach dem Informationsabend, den die Bauherrengemeinschaft Christian und Matthias Conzen am 23. Januar im Haus Hamacher für die Ratsfraktionen abgehalten hatte, durchaus ein gesteigertes Interesse an dieser Stellungnahme hatte. Stand doch seine Glaubwürdigkeit auf dem Spiel.

Fraktionen bereits informiert

Noch vor den tollen Tagen hatte das Schreiben Heinzelmanns die Verwaltung erreicht und war sodann von dieser ohne Vertraulichkeitsvermerk an die Fraktionen versandt worden. Bereits im Dezember 2017 war die Stellungnahme vom LVR der Anwaltskanzlei der Bauherren, der Kanzlei Lenz & Johlen in Köln, spezialisiert auf öffentliches Recht sowie Immobilienrecht, zugesandt worden. Wie zwischenzeitlich der Eindruck entstehen konnte, Dr. Dorothee Heinzelmann hätte ihre ablehnende Meinung zur Bebauung des Grundstücks vor der Stadtmauer, die sie schon im Mai 2017 deutlich dargestellt hatte, geändert, bleibt offen.

Qualität eines Denkmalbereiches

Dr. Dorothee Heinzelmann stellt in ihrer Stellungnahme zum Bau der geplanten Wohnresidenz dem Ortskern Gangelts ein Zeugnis aus, nach dem sich so manche Stadt die wohl sehnen würde:„Diese historische städtebauliche Struktur ist hier so gut erhalten, dass Gangelt ohne Zweifel die Qualität eines Denkmalbereiches aufweisen würde.“ Das wäre ein Entwicklungspotenzial von dem die Gemeinde zukünftig profitieren könnte.

Konkret zur Stadtmauer sagt Dr. Heinzelmann: „Die Stadtmauer ist ein Bau- und Bodendenkmal, weshalb Belange der Bau- und der Bodendenkmalpflege zu berücksichtigen sind.“ Während aus Sicht der Bodendenkmalpflege in erster Linie die Mauer und der vorgelagerte Grabenbereich im Fokus stünden, müsse die Baudenkmalpflege darüber hinaus jedoch andere Ziele verfolgen. Von Bedeutung sei einerseits die Erhaltung der Stadtmauer selbst. Entscheidend sei jedoch auch ihr Erscheinungsbild und die Ablesbarkeit ihrer ursprünglichen städtebaulichen Funktion. „In Gangelt ist in diesem Bereich östlich der Altstadt die historische Situation außergewöhnlich gut erhalten geblieben“, schreibt Heinzelmann.

Der die Stadt umgebende Mauerring sei mit der vorgelagerten Freifläche, die aus Sicherheitsgründen keine Bebauung aufweisen durfte, weithin sichtbar. Dahinter prägten einfache Gebäude wie Scheunen und Bürgerhäuser an der Heinsberger Straße die städtische Bebauung, aus der nur die Pfarrkirche und weiter südlich die Burg als signifikante Gebäude herausragten.

Die Silhouette sei charakteristisch für historische Ortschaften, „ist aber wohl an keinem anderen Ort im Kreis noch heute so authentisch erhalten wie hier in Gangelt.“ Dies präge den gesamten der Mauer vorgelagerten Bereich. Der zuletzt vorliegende Plan sehe, so Dr. Heinzelmann in ihrer Stellungnahme, eine nahezu vollständige Bebauung der Fläche zwischen Frankenstraße, Mercatorstraße und dem östlich verlaufenden asphaltierten Weg vor.

Historischer Zusammenhang

Die freigehaltene Fläche im südlichen Bereich würde zwar einen Teil des Stadtmauerabschnittes von der Frankenstraße aus sichtbar machen. Tatsächlich biete sich bis zur Ecke zwischen diesem Weg und der Mercatorstraße „eine außergewöhnliche Ansicht auf die Stadtmauer und den damit verbundenen historischen Ort.“ Von dieser Nordostecke aus sei der Blick auf die Stadtmauer mit Pfarrkirche und Burg von besonderer Bedeutung und „lässt wie sonst nirgends den historischen Zusammenhang zwischen Stadtmauer und Ortsbild erleben.“ Weiter heißt es: „Dieser Situation wurde bei dem 1992 aufgestellten Bebauungsplan Rechnung getragen, weshalb nur vier Baugrundstücke entlang der Mercatorstraße ausgewiesen wurden, während die gesamte übrige Fläche (...) bis zur Frankenstraße hin als Acker- und Wiesenfläche verbleiben und von jeglicher Bebauung freigehalten werden sollte.“

Stadtmauer soll sichtbar bleiben

Eine Bebauung nach dem zuletzt vorliegenden Plan würde diesen Blick von Osten und Nordosten vollständig verhindern. Sie kommt zu dem Schluss: „Die Einsehbarkeit der Stadtmauer würde hierdurch erheblich beeinträchtigt, weshalb das Vorhaben nicht im Sinne der Denkmalpflege sein kann.“

Falls die Besitzverhältnisse es zulassen sollten, so Heinzelmann, käme als Baufläche gegebenenfalls ein dreieckiges Feld weiter östlich in Frage, das so weit von der Stadtmauer entfernt liege, dass eine Beeinträchtigung nicht zu erwarten wäre.

Ob der Vorschlag der Denkmalpflegerin bei den Bauherren auf offene Ohren treffen wird, bleibt abzuwarten. Bürgermeister Bernhard Tholen hatte bereits erklärt, dass für ihn die Meinung der Fachbehörde richtungsweisend sei. In Bezug auf die Wohnresidenz an der Burg Gangelt öffentliches und persönliches Interesse gegeneinander abzuwägen, wird sicherlich keine leichte Aufgabe für die Gangelter Politiker werden.

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