Wie eine menschliche Stimme

Von: Johannes Gottwald
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Jan Trost am Violoncello und Florian Koltun am Flügel sorgten mit einer gelungenen Auswahl klassischer Stücke für einen sehr schönen Celloabend im Gemeindesaal der Ubacher Erlöserkirche. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Es waren leider nur wenige Zuhörer, welche der Einladung zu einem Celloabend in die evangelische Erlöserkirche gefolgt waren. Vielleicht war das schöne Herbstwetter an diesem Tag ein größerer Magnet und wurde vielfach zum Spaziergang genutzt.

Dies war eigentlich bedauerlich, denn im kleinen Gottesdienstraum unter der Kirche wurde klassische Musik auf sehr beachtlichem Niveau dargeboten. Mit dem Cellisten Jan Trost und dem Pianisten Florian Koltun hatte man zwei junge Künstler gewinnen können, die bereits mehrfach auf internationalen Wettbewerben - darunter auch „Jugend musiziert” - hohe Auszeichnungen errungen hatten.

Jan Trost ist Student an der Hochschule für Musik und Theater in München und erhielt 2006 den Förderpreis der Oberpfalz. Florian Koltun studiert im siebten Semester Instrumentalpädagogik für Klavier und Cello an der Hochschule in Köln und ist Schüler von Prof. Ilja Scheps. Das Programm wurde mit einem ruhig-besinnlichen Stück des Franzosen Gabriel Fauré eröffnet, dass die Überschrift „Apres un Reve” (Nach einem Traum) trug. Nach der Musik zu urteilen, handelte es sich aber keineswegs um eine romantische Träumerei, denn es dominierten Mollklänge, die eine düster-lastende Stimmung verbreiteten.

Ein galanter Stil

Hier konnte Jan Trost sein Cello im wahrsten Sinne des Wortes „singen” lassen - nicht ohne Grund wird der Celloklang oft mit der menschlichen Stimme verglichen. Dagegen konnte Florian Koltun bei den beiden Sonaten von Domenico Scarlatti sein pianistisches Können voll ausspielen. Während die Sonate K 213 eher im galanten Stil gehalten war, zog die Sonate K 141 stürmisch-bewegt mit rasanten Presto-Triolen vorbei. Scarlatti gehörte übrigens zu den produktivsten Komponisten aller Zeiten - ganz ähnlich wie sein Zeitgenosse Händel, mit dem ihn eine enge Künstlerfreunschaft verband. Es folgte die Sonate für Cello und Klavier D-Dur op. 102 Nr. 2 von Ludwig van Beethoven. Bei diesem großangelegten Kammermusikwerk aus dem Jahre 1815 erwiesen sich Jan Trost und Florian Koltun als perfekt aufeinander eingespieltes Duo.

Nach einem temperamentvollen Allegro con brio folgte ein dunkler und schwermütiger langsamer Satz, der nur in seinem Mittelteil freundlichere Stimmungsbilder brachte. Der unmittelbar anschließende Finalsatz entwickelte sich (ähnlich wie bei der 1. Symphonie) aus einem tonleiterartig aufsteigenden Motiv und führte das Werk zu einem freudigen Abschluss. Nach der Pause folgten zunächst wieder zwei solistische Beiträge. Zunächst erklang die Cellosuite BWV 1009 von Johann Sebastian Bach, die einen hochbedeutenden Beitrag zu dieser Literatur darstellt und dem Interpreten hohes technisches Können abverlangt. Jan Trost hatte hier prächtige Aufgaben zu lösen und bot eine überzeugende und klangschöne Wiedergabe.

Da wollte auch Florian Koltun mit der wenig bekannten Chaconne d-moll von Ferruccio Busoni nicht nachstehen und meisterte das hochanspruchsvolle Werk sicher und souverän.

Schwungvoll-burlesk

Den Schlusspunkt setzten die beiden Musiker dann mit dem „Libertango” von Astor Piazolla, der dem Abend einen schwungvoll-burlesken Ausklang bescherte. Der große Applaus der wenigen Zuhörer war am Ende hochverdient - und es folgte selbstverständlich noch eine Zugabe.
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