„White Horse Theatre” begeistert im Gymnasium

Von: Markus Bienwald
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Ein Opfer vom Piraten Nick ist
Ein Opfer vom Piraten Nick ist der sanfte Schäfer Robin Manley, der entführt wird, um ein Pirat zu werden, dann aber von seiner anmutigen und mutigen Freundin Jenny gerettet wird. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Es war schon eine ganz spezielle Atmosphäre, die an diesem Vormittag in die altehrwürdige Aula des Bischöflichen Gymnasiums St. Ursula am Markt in Geilenkirchen einzog. Denn dort, wo früher - noch als Kapelle - Heilige Messen gefeiert wurden, herrschte wiederum eine mehr als feierliche Stimmung.

Grund dafür war der Besuch eines der wohl bekanntesten pädagogischen Theater, des „White Horse Theatre”. Schon im vorigen Jahr hatte das Ensemble aus frischen, muttersprachlichen Schauspielern für viel Beifall gesorgt, und so waren die Gäste auch beim aktuellen Gastspiel nicht ohne Grund gespannt auf die „Performance”.

Den Auftakt machte „The Tiger of the Seas” von Peter Griffith. Dieser gründete 1978 das Theater und legte den Grundstein für den Erfolg, englischsprachige Stücke im Original an deutschen Schulen aufzuführen. Im jetzigen Stück, das speziell an die sechsten Klassen des Gymnasiums gerichtet war, geht es um den „schrecklichen” Piraten Nick Sharkmuck. Er ist in der Tat kein netter Kerl, nutzt jede sich nur bietende Gelegenheit dazu, Eindruck zu schinden und Böses auszuhecken. Kurzerhand entführt „Black Nick” gemeinsam mit seinem folgsamen Gehilfen den jungen Schäfer Robin Manley, um ihn zum Piraten auszubilden.

Doch da gibt es noch Robins ebenso mutige wie anmutige Freundin Jenny. Sie macht sich in einem Heißluftballon auf die Suche, um ihn zu befreien. Wobei auch die Frage zu klären ist, ob Robin nicht sein neues Leben als Pirat viel besser gefällt als sein eher beschauliches Schäferdasein.

Spaß beim flotten Spiel

Das junge Publikum hatte einen Heidenspaß bei dem flotten Spiel in der Aula. Es durfte unter anderem wie Schafe blöken, sich selbst entführen lassen oder mit speziellem „Publikums-Surround-Sound” das Stück noch spannender gestalten. Wie nebenbei banden die hervorragenden Darsteller aber nicht nur ihre überbordende Spielfreude mit ins Geschehen ein, sondern sorgten mit klassischem Englisch für den gewünschten Lerneffekt.

Nach einer Stunde war der Piratenspuk auf der Bühne vorbei, und der Vorhang hob sich zum zweiten Stück des Tages. Radikaler konnte der Umschwung auf der Bühne wohl kaum sein, auch wenn Spaß an Sprache und Theater sowie die Spielfreude mindestens auf dem Niveau des ersten Stücks waren. Denn der Klassiker „The Taming of the Shrew” aus der Feder von William Shakespeare stand auf dem Spielplan. Zwar kürzte das Team die lange Story etwas ein, doch Tempo, Humor und Wortwitz des Originals gingen in keiner Weise verloren.

Pädagogik und Leitziele

Auch die Handlung des Bühnen-Evergreens traf gut die Stimmung der dazu eingeladenen Oberstufenschüler. Bianca ist der Verzweiflung nah. Sie darf nämlich erst ihren Liebsten heiraten, wenn ihre ältere Schwester Katharina unter der Haube ist. Doch die ist für ihre Scharfzüngigkeit berüchtigt und schlägt jeden potentiellen Ehemann spätestens damit in die Flucht. Den verarmten Edelmann Petruchio kratzt das nicht, bewaffnet mit Witz und Schlagfertigkeit, tritt er zur Brautwerbung um die reiche Katharina an. Er geht sogar so weit, die widerspenstige Braut in eine fügsame Ehefrau zu verwandeln.

Hier zeigte das Ensemble des „White Horse Theatre” einen kleinen Blick in seine enorme darstellerische Bandbreite. Es wurden nicht nur die Bühne komplett umgestrickt und die Kostüme dem Anlass entsprechend angepasst, auch die Aussprache und Redewendungen fanden sich im Original wieder und gönnten den beeindruckten Gästen in der vollbesetzten Aula einen tiefen Blick in die interessante Welt des mittelalterlichen Theatertreibens.

So blieb unterm Strich auch dieser Besuch der „Weißen Pferde” (s. auch Kasten) ein überaus treffliches Beispiel dafür, wie pädagogischer Ansatz und Lernziele mit anderen Mitteln bestens miteinander verknüpft werden können.
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