Weißer Strich auf der Brücke trennt Ortsteile

Von: Georg Schmitz
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Geilenkirchen-Hünshoven. Die Pfarre Hünshoven im Wandel der Zeit. Nach einigen „Reibereien” führte der Umschwung der französischen Revolution Anfang des 19. Jahrhunderts endlich zum Frieden zwischen Katholiken und Protestanten.

Es wird sogar festgestellt, dass in den Schwierigkeiten um die Wiedererrichtung der 1808 aufgehobenen katholischen Pfarre Hünshoven sogar der evangelische Pfarrer Bredt der katholischen Gemeinde in ihrem Kampf behilflich war. Die evangelischen Bürger des Ortes nahmen an dem anschließenden Sieg ihrer katholische Mitbürger freudigen Anteil und beteiligten sich sogar an den Aufbaukosten des katholischen Pfarrhauses.

Synagoge niedergebrannt

Im Jahre 1652 werden zum ersten Mal in Hünshoven ansässige Juden erwähnt. Ihre Zahl stieg besonders in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts nicht unerheblich. Die Juden lebten stets in bester Eintracht mit den Bürgern von Hünshoven, aber auch ihnen blieb die furchtbare Verfolgung durch den Nationalsozialismus nicht erspart. So wurde die auf Geilenkirchener Gebiet gelegene Synagoge auf Parteibefehl 1938 niedergebrannt.

Die Pfarre Hünshoven umfasste von Anfang an einen verhältnismäßig weiten Sprengel. Gegen Westen bildete der Wurmbach, der auch uralte Scheide zwischen der Erzdiözese Köln und dem Bistum Lüttich war, die Pfarrgrenze. Ein Kuriosum ergab sich an Schloss Trips, dessen links der Wurm gelegene Mühle stets der Pfarre Geilenkirchen zugeordnet war, während die Schlossanlage zu Hünshoven gehörte.

Erstaunlicherweise fühlt sich dagegen das ebenfalls links der Wurm liegende Gut Hommerschen bis dato der Pfarre Hünshoven verbunden. Das Flüsschen „Wurm” markiert auch heute noch die Grenze zwischen Geilenkirchen und Hünshoven, und viele Bürger erinnern sich noch an die Zeiten, als auf der Brücke in der damaligen Hauptstraße ein weißer Strich auf die Trennung der beiden Ortsteile hinwies.

Im 19. Jahrhundert hatte Hünshoven an Größe seinen Nachbarn Geilenkirchen überflügelt. 1876 zählte Hünshoven 123 Wohnhäuser, Geilenkirchen deren 114. In den Annalen der Pfarre sind auch Einwohnerentwicklung mit Geburten und Sterbefällen aufgeführt.

So ist dort zu entnehmen, dass Seuchen und Epidemien wie Pestilenz, Ruhr oder „böses Fieber” zahlreiche Menschen „hinwegrafft”. Die Pfarre Hünshoven sei aber weit weniger als andere betroffen gewesen. Erst seit 1825 liegen genauere Zahlen über den Einwohnerstand vor, in Hünshoven lag die Seelenzahl zu diesem Zeitpunkt bei knapp über 800.

Interessant ist ein Kapitel über Pfarrfinanzen und Abgaben in Dr. Heinrich Schiffers Buch über die Pfarre Hünshoven. Dort ist unter anderem zu lesen: „Zu Ostern hielt der Küster bis zur Franzosenzeit einen Rundgang durch die Pfarre. Dabei mussten für jeden Kommunikanten mindestens zwei Eier gegeben werden, auch Protestanten und Juden waren zur Eierabgabe verpflichtet. In das Gesammelte teilten sich Pfarrer und Küster.”

Jährlich hatte zudem jedes Haus dem Küster ein zwölfpfündiges Brot zu liefern. Dr. Heinrich Schiffers listet in seinem 1951 erschienenen Werk alle bekannten Hünshovener Pfarrer lückenlos auf. Dabei ist überliefert, dass viele Geistliche im 15. und 16. Jahrhundert relativ jung - gerade einmal zwischen 35 und 50 Jahre alt - verstarben.

Selbstverständlich lag um die Hünshovener Kirche von Anfang an der Friedhof. Auf dem Kirchhof wurden alle Toten des weiten Pfarrsprengels beigesetzt, soweit dies nicht innerhalb der Kirche selbst geschah. Altem Brauch entsprechend fanden vor allem die Priester auch innerhalb des geweihten Kirchenraumes ihr Grab. Dabei war den Pfarrern stets die Stelle vor dem Hochaltar als Ehrengrab vorbehalten.

Eine Besonderheit der Hünshovener Kirche war, dass sich in ihr drei Erbbegräbnisse adeliger Familien befanden, und zwar der Häuser Breil, Tichelen und Trips, wobei offenbar der Erbgruft derer von Berghe zu Trips die höchste Bedeutung beigemessen wurde. 1893 wurde die Gruft mit Gebeinen und Särgen gefunden und nach Segnung mit Weihwasser wieder zugemauert.

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts mussten dann aber auch in Hünshoven alle Toten auf dem Friedhof beigesetzt werden. Der am 28. August 1845 in Hünshoven verstorbene weithin bekannte Dichter Nikolaus Becker wurde an jener Stelle beigesetzt, die er sich selbst wenige Wochen vor dem Tod ausgewählt hatte. Eine in die Außenwand eingelassene Tafel mit dem Bildnisrelief von Nikolaus Becker erinnert noch heute an den „großen Sohn” Hünshovens.
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