Weihnachtsbeleuchtung: Gehen auch im nächsten Jahr die Lichter an?

Von: Udo Stüßer
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Der Nikolausmarkt zieht Jahr für Jahr viele Menschen in die Stadt, schließt aber wie das Weinfest mit einem Defizit ab. Foto: Georg Schmitz
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Er ärgert sich über Trittbettfahrer, Defizite und Leerstände in der Stadt: Rüdiger Strübig, Vorsitzender des Aktionskreises, hat aber auch mit hochzufriedenen Geschäftsinhabern gesprochen. Fotos (7): Georg Schmitz Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Wenn Rüdiger Strübig, Vorsitzender des Aktionskreises Geilenkirchen, in diesen Tagen durch die Stadt geht, graben sich neben Sorgen- auch Zornesfalten in sein Gesicht. „Die Bewertung des laufenden Weihnachtsgeschäftes reicht von hochzufriedenen Ladeninhabern über befriedigende Umsätze bis hin zu enttäuschten Geschäftsleuten“, hat er nach vielen Gesprächen mit den ortsansässigen Händlern festgestellt.

Wenn im nächsten Jahr teure Reparaturen an einigen der 75 leuchtenden Großelemente erforderlich sein sollten und andererseits die Bereitschaft weiter abnimmt, sich finanziell zu beteiligen, könnten in Geilenkirchen in der Weihnachtszeit die Lichter ausbleiben. Doch Strübig will sich mit dieser Tristesse nicht abfinden und hofft, in den nächsten Monaten viele „Trittbrettfahrer“ zu überzeugen und auf die nächste Weihnachtszeit einzustimmen. Mit rund 12.000 Euro schlägt nämlich die Weihnachtsbeleuchtung zu Buche, etwas mehr als 2000 Euro zahlt die Stadt, die ortsansässigen Händler, die sich beteiligen, zahlen freiwillig zwischen 40 und 500 Euro, damit die City in hellem Lichterglanz erstrahlt.

Doch Strübigs Kritik geht auch in eine andere Richtung: „In anderen Kommunen wird die Weihnachtsbeleuchtung von Mitarbeitern des städtischen Bauhofes aufgehängt. Hier ist das Sache des Aktionskreises. Wir beauftragen für diese Arbeit ein Elektrounternehmen. Diese 10.000 Euro könnten wir locker einsparen. Zwischen 2000 und 3000 Euro beträgt in jedem Jahr die Unterdeckung, die der Aktionskreis aus der Rücklage entnehmen muss. „Dieses Geld könnten wir gut an anderer Stelle einsetzen“, sagt Strübig.

Nicht nur die Weihnachtsbeleuchtung bringt dem Aktionskreis Defizite. Auch der Nikolausmarkt, der Jahr für Jahr viele Menschen in die Stadt zieht, ist für die Geschäftsleute ein Zuschussgeschäft. Durchschnittlich 5000 Euro beträgt jährlich die Unterdeckung. Über die Kosten einer solchen Veranstaltung macht sich wohl kaum jemand Gedanken: 3000 bis 4000 Euro kalkulieren Strübig und sein Vorstandsteam für das Programm ein, 1700 Euro für die Beschallungsanlage, 350 Euro für die Gema, 400 Euro für Bewachung. „Und für etwa 4500 Euro mieten wir die Buden“, sagt Strübig. Dem gegenüber stehen lediglich Standgelder in Höhe von 20 bis 30 Euro je laufendem Meter, „erbettelte“ Sponsorengelder und Einnahmen durch Werbung auf den Flyern. „Nicht viel anders sieht es beim Weinfest aus“, klagt Strübig.

„Die Verweigerung mancher Geschäftsleute kann schlimmstenfalls dazu führen, im nächsten Jahr auf die Installation der Weihnachtsbeleuchtung und auch auf lieb gewonnene Veranstaltungen zu verzichten und stille verkaufsoffene Sonntage zu veranstalten“, mahnt Strübig. Und weiter: „Letztendlich wird sich das auch 2015 im Umfang der Feierlichkeiten zum 50. Jubiläum des Aktionskreises vermindernd auswirken, da der Beteiligungsumfang zahlender Mitglieder immer weiter abzusinken droht und sich leider keine grundlegende Änderung abzeichnet“, bezeichnet Strübig einen „in der Tat bedenklichen Prozess“.

Wirft der AK-Vorsitzende einen Blick auf die Geilenkirchener Innenstadt zwischen Kirche und Dohmens Eck, so sieht er durch die Umgestaltung der Straßenzüge, durch das Einkaufszentrum mit der Passage und durch die Neugestaltung des Marktplatzes und der Zufahrt zum Gymnasium eine deutliche Steigerung der Qualität, wobei aber einige „Schandflecke Grund zur Besorgnis geben“. „Denn die unansehnlichen leeren Ladenlokale an den Peripherien rücken immer dichter an das Zentrum heran. Hier könnte über Formen der Zwischennutzung nachgedacht werden“, denkt Strübig an Ausstellungen in leeren Geschäftsräumen, aber auch an eine Absenkung der Mieten durch die Immobilienbesitzer, damit sich kurzfristig kleine Fachgeschäfte ansiedeln können.

„Ich denke, dass es derzeit Friseure, Handy-Läden, Spielhallen und Sonnenstudios zur Genüge gibt, jedoch fehlen Haushaltswarengeschäfte, Miederwaren, Wäsche und Strümpfe, Kinder- und Jugendbekleidung, Spezialitätenläden sowie vielleicht auch ein Kino und weitere gehobene Gastronomie“, meint Strübig. Dies setze vorrangig eine solide, engagierte, überzeugende und überzeugte Händlergemeinschaft voraus. „Auch ein Umdenken der Geschäftsinhaber tut not, nur allzu wenige nehmen aktiv, engagiert und zielstrebig am Geschäftsgeschehen teil und warten mit positiven Eigeninitiativen auf“, übt er Kritik. Und weiter: „Schlimmer noch: Es wird häufig aus diesen Reihen die Forderung nach Aktionen der Stadt und denen des Aktionskreises laut. Anstatt sich solidarisch zu erklären und an der Verbesserung der Allgemeinsituation und der Entwicklung im positiven Sinne mitzuwirken, werde eine kollektive Zusammenarbeit und ein solidarisches Miteinander schlichtweg abgelehnt.

Stadtmarketing

Bewertet Strübig das Weihnachtsgeschäft, kommt es seinen Worten nach vorrangig darauf an, „verloren gegangenes Terrain alsbald wieder zurückzuerobern, dem Internet-Verkauf Paroli zu bieten und dem Kunden in Geilenkirchen in Zukunft ein vielfältiges Warenangebot in schönen, einladenden Geschäften, die zum Bummeln und Verweilen animieren, zu offerieren“. Bei der Gelegenheit fordert er auch eine Verbesserung des Citymanagements und des Stadtmarketingprozesses. „Geilenkirchen ist doch abends tot. Da müssen wir die Leute in die Stadt ziehen“, fordert er mehr Veranstaltungen und Gastronomie mit gehobenem Niveau. Hinter einem qualifizierten Stadtmarketing stecke viel Arbeit.

„Die Mitarbeiter des Wirtschaftsförderungsamtes alleine sind nicht in der Lage, das zu bewältigen. Stadtmarketing darf aber auch nicht im politischen Prozess zerredet werden“, kritisiert Strübig, dass dem Marketingprozess in der Vergangenheit insgesamt gesehen zu geringe Bedeutung beigemessen worden sei. Doch er weiß auch: „Aufgrund der Haushaltssicherung besteht nicht die Möglichkeit, in der Verwaltung zusätzliche Stellen zu schaffen. Man müsste einen privaten Geldgeber finden.“

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