Gangelt/Geilenkirchen - Wasser-Preis bleibt auch im 5. Jahr stabil

Wasser-Preis bleibt auch im 5. Jahr stabil

Von: gep
Letzte Aktualisierung:
wasser bild 1
Er weiß, was er trinkt: Georg Wichert, Geschäftsführer des Verbandswasserwerks Gangelt, Geilenkirchen, nimmt einen kräftigen Schluck.

Gangelt/Geilenkirchen. Farb- und geruchslos, klar und kühl, geschmacklich einwandfrei und gesundlich unbedenklich soll es sein - Trinkwasser, das wichtigste Lebensmittel der Menschheit.

Dass es in der Region mit ausreichendem Druck, in ausreichender Menge und in hoher Qualität aus den Rohren schießt, ist Aufgabe des Verbandswasserwerks Gangelt (VWG), Geilenkirchen.

Gute Nachricht für die Verbraucher: Der Wasserpreis bleibt auch 2009 und damit im fünften Jahr stabil. „Wir können den Wasserpreis halten”, so Geschäftsführer Georg Wichert. Er sieht das kommunale Unternehmen - Gesellschafter sind Gangelt, Geilenkirchen, Selfkant, Hückelhoven und Heinsberg - gut aufgestellt.

Auch im Hinblick auf einen Deutschland-weiten Preisvergleich des Statistischen Bundesamtes, Wiesbaden. Danach zahlte 2007 ein Zwei-Personen-Haushalt mit einem Trinkwasserverbrauch von 80 Kubikmetern im Bundesdurchschnitt knapp 190 Euro. Das Verbandswasserwerk Gangelt stellt dafür 191,74 Euro in Rechnung.

Die Wasserrechnung enthält neben dem Kubikmeterpreis als verbrauchabhängigem Entgelt auch die von den meisten Wasserversorgern berechnete Grundgebühr jeweils mit dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent.

Der Kubikmeterpreis kostete im Schnitt zwischen Geilenkirchen und Görlitz 1,60 Euro, beim Verbandswasserwerk werden 0,95 Euro verlangt - 0, 89 Euro plus Mehrwertsteuer. Eine Ausnahmeregelung besteht - vertragsbedingt bis 2012 - für die VWG-Kunden in Teveren und Grotenrath.

Die Grundgebühr lag im bundesweiten Durchschnitt bei 61,56 Euro im Jahr, beim Verbandswasserwerk sind es indes 115,56 Euro einschließlich sieben Prozent Mehrwertsteuer. Das sei, unterstreicht Wichert, „Betriebsphilosophie”, eine derartige Mischkalkulation - hoher Grundpreis, niedriger Arbeitspreis - sei familienfreundlich. Damit sei es auch ein Stück kommunaler Daseinsvorsorge, sagt Wichert mit Blick auf die Konzentrationstendenzen in der Energie- und Wasserwirtschaft. „Wir entscheiden hier vor Ort über unser Wasser.”

2008 setzte das Verbandswasserwerk insgesamt 2,557 Millionen Kubikmeter Trinkwasserwerk ab und erreichte damit knapp das Vorjahresergebnis (2,58 Mio).

Im laufenden Jahr steigt die Abnahmemenge deutlich. Nach Linnich werden pro Jahr jetzt etwa 750000 Kubikmeter geliefert.

Im abgelaufenen Jahr bezog die die Stadt Linnich bereits 170000 Kubikmeter. Grundlage ist ein 21-jähriger Liefervertrag mit dem dortigen Versorger, den Niederrheinischen Gas- und Wasserwerken GmbH (NGW), Duisburg. Damit erhalten die Linnicher seit dem 18. November weicheres Wasser. Das VWG-Wasser hat 10,2 Grad deutsche Härte (dH), das dortige NGW-Wasserwerk lieferte hartes Wasser mit 15,1 dH. Weil sich in Linnich die Rohwasserqualität stetig verschlechtert hatte, wurden die Brunnen geschlossen, für den Notfall werden aber vorsorglich zwei Brunnen betriebsbereit gehalten.

Die NGW ist eine von mehr als 30 Branchengesellschaften der Gelsenwasser AG, Gelsenkirchen. Der Versorgungsriese kommt auf etwa 300 Millionen Euro Umsatz, die NGW alleine auf 90 Millionen Euro mit dem Verkauf von rund 38 Millionen Kubikmeter Trinkwasser und fast 2000 Millionen Kilowattstunden (kWh) Gas. Zum Vergleich: Das Verbandswasserwerk erzielte 2008 mit 28 Mitarbeitern mit 5,4 Millionen Umsatz.

Speicher für heiße Sommer

Über zwei Leitungen mit einer Gesamtlänge von 6,4 Kilometern und 20 Zentimetern Durchmesser wird jetzt VWG-Trinkwasser von Lindern und Brachelen aus nach Linnich gepumpt.

Insgesamt hat das Verbandswasserwerk im vergangenen Jahr 14 Kilometer Versorgungs- und Transportleitungen erweitert oder erneuert. Investiert wurden 3,053 Millionen Euro. Dickster Brocken waren mit 1,85 Millionen Euro zwei neue Trinkwasserbehälter in Niederbusch, die insgesamt 5000 Kubikmeter fassen. Damit kann, erläutert Wichert, zum einen nachts zu niedrigeren Stromtarifen mehr gespeichert werden, zum anderen kann mehr für Bedarfsspitzen etwa in heißen Sommern vorgehalten werden.

Gefördert wurden aus insgesamt sechs Brunnen - vier in Niederbusch sowie jeweils einer in Gillrath und Panneschopp - 2008 insgesamt 3,4 Millionen Kubikmeter. Bis 2013 hat das Unternehmen Wasserrechte für maximal vier Millionen Kubikmeter im Jahr.

Das Rohwasser kommt über Rohre mit einem Durchmesser von 20 Zentimeter aus zwei „Stockwerken”, die in 30 bis 50 Metern Tiefe liegen. Im Einsatz sind je Brunnen zwei Pumpen im Wechseltakt, die eine Leistung von 150 Kubikmetern in der Stunde erbringen. Der geologische Untergrund besteht hauptsächlich aus verschiedenen Sandarten wie Quarzsand, es finden sich aber auch Kiese, Ton, Lehm, Torf und Feuersteine. Abgepumpt wird das Wasser in einer Kiesschicht.

Zur Aufbereitung wird das Rohwasser nur durch Kalkgestein aus dem Sauerland geschleust. Das nimmt dem Wasser „die Aggressivität für Hausinstallationen”, erläutert Wichert.

„Unser Wasser ist ein hundertprozentiges Naturprodukt”, betont der Geschäftsführer. Chlor, Ozon oder Flockungsmittel kämen nicht zum Einsatz.

Bei einer Flockung werden Trübstoffe wie Schwebeteilchen oder Algen entfernt. Dazu werden Eisen- oder Aluminiumsalze dem Rohwasser zugesetzt. Es bilden sich Flocken, an denen die Teilchen anhaften, um dann herausgefiltert zu werden. Chlor wiederum tötet Krankheitserreger ab, es ist in bakteriologischer Hinsicht ein relativ sicheres Verfahren. Und auch Ozon, ein blau gefärbtes Gas, wird zur Wasserdesinfektion eingesetzt. Ozon hat, so Experten, den Vorteil, dass es rückstandslos zu Sauerstoff zerfällt und seine bakterizide Wirkung offenbar die des Klassikers Chlor übertrifft.

Ein Nachteil ist es, dass Ozon im Wasser relativ schnell zerfällt und damit nur eine geringe Depotwirkung hat. Bei zu niedriger Konzentration kommt es ferner, so Fachleute, zu einem vermehrtem Bakterienwachstum und einer stärkeren Veralgung des Wassers.

Das Verbandswasserwerk lässt die Qualität wöchentlich untersuchen - in den Brunnen, im Wasserwerk, im Leitungsnetz und bei den Endkunden. Rechtliche Grundlage für die strengen Kontrollen ist die Trinkwasserverordnung (TrinkwV). Ermächtigungsgrundlage für diese Verordnung ist nicht ohne Grund das Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz - IfSG)

Nitrat im billigen Dünger

Was Wichert immer größere Sorgen bereitet, ist der Gülle- und Klärschlamm-Tourismus aus den Niederlanden und Belgien. Täglich würden große Mengen als (preiswerter) Dünger auf den hiesigen Äckern und Wiesen aufgebracht.

Zwar liegt die Nitratbelastung des Trinkwassers beim VWG derzeit mit 17,4 Milligramm pro Liter (mg/l) noch deutlich unter dem amtlichen Grenzwert von 50 mg/l. Die Belastungswerte haben aber, so Wichert, seit Jahren eine steigende Tendenz. 1972 lag der Nitratwert noch bei 13,0 mg/l.

Geschäftsführung, Aufsichtsrat und Gesellschafter sähen daher „großen Handlungsbedarf” auf höheren politischen Ebenen, um das Problem Gülle/Klärschlamm auch grenzüberschreitende in den Griff zu bekommen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert