Waschkauen-Halle bringt Stadt in Nöte

Von: Franz Windelen
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Gruppenbild im leeren Raum: Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch, Dezernent Hans-Peter Gatzen, AWO-Kreisvorsitzender Josef Krawanja und AWO-Kreisgeschäftsführer Andreas Wagner (v.l.) sind auf der Suche nach dem Konzept für die Waschkauen-Halle. Foto: Windelen

Übach-Palenberg. Irgendwie steht die Waschkaue oder vielmehr ein Teil von ihr, die 1800 Quadrameter große Halle, unter einem schlechten Stern. Was einst vollmundig als künftiger Eventtempel von regionaler Bedeutung apostrophiert wurde, entpuppte sich inzwischen als echter Flop.

Kabarettist Rüdiger Hoffmann hat zwar anno 2002 den Auftakt für die kulturelle Veranstaltungsreihe gemacht, die es dann nie gab. Bislang nicht gab. Vielleicht war der Erfinder der Langsamkeit ein schlechtes Omen für das weitere Schicksal der Waschkauen-Halle.

Denn seither schleppt sich auch die Beantwortung der Frage dahin, was denn aus der einstigen Zechenimmobilie werden soll, die nach dem Verkauf durch die Stadt Übach-Palenberg im Eigentum der AWO Service gGmbH, einer Tochter des AWO-Kreisverbandes Heinsberg, steht.

Während die AWO Service ein Teil der Räume für ihre Beschäftigungsförderungsgesellschaft für Langzeitarbeitslose und als Plattform für Berufsbildungslehrgänge nutzt sowie der Maschinenhersteller Oerlikon Schlafhorst 800 Quadrameter im Keller für ihre Verwaltung angepachtet hat, ist die Halle das große Sorgenkind - nicht nur der AWO, sondern auch der Stadt Übach-Palenberg, die die Bergbau-Hinterlassenschaft Anfang 2000 für einen symbolischen Euro an den Wohltätigkeitsverband veräußerte.

Warum eine Vermarktung sich nach wie vor sehr schwierig gestaltet und warum Stadt und AWO in einem Boot sitzen, wird im Gespräch mit Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch, Hans-Peter Gatzen, Dezernent für Planen und Bauen, Andreas Wagner, Geschäftsführer der Kreis-AWO, sowie Josef Krawanja, Vorsitzender der Kreis-AWO, deutlich.

Knackpunkt in der scheinbar unendlichen Geschichte ist das Konzept, es muss ein Konzept her, das von der Bezirksregierung Köln als förderungswürdig erachtet wird. Und dabei wähnte man sich schon auf dem richtigen Weg, wie Bürgermeister Jungnitsch erläutert.

„AWO, Stadt und Bezirksregierung hatten in den vergangenen Monaten gemeinsam ein Konzept erarbeitet. Dann kam im Juni eine zehnköpfige Delegation aus Köln zur Ortsbesichtigung und zeigte sich zu unserem Erstaunen unzufrieden. Gefordert wird nun ein Nutzungskonzept, das eine Nachhaltigkeit garantiert.” Dabei seien in dieses neuerliche Konzept Inhalte aus vorherigen Konzepten eingeflossen, die seinerzeit von den Genehmigungsbehörden goutiert worden seien.

„Jetzt fangen wir wieder von vorne an”, reagiert Andreas Wagner mit Unverständnis. „Wir müssen jedoch diesmal die externen Dienste eines Eventmanagements in Anspruch nehmen, weil diese neuen Forderungen nicht über die Bordmittel beziehungsweise eigenen Kräfte zu erfüllen sind. Wir holen gerade ein Angebot für die Kosten eines solchen Konzeptes ein, auszugehen ist von einer fünfstelligen Summe”, vermutet Jungnitsch.

Die Krux an der Geschichte: Die Stadt befindet sich im Nothaushalt; sie muss folglich bei der Aufsichtsbehörde, dem Kreis Heinsberg, die Genehmigung für eine derartige Ausgabe, die eine Pflichtausgabe sein müsste, bekommen. Die Antwort aus dem Kreishaus lässt noch auf sich warten. Die Zeit drängt: „Bis November muss das Konzept in Köln vorliegen.”

Ansonsten droht der GAU: Die Zuschüsse für den Hallenteil der Waschkaue müssten an den Regierungspräsidenten zurückgezahlt werden. „Das geht in die Millionen-Höhe, es handelt sich nicht um Peanuts”, will Bürgermeister Jungnitsch nicht eurogenau die Summe benennen.

Doch wieso stünde die Stadt in der finanziellen Bringschuld, wo doch die AWO Eigentümerin der Immobilie ist? „Die Stadt hatte seinerzeit beim Verkauf an die AWO eine Bürgschaft übernommen, sie allein gilt als Zuschussempfängerin und damit als alleinverantwortlicher Ansprechpartner für die Aufsichtsbehörde”, betont Wolfgang Jungnitsch.

Die AWO könnte sich also - rein theoretisch - aus dem Desaster verabschieden. „Das werden wir auf keinen Fall tun. Auch wir wollen den Konsens und müssen ihn finden”, formuliert AWO-Geschäftsführer Andreas Wagner den Schulterschluss mit der Stadt. Schließlich habe auch die AWO Servcie eGmbH schon „erhebliche Gelder” in das Projekt Waschkaue investiert, die man nicht ohne Weiteres versenken wolle.

„Die Halle war bei Übernahme eine Ruine. Wenn ich überlege, wie viel Arbeit von unseren Leuten zur Sanierung reingesteckt wurde, ist es ein Unding, dass wir nach so viel Energieleistung bis auf den heutigen Tag keinen Schritt weiter sind”, ärgert sich AWO-Vorsitzender Josef Krawanja.

Dabei hätte alles so schön werden können - nach der Hoffmannschen Premiere anno 2002. „Doch dann machte uns die Änderung der Versammlungsstätten-Verordnung einen dicken Strich durch die Rechnung”, verweist Wagner auf eine rechtliche Hürde, die „damals keiner so vorhersehen konnte”. „Lärmschutz, Feuerschutz, das nächtliche Parkplatz-Problem durch die motorisierten Event-Besucher.

Die Sicherheitsvorschriften wurden straffer. An eine Fortsetzung vor allem von Musik- und Kabarett-Veranstaltungen war unter diesen Voraussetzungen nicht mehr zu denken”, moniert Krawanja. „...schon mal gar nicht unter der Maßgabe, dass um 22 Uhr Schluss sein muss”, ergänzt Wagner.

Da sei ein wirtschaftlich rentabler Betrieb nicht möglich. Scharfe Kritik übt Wagner am Kreis: „Die Kreisverwaltung war vom ersten Tag an involviert, da hätte man uns über etwaige Probleme in Kenntnis setzen müssen. Und nicht erst, als das Kind in den Brunnen gefallen war.”

Die Probleme sind alt, bei der AWO wie bei der Stadt sind die Überlegungen und Verträge durch die Vorgänger getroffen bzw. geschlossen worden, deshalb spricht Bürgermeister Jungnitsch von einer „Erbengemeinschaft”: „Wir, die wir nun am Tisch sitzen, müssen die Karre aus dem Dreck ziehen.”

Jungnitsch vermisst das Gespür der Bezirksregierung für die spezielle Misere seiner Stadt: „Übach-Palenberg ist im Nothaushalt, und da ist es schlimm, dass man uns weitere Hürden aufbaut.” Hans Peter Gatzen springt ihm zur Seite: „Wenn man uns lassen würde, wie wir wollten, hätten wir längst eine Verwendung für die Halle.”

So hatte man etwa mit der Firma Oerlikon Schlafhorst einen ansehnlichen Pächter gefunden; diese musste allerdings schon bald ihre Produktion aus der Halle entfernen, weil nach Ansicht der Bezirksregierung diese Art der Nutzung nicht den Förderrichtlinien für die Halle entspricht.

Der Bürgermeister ist empört: „Uns werden Fesseln angelegt. Da passt nach Worten Gatzens auch der Umstand ins Bild, dass die Stadt jetzt schon Veranstaltungsverträge für das nächste Jahr schließen soll, „obwohl wir das Konzept bis November erst ausarbeiten sollen.”

Für Wolfgang Jungnitsch drängt sich da ein „Verdacht” auf: „Man will gar nicht, dass wir ein förderungsfähiges Konzept präsentieren, in Köln will man nur die Zuschüsse zurück. Vielleicht sitzt den Verantwortlichen dort auch der Landesrechnungshof NRW im Nacken und sie können gar nicht anders.”
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