Vortrag in Geilenkirchen: Wie die Nachwelt Karl den Großen sieht

Von: Georg Schmitz
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Professor Dr. Max Kerner (l.) und Professor Gerd Wassenberg weisen anlässlich des Karlsjahrs auf die Ausstellungen zu Karl dem Großen hin. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Professor Max Kerner hielt Wort. Sein im vergangenen Herbst gegebenes Versprechen löste er ein, aus Anlass des 1200. Todestages Kaiser Karls erneut einen Vortrag vor der Europa-Union Geilenkirchen zu halten. Und wie er sein Wort hielt: rhetorisch brillant, inhaltlich fesselnd und mit einer die Zuhörerschaft ansteckenden Begeisterung.

Für Professor Gerd Wassenberg als Vorsitzender der Europa-Union Geilenkirchen war es daher eine große Freude, den Aachener Wissenschaftler für Mittelalterliche Geschichte und Kaiser Karl-Experten Kerner in der überfüllten Nikolaus-Becker-Stube willkommen zu heißen.

Kerner hielt sich nicht lange mit Vorreden auf. „Was Karl der Große kulturell geleistet hat, war eine europäische Leistung und hat Europa bis heute geprägt“, sagte er gleich zu Beginn seines gut einstündigen Vortrags.

Damit sei Karls Leistung wegweisend für die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft gewesen, deren Gründungsväter Konrad Adenauer, Alice de Gaspari und Robert Schuman Kerner scherzhaft als die „Karolinger der fünfziger Jahre“ bezeichnete.

„Unsäglich“ sei für ihn, dass es immer noch Autoren gebe, die sogar den geschichtlichen Kaiser Karl leugneten. Unverständlich sei für ihn ferner, dass der im vergangenen Jahr uraufgeführte Film über das Leben Karls des Großen mit seiner Krönung im Jahr 800 ende und damit die weiteren Jahre bis zu seinem Tod 814 einfach ausblende.

In seinen weiteren Ausführungen malte der Aachener Historiker ein differenziertes Bild vom „Mythos Karl“. War Karl der Große für Autoren des Mittelalters und der Neuzeit einmal der „mächtigste Kaiser des Mittelalters“, galt er für andere als „heiliger Barbar“. Während die Franzosen ihn als ihren „Charlemagne“ beanspruchen und er daher kein Deutscher sein könne, gelte Karl der Große doch weithin als der „Vater Europas“.

Anhand der um 870 in Bronze gegossenen Reiterstatuette, die heute im Pariser Louvre zu besichtigen ist, beschritt Kerner eine „Wanderstraße der bildlichen Erinnerung“. Als imposante Gestalt auf einem zu klein geratenen Pferd, mit Pagenfrisur und Lilienkrone, Schnurrbart, mächtigem Kinn und fülligem Leib lebe Karl „mit größerer Entschiedenheit als in jedem anderen Bild als der erste Kaiser des Abendlandes in der Geschichte fort.“

Im weiteren Verlauf seines Vortrags widmete Kerner sich vornehmlich dem Karlsthron und der Karlskrone. Der sogenannte Karlsthron sei wohl das in Aachen wichtigste Erinnerungsstück an Karl den Großen. Dieser Thron sei ein zentrales Herrschaftszeichen der deutschen Königserhebung und „der Ausgangspunkt des geschichtlichen Ranges von Aachen“.

Es gebe für diesen Thron, dessen Entstehung auf das Jahr 800 zurückgeführt werde, zwei mögliche wenn auch umstrittene Deutungen.

Die eine der beiden sehe in dem Karlsthron einen Reliquienthron mit Stephansburse, die als Karlsreliquie bis 1531 bei den mittelalterlichen Krönungszeremonien eingesetzt wurde. Die andere Deutung gehe von der Idee der byzantinischen Hetoimasia, des leeren Thrones, aus, der an die Wiederkehr des Weltenrichters erinnere.

Kein Hinweis auf Aachen

Die ebenfalls berühmte Karlskrone, die vermutlich aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts stamme und deren Original in der Wiener Schatzkammer zu bewundern sei, stelle alttestamentliche Bezüge, das himmlische Jerusalem sowie die Herrscherbelehrung dar. Bei einem weiteren Erinnerungs-stück, dem Karlssiegel aus dem 12. Jahrhundert, sei auffallend, dass die Umschrift des Siegels keinen Hinweis auf den Stadtnamen Aachens enthalte, obwohl es als Stadtsiegel gedient habe.

Abschließend ging Kerner der Frage nach, welche Botschaft von Karl dem Großen zu seiner Zeit ausging und wie diese Botschaft im Lichte des heutigen Europas zu sehen sei. „Was für das Reich Karls des Großen galt, nämlich Einheit in Vielfalt, gilt auch heute als Botschaft in der Staatengemeinschaft der Europäischen Union.“ Mit diesem Fazit gelang es Kerner, die Epoche Kaiser Karls mit der Gegenwart zu verknüpfen.

Karlsausstellung im Juni

Darüber hinaus gelang es ihm, in eine anregende Diskussion überzuleiten. Außerdem warb er für den Besuch der großen Karlsausstellung in Aachen, die am 20. Juni eröffnet wird.

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