Vor 50 Jahren ging eine Bahn-Ära zu Ende

Von: hama
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Günter Steinhauer (r.) fuhr die Jubiläumsgäste mit dem 102er Triebwagen nach Gillrath und zurück. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. Günter Steinhauer war es vorbehalten, den Triebwagen T102 auf der Jubiläumstour zu steuern. Dabei konnte er zusammen mit Dr. Peter Grünberg, dem Vorsitzenden der Interessengemeinschaft historischer Schienenverkehr (IHS), unter den Gästen auch einige begrüßen, die bei der letzten Fahrt der damaligen Kreisbahn von Geilenkirchen nach Gangelt dabei gewesen waren.

Man erinnerte daran, dass genau vor 50 Jahren eine Ära zu Ende ging. Damals war es ein Samstag, als sich am Abend des 1. Oktober 1960 der erst zehn Jahre alte Dieseltriebwagen T 101 der Geilenkirchener Kreisbahn auf die letzte Runde machte.

Während der relativ neue Triebwagen später seinen Dienst bei der Inselbahn auf Juist fortsetzte, traten bei der Kreisbahn Busse an seine Stelle. Käthe Peters, die heute in Birgden lebt, wohnte damals noch bei ihren Eltern Nelißen in Gangelt und fuhr mit dem „Bähnchen” regelmäßig zur Berufsschule. Sie konnte den erstaunten Selfkantbahnern sogar noch die letzte Wochenkarte vorzeigen, die sie beim Aufräumen gefunden hatte. Die Freude bei Günter Steinhauer und seinen Mitstreitern war groß, als sie das Erinnerungsstück für ihre Sammlung geschenkt bekamen.

Tränen trieb es den anwesenden Bahnkunden in die Augen, als sie den Fahrpreis für eine Woche Gangelt - Geilenkirchen und zurück sahen: 2,20 D-Mark. Helene von Contzen stammt ebenfalls aus Gangelt, wo sie als geborene Nitschke auf der Franz-Savels-Straße lebt. Sie hat bei der Kreisbahn gearbeitet und hatte sich damals die letzte Fahrt nicht entgehen lassen. Sie hatte am letzten Freitag ihren 73. Geburtstag und bekam die (kostenlose) Fahrt von ihrem Mann geschenkt.

Während auf der Fahrt mit dem Triebwagen 102 (der 101er wurde bekanntlich verkauft) der „Heggeströper-Schnaps” serviert wurde, kamen vor allem bei den älteren Fahrkosten doch viele Erinnerungen hoch, die mit der alten Bahn und dem ganzen Drumherum verbunden waren.

Mit dieser letzten Fahrt vor 50 ging eigentlich eine 60 Jahre währende Ära zu Ende. Denn schon am 7. April 1900 war der Personenverkehr zwischen Alsdorf und Tüddern aufgenommen worden. Nach Einstellung des Betriebes zwischen Gangelt und Tüddern im Jahr 1949 als Folge des Gebietsüberganges an die Niederlande sowie zwischen Alsdorf und Geilenkirchen im Jahr 1953 verblieb nur noch der Betrieb zwischen Geilenkirchen und Gangelt, für den ein einziger Triebwagen ausreichend war. Aber schon im Juli 1969 begann die Interessengemeinschaft historischer Schienenverkehr mit dem Schreiben der Erfolgsgeschichte, die bis heute andauert.

Wie damals

Die Selfkantbahn ist der große Publikumsmagnet in der Gemeinde Gangelt. Die IHS hat rund 460 Mitglieder und 90 Aktive, und davon bilden wiederum rund 50 Hobbyeisenbahner den „harten Kern”. Symbolisch fuhr Günter Steinhauer den Triebwagen rund 250 Meter in Richtung Gangelt; weiter liegen die Schienen nicht mehr. Dann ging es nach Gillrath, wo um 18.08 Uhr - auf die Minute genau wie vom damaligen Zug - die Rückfahrt nach Schierwaldenrath angetreten wurde.
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