Geilenkirchen/Übach-Palenberg - Vom Affen gebissen und doch zufrieden

Vom Affen gebissen und doch zufrieden

Von: Georg Schmitz
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Das Mittagessen bestand auch für Alyssa (l.) in dem südamerikanischen Land öfters aus großen Meerschweinchen, die über einem offenen Feuer zubereitet wurden. Repros: Georg Schmitz

Geilenkirchen/Übach-Palenberg. Vom Affen gebissen - und trotzdem viel Spaß gehabt. Für Alyssa Will (19) ist mit einem zweimonatigen Dschungel-Aufenthalt in Südamerika ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen.

Die blonde junge Frau aus Scherpenseel dachte nach ihrem im Sommer bestandenem Abitur am Carolus-Magnus-Gymnasium in Übach-Palenberg über ein längeres Praktikum im Ausland nach. Bei der deutschen Organisation „Praktika Welten” hielt sie Ausschau nach einem geeigneten Job. Südamerika schwebte Alyssa schon vor, doch welches Land dort wählen? Mit geschlossenen Augen ließ die 19-Jährige ihren Finger über eine Südamerika-Karte kreisen und - der fand sich auf Ecuador wieder.

Mutter Alexandra Will hatte wenige Wochen zuvor bei Günther Jauchs „Wer wird Millionär” eine schöne Summe Geld gewonnen. So konnte sie ihrer Tochter den Wunsch gerne erfüllen, denn das auserwählte Praktikum im Rescue-Center „Paseo de los Monos” (übersetzt etwa: Heim für Affen) im östlichen Ecuador musste aus eigener Tasche finanziert werden.

Am 2. Oktober 2011 stieg Alyssa Will in Düsseldorf in ihr Flugzeug nach Madrid, und von dort aus ging es nach Quito, der Hauptstadt Ecuadors, der am höchsten liegenden Metropole der Welt. Hier traf sie auf vier weitere deutsche junge Frauen, die allesamt einen Crash-Kurs in Spanisch besuchen mussten, um sich auf ihr Praktikum vorzubereiten.

„Quito hat eine hohe Kriminalität, davon habe ich aber nichts mit bekommen. Die Leute waren freundlich und hilfsbereit”, blickt Alyssa zurück. Nach vier Stunden Spanisch-Unterricht täglich, habe sie noch etwas Zeit für Exkursionen in die einzelnen Stadtviertel gefunden. Sehr beeindruckt zeigte sie sich von der Altstadt mit vielen alten Baracken, aber immerhin 27 Kirchen.

Speiseplan: Meerschweinchen

Über das Essen in dem für Deutsche relativ exotischen Land hatte die 19-Jährige nichts Negatives zu berichten. „In Ecuador stehen überall recht große Meerschweinchen auf dem Speiseplan. Die hab ich auch probiert, und die haben gut geschmeckt”, gibt Alyssa unumwunden zu.

Die Temperaturen in Ecuador seien gewöhnungsbedürftig, tagsüber waren es knapp über 20 Grad Celsius, nachts kühlte es empfindlich ab. „Morgens holte man sich einen Sonnenbrand, und nachmittags musste man Stiefel anziehen, weil es dann immer regnete”, beschreibt Alyssa Will.

Am 30. Oktober ging es in den Dschungel. Nach sechs Stunden Fahrt über die ziemlich holprige „Panamerica”, der berühmten, insgesamt 4000 Kilometer langen Straße, erreichte die Scherpenseelerin mit der Stadt Puyo ihr Ziel. Mit sieben weiteren Volontären des tierischen Rettungsprojekts wohnte sie in einem Haus im Dschungel, umgeben von „Baracken und viel Durcheinander”, so Alyssa. Einschließlich der Langzeitbeschäftigten arbeiteten 17 Frauen und Männer aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, der Schweiz, den USA und Ecuador in dem Camp. Neben den Klammer-, Woll-, Totenkopf- und Kapuzineraffen galt es mit Papageien, Schildkröten, Nasenbären, Guatusas, einer großen Rattenart, und dem verspielten Fischotter „Ady” weitere Bewohner der Station zu versorgen.

Die meisten Affen durften sich frei im Dschungel bewegen. „Nur die Affen in der ,Gruppenfindungsphase wurden noch im Gehege gehalten”, erzählt die Abiturientin. „Viele Affen wurden von Tierschützern aus der Gefangenschaft befreit. Dort lebten sie nicht mit ihren Artgenossen zusammen, und deshalb müssen sie an andere Affen gewöhnt werden”. Mit ihren grün-blauen Augen blickt Alyssa auf die Fotos, die ihre Erinnerungen festhalten. Ein wenig traurig denkt sie an einige Ereignisse zurück, die sie ziemlich berührten: „Ein Affe wurde in einem Vogelkäfig gehalten und wuchs dort auf. Der konnte sich kaum bewegen.”

Doch die Mitarbeiter des Rescue-Projektes tun ihr Möglichstes, um die Tiere wieder auf die Freiheit vorzubereiten, was auch meist gelingt. Obst, Gemüse, aber auch Fleisch stehen auf dem Fütterungsplan der tierischen Camp-Bewohner. „Für Ady gibts natürlich Fisch”, denkt Alyssa an den putzigen Otter zurück, der mit allen Tieren und Menschen zurecht kam. Ady wohnte nachts in einem umgebauten Wassertank, tagsüber lief er herum.

Die Tiere vertrugen sich sehr gut. So kamen die neun Hunde der Mitarbeiter regelmäßig in den Genuss, von den Affen gelaust zu werden. Aber es kam auch für Alyssa Will der Tag, an dem sie zum ersten Mal von einem Alphamännchen gebissen wurde. Die „Führungspersönlichkeit” für eine Gruppe von Affen schlug ihr gewaltig die Zähne in die Hand, die mit mehreren Stichen genäht werden musste. „Das hat tierisch weh getan”, erinnert sich die 19-Jährige mit Schrecken. Wenige Tage später war es ein anderes, ebenfalls über einen Harem herrschendes Männchen, das die Übach-Palenbergerin erneut biss, diesmal kräftig in den Arm. Große Narben zeugen noch heute von dieser Begegnung mit den beiden Wollaffen.

Zum Glück hatte Alyssa Will im Vorfeld des Praktikums nötige Tetanus-, Tollwut- und Hepatitis A- und B-Impfungen bekommen.

Betreuung von Touristen

Neben der Fütterung zählte auch die Säuberung der Gehege zum Aufgabengebiet der 1,72 Meter großen jungen Frau. Daneben übernahm Alyssa auch Führungen von Touristen, die hier und da die Affenstation besuchten: „Da mussten wir immer drauf achten, dass die Affen den Touristen nichts klauten.”

Auch erzählt Alyssa von einem Affenbaby, dass in einem rosa Kleidchen zum Rettungszentrum gebracht wurde und nie einen ihrer Artgenossen gesehen hatte. Doch welch ein Glück: „Das Wollaffenbaby hat sich sofort mit den anderen Affen angefreundet und mit ihnen gespielt”, blickt die junge Frau erfreut zurück.

Nach mehr als zwei Monaten ihres Auslands-Praktikums ist Alyssa Will wieder in Deutschland angekommen. Im September 2012 beginnt sie Studiengang „International Business” in Maastricht. Aber vorher möchte sie, „wenn das Geld reicht”, noch einmal dorthin, nach Ecuador. Ein Land, das sie inzwischen verbindet - mit Affenliebe.
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