Viel in den Herzen der Schüler bewegt

Von: Udo Stüßer
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Geilenkirchen. „Das war keine simple Klassenfahrt, sondern eine Fahrt, die viel in den Köpfen und Herzen der Schüler bewegt hat.

Mehr als endlos viele Unterrichtsstunden”, sagt Adalbert Wolynski, Lehrer an der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule Geilenkirchen, rückblickend. Im vergangenen Jahr besuchte erstmals der komplette neunte Jahrgang Krakau, Auschwitz und das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau.

In diesem größten deutschen Konzentrationslager während des Zweiten Weltkrieges wurden über eine Million Menschen ermordet. „Kein Schüler der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule soll die Schule verlassen, ohne Auschwitz gesehen zu haben”, hatten sich Schulleiter Uwe Böken und sein Kollegium auf die Fahnen geschrieben.

Im vergangenen Jahr trafen die Schüler aus Geilenkirchen sogar auf einen Überlebenden des Holocaust: Der 93-jährige Pole Wilhelm Brasse war vier Jahre lang Häftling in Auschwitz und als Lagerfotograf gezwungen, die grausamen und menschenverachtenden Experimente des Arztes Dr. Josef Mengele, bekannt als der Todesengel von Auschwitz, zu dokumentieren. Vor 120 Schülern der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule berichtete Brasse von dem Leben und Sterben in dem Lager.

Ermöglicht wurde diese Fahrt mit der Unterstützung der Stiftung „Erinnern ermöglichen” mit Sitz an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Diese Stiftung wurde von dem Unternehmer-Ehepaar Roswitha und Erich Bethe ins Leben gerufen.

Für das Ziel, jedem Schüler aus Nordrhein-Westfalen einen Studienaufenthalt in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau zu ermöglichen, erklärte es sich bereit, sechs Jahre lang jeweils eine Million Euro zur verfügung zu stellen. 30 000 Euro stellte diese Stiftung der Geilenkirchener Gesamtschule für die Fahrt nach Krakau zur Verfügung, so dass der Beitrag der Schüler bei 30 Euro lag.

„Wir sind davon ausgegangen, dass die Stiftung unser Vorhaben auch in den folgenden Jahren so fördert, wie im vergangenen Jahr”, erklärt Uwe Böken. Doch jetzt kam die Hiobsbotschaft aus Düsseldorf: Die Stiftung teilte mit, dass die Maßnahme lediglich mit nur noch 10 000 Euro gefördert werden könne. „Damit müsste jeder Schüler 160 Euro für die Fünf-Tage-Fahrt zahlen”, hatte Wolynski nachgerechnet. „Und das kann sich nicht jeder Schüler leisten”, bedauert Uwe Böken.


Eine Klassenfahrt könne für dieses Projekt nicht gestrichen werden. Denn: „Wir haben sowieso nur noch zwei Klassenfahrten. Die Kennenlernfahrt in der Jahrgangsstufe fünf und eine Abschlussfahrt”, so Böken. „Und die Fahrt nach Krakau ist eine reine Studienfahrt”, so Wolynski.

Doch noch gibt es einen Hoffnungsschimmer am Horizont: Erhöht man den Eigenanteil der Schüler auf 60 Euro, so hatten Böken und Wolynski nachgerechnet, klafft eine Lücke in Höhe von 14 000 Euro.

„Jeder Euro, der für unser Projekt gespendet wird, wird von der Stiftung noch einmal verdoppelt”, sieht Böken nicht mehr ganz so schwarz. 7000 Euro benötigt die Gesamtschule also an Spendengeldern, damit auch in diesem Jahr der komplette Jahrgang wieder nach Krakau fahren kann. Eine erste Spende in Höhe von 500 ging jetzt schon in der Gesamtschule ein. „Mit dieser Fahrt tragen wir nicht nur dazu bei, dass Schüler an die Themen Nationalsozialismus und Auschwitz herangeführt werden und auch Zeitzeugen erleben.

Die Schüler lernen auch ein Nachbarland kennen, wie sie es vorher nicht gekannt haben”, hofft Wolynski auf großzügige Spenden für seine Schüler. Derweil setzt Böken auch auf schnelle Hilfe aus der Bevölkerung. „Denn mit jeder Woche, in der wir später buchen, wird es teurer.” Wer diese Fahrt unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende auf das Konto des Fördervereins (Konto-Nr. 151852, Kreissparkasse Heinsberg, BLZ: 31251220) tun. Böken: „Jeder Euro zählt.” Seine Stellvertreterin Roswitha Steffens ergänzt: „In dem Fall sogar doppelt.”
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