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Verteilte Tierpensionen der Gesamtschule in ein „Hotel“

Von: g.s.
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Seraphina Groh (l.) und Janona Seeling im Tierhaus mit dem Präparat einer Brachipelmasmith, einer Vogelspinnenart. Foto: Georg Schmitz
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Projektkoordinator Dr. Stephan Evertz vor dem neuen Tierhausaus. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Teilweise sind sie ganz schön „ekelig“, die Tierchen, die sich in der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule auf 24 Quadratmetern Grundfläche tummeln. Das kommt aber auf die Sichtweise des Betrachters an, denn es gibt nicht wenige Menschen, die sich zu Hause Vogelspinnen, Käfer oder Stabheuschrecken halten.

Neben den genannten Lebewesen sind in dem Tierhaus der Schule auch noch drei Leopard-Geckos, eine Bartagame und ein Aquarium mit Fischen untergebracht. Einige Tierchen befinden sich auch noch im Keller der Schule, dorthin wurden sie vor zwei Jahren umquartiert. Sie werden in Kürze in dem am Samstag im Schulgarten in Betrieb genommenem Tierheim ihr endgültiges Zuhause finden.

Dass sie demnächst wieder fleißig krabbeln und rennen können, ist zahlreichen Sponsoren und der Hilfe von Freiwilligen zu verdanken. Schon seit 15 Jahren bereichern die Tierchen den Biologieunterricht in der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule, und damals handelte es sich auch um Wüstenrennmäuse, Chinchillas und weitere Kleingetiere die in einem nicht genutzten Schulraum sowie bei Familien untergebracht waren.

Doch dann kam der Tag, als von „oberster Stelle“ die Tierhaltung untersagt wurde. „Wir hatten damals Besuch vom Veterinäramt in unserem Raum, in dem heute der Mädchentreff untergebracht ist“, erzählte der Vorsitzende des Fördervereins, Max Weiler. So sei vor zwei Jahren fieberhaft nach einer Lösung gesucht worden. Die Stadt hatte errechnet, dass ein Tierhaus mit 70.000 Euro zu Buche schlagen würde. Das hätte den Rahmen gesprengt, und so nahm sich der Förderverein des Problems an und fungierte fortan als Bauherr.

Dank Materialspenden, zahlreicher Sponsoren und der Eigenleistung freiwilliger Helfer gelang das schier Unmögliche. „Es hat zwar etwas länger gedauert, aber es ist vollbracht“, freute sich Max Weiler. „Hier haben Schüler, Eltern, fachkundige Familienmitglieder und Lehrer mitgearbeitet, und denen gilt seitens der Schule Dank“, sagte Schulleiter Uwe Böken. Ohne den Förderverein hätte das Tierhaus, das auch ein Umluftgebläse zur Geruchsreduzierung beinhaltet, so nicht realisiert werden können, war Uwe Böken sicher. Hege und Pflege von Tieren sei ein langjähriger Bestandteil des Unterrichts, und eine artgerechte Haltung der Tiere genieße in der Schule eine hohe Priorität.

Der Schulleiter erinnerte an den Sponsorenlauf, als über eintausend Schülerinnen und Schüler, Lehrer und Eltern für das außergewöhnliche Projekt flitzten und gingen. Der besondere Dank von Uwe Böken galt dem Koordinator des Projektes, Dr. Stephan Evertz, und der durfte sich über ein kleines Geschenk freuen. „Liebes Tierhaus, du bist ein Schmuckstück geworden und solltest in der Wertschätzung der Schule ganz oben stehen“, sagte Stephan Evertz.

Bürgermeister Thomas Fiedler konnte sich an dem Geschaffenen nicht satt sehen, zumal bis auf einen minimalen Material- und Logistikaufwand keine Kosten auf die Stadt zugekommen waren. „Ob die denn bei der Stadt bekloppt seien“, als die damals 70.000 Euro angesetzt haben, sei er schon gefragt worden. „Ich sage Ihnen ganz offen: Das war die Variante mit dem Außengehege für Elefanten“, scherzte Thomas Fiedler und erntete kollektives Schmunzeln. „Eine Schule mit Tierhaus ist keine gewöhnliche Schule, sondern eine mit besonderem pädagogischem Konzept“, war sich der Bürgermeister sicher.

Nun wird noch ein Name für das Tierhaus gesucht, und diesbezüglich konnten die zahlreichen Besucher des parallel laufenden „Tag der Offenen Tür“ am Samstag ihre Vorschläge einbringen. Währenddessen marschierten die Schülerinnen Seraphina Groh und Janina Seeling mit einem auf einem Stück Holz befestigten Präparat Rotknie-Vogelspinne durch die Gegend.

„Das ist eine Brachipelmasmithi“, wusste Christian Dahlgren. Der 19-Jährige Garten- und Landschaftsbauer kann sich von seiner Gesamtschule nicht trennen, die er vor vier Jahren verlassen hat. Regelmäßig kommt er zu Besuch und unterstützt die Tier AG mit seinem Fachwissen. Darüber ist auch Biologie- und Chemielehrer Dr. Bernd Cüpper erfreut, der die Tier AG leitet.

In den Terrarien im Innern des Tierhauses konnten die Besucher zwei quicklebendige Vogelspinnen bewundern, gleich neben dem Hamster und den drei Leopard-Geckos. Ein Dutzend Schüler kümmert sich auch in Zukunft um die Tierchen, und alle sind mit Begeisterung bei der Sache.

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