Übach-Palenberg - Ungewöhnliche Jazzklänge, abstrakte Gemälde: Konzert mit Georg Ruby

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Ungewöhnliche Jazzklänge, abstrakte Gemälde: Konzert mit Georg Ruby

Von: Johannes Gottwald
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Nicht alltägliche Noten aus dem Klavier: Für sein Jazz-Improvisationskonzert präparierte Georg Ruby den Konzertflügel und erzeugte höchst ungewöhnliche Klänge. Foto: Johannes Gottwald

Übach-Palenberg. Schon seit zwei Jahrzehnten wird das Rokokoschloss Zweibrüggen, die „gute Stube“ der Stadt Übach-Palenberg, für Konzerte und Kunstausstellungen genutzt. Kürzlich konnte man sogar erleben, wie sich beide Kunstgattungen begegneten.

Zu einer Ausstellung der Künstlerin Birgit König, die jüngst mit dem vom Künstler-Forum Schloss Zweibrüggen ausgelobten Marlies-Seliger-Crumbiegel-Preis ausgezeichnet worden war, fand ein Konzert des Jazzpianisten Georg Ruby statt, der mit Birgit König persönlich bekannt ist. Ruby (Jahrgang 1953) lebt heute in Hofweiler bei Trier, studierte zunächst Klavierspiel und Klarinette und leitete dann verschiedene Jazzorchester und Big Bands. Heute ist er Professor an der Musikhochschule in Saarbrücken, unternimmt aber auch weiterhin Konzertreisen.

„Glocken“ lautete der Titel der ersten Stückes, mit dem Ruby den Abend eröffnete. Es entfaltete sich über ausgedehnten Klangflächen, enthielt kaum Melodien, sondern viele kurze Motive, die aus den reichhaltigen Obertönen der Glocken abgeleitet wurden. Zur Überraschung vieler Zuhörer hatte Ruby den Flügel präpariert: Mit Hilfe von Magneten und anderen Vorrichtungen wurde der Klang teilweise verfremdet. So untermalten hier Pizzicato-Klänge, die an Streicher erinnerten, die in höheren Lagen „normal“ klingenden Akkorde.

Vorbereitet improvisiert

Jazz-Klänge waren in diesem ersten Stück noch nicht zu hören – dies änderte sich aber beim nachfolgenden „Manda“, das von erregter Stimmung und hoher Virtuosität erfüllt war. Wie die meisten Stücke des Abends handelte es sich auch hier größtenteils um Improvisationen, die allerdings meist nicht spontan, sondern sorgfältiger Vorbereitung entsprungen waren.

Mit „Bye, bye, Blackbird“ wurde anschließend ein bekanntes Stück aus dem Jazz-Metier musikalisch verarbeitet, mit einem langen Orgelpunkt eingeleitet, über dem sich Cluster entwickelten. Erst allmählich entwickelte sich ein prachtvolles Stimmungsbild, dass von stark erweiterter Tonalität und expressionistischer Harmonik geprägt war. Ebenfalls lebhaft, aber mit einem ruhigen Mittelteil, zog die Paraphrase über „There is no greater Love“ vorüber.

Schlagwerk auf Flügel

Die Methode des „Präparierens“ wendete Ruby während seines Konzertes noch mehrfach an. So auch bei der ausgedehnten fünften Improvisation, bei er er dem In­strument geradezu banjohafte Klänge entlockte. Hier traten die typischen Stilelemente des Jazz besonders schön zutage. Zuweilen wurde sogar der Flügel durch rhythmisches Klopfen auf der Holzverkleidung als Schlagzeug benutzt. Das Stück endete so abrupt, dass Ruby „Fertig“ sagen musste.

Noch eindrucksvoller trat sein hochvirtuoses Klavierspiel im nächsten Stück zutage, in dem persönliche Erlebnisse des Interpreten verarbeitet waren. Hier wurden – wiederum mit Hilfe von Magneten – in der Basslage des Flügels Becken- und Kastagnettenklänge erzeugt. Mit einer Improvisation über das bekannte Lied „Es weht der Wind von Norden“ aus dem UFA-Film „Über uns der Himmel“ ging das Konzert danach ruhig und besinnlich zu Ende. Der Applaus der zahlreichen Zuhörer war jedoch so groß, dass Ruby noch zwei Zugaben folgen ließ.

Danach hatten die Konzertbesucher ausgiebig Zeit, die zahlreichen Gemälde von Birgit König zu bewundern, die auch zugegen war. Sie wurde 1957 in Trier geboren und absolvierte ihr Kunststudium an der Academie Beeldende Kunsten in Maastricht. Seit 1993 ist sie in Aachen und Katalonien als freischaffende Künstlerin tätig.

Fantasie der Betrachter

Die im Schloss Zweibrüggen noch bis zum 4. Mai ausgestellten Bilder sind durchweg abstrakt und arbeiten vor allem mit Farbenspielen und Linienführungen. Manche wirken fast wie Vorhänge oder Fensterrahmen – aber diese Deutung bleibt bewusst dem Publikum überlassen.

Nach Aussage der Künstlerin soll die Fantasie der Betrachter angeregt werden, diesen Farben- und Formenspielen eine eigene, persönliche Deutung zu geben.

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