Übach-Palenberg - Um Lohn geprellt? Glasfaser-Arbeitern platzt der Kragen

Um Lohn geprellt? Glasfaser-Arbeitern platzt der Kragen

Von: jpm
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„Wir sind blank“: Die rund 35 Arbeiter aus Den Haag wollen keine Glasfaser mehr verlegen. Foto: Jan Mönch

Übach-Palenberg. Irgendwann am frühen Vormittag platzte den Arbeitern auf der Heerlener Straße in Übach-Palenberg der Kragen. Die Schaufeln flogen in die Ecke, die Arbeit wurde niedergelegt. Die rund 35 Arbeiter, die in Übach-Palenberg Glasfaserkabel verlegen, behaupten: „Wir sind seit zwei Monaten nicht bezahlt worden.“

Am Nachmittag dann spielten sich im Ortsteil Scherpenseel teils tumultartige Szenen ab: Denn mittlerweile waren Polizei und Ordnungsamt zur Baustelle gerufen worden. Schließlich lag der aufgerissene Bürgersteig offen und stellte somit eine Gefährdung für Passanten und Radfahrer dar. Ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes musste von einzelnen wüstes Gebrüll über sich ergehen lassen. Dennoch äußerte er Verständnis für die Situation der aus Den Haag angereisten Arbeiter, die vorgeben, nach nunmehr zwei Monaten ohne Lohn nicht mehr zu wissen, wovon sie Verpflegung und Unterkunft bezahlen sollen. Hupende Autos auf der engen, von Bau- und Einsatzfahrzeugen zugestellten Heerlener Straße taten ihr Übriges, um den chaotischen Gesamteindruck zu verstärken.

Die Arbeiter schuften in Scherpenseel für das niederländische Unternehmen PTH. Dieses hat den Auftrag wiederum von den ebenfalls in den Niederlanden ansässigen Gebr. vd Donk erhalten. Und Gebr. vd Donk schließlich betreut die Verlegung der Internetleitungen für die Deutsche Glasfaser. Auch sie ist eng mit den Niederlanden verbunden, nämlich eine Tochter des Unternehmens Reggefiber. Ein Vertreter von Gebr. vd Donk, Jasper Brinkman, der ebenfalls am Nachmittag vor Ort war, wies die Schuld von sich. Man habe ordnungsgemäß an PTH gezahlt, was man schuldig gewesen sei. Wenn die Arbeiter ohne Lohn dastünden, sei dies also die Schuld von PTH. Mit der Auszahlung der Arbeiter habe man nichts zu tun.

Praktisch das genaue Gegenteil berichtet PTH-Projektleiter Kürsat Sarican: Anfangs habe Gebr. vd Donk noch gezahlt. Dann habe man nachträglich versucht, den Preis zu drücken. Er selbst habe dies abgelehnt und seine Arbeiter aufgefordert, Hacken und Schaufeln niederzulegen. Jetzt, wo man die Arbeit zu rund 80 Prozent erledigt habe, lasse Gebr. vd Donk es offenbar darauf ankommen, dass die Zusammenarbeit ende. Natürlich würde er sich gern einen Anwalt nehmen, so Sarica, „aber den kann ich nicht bezahlen. Und genau das ist die Taktik.“

Bereits vergangenen Sommer zog die Glasfaserverlegung im Kreis Aufmerksamkeit der unangenehmen Art auf sich. Damals war ein Hungerlohn von 2,30 Euro, den ein beauftragtes Unternehmen aus Slowenien seinen Arbeitern für das Schuften in Gangelt und Selfkant gezahlt haben soll, der Grund. Die Deutsche Glasfaser wies die Schuld damals von sich und schrieb sie dem osteuropäischen Unternehmen zu, dem man selbst den Zuschlag gegeben hatte. Den Sloweniern wurde der Auftrag anschließend entzogen.

2,30 Euro pro Stunde – das waren offenbar genau 2,30 Euro mehr, als die Arbeiter in Scherpenseel zuletzt erhalten haben.

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