Übach-Palenberg - Übach-Palenberg: Gegen soziale Ausgrenzung in der Schule

Übach-Palenberg: Gegen soziale Ausgrenzung in der Schule

Von: Wilfried Rhein
Letzte Aktualisierung:
Auch die Hauptschule in Übach
Auch die Hauptschule in Übach-Palenberg (Bild) ist ein Arbeitsgebiet der neuen Schulsozialpädagogen, erste Reihe von links: Patricia Hülsbeck, Martina Gräp, Svenja Hansen, Iris Evertz und Özcan Ugur neben den Vertretern aller städtischen Schulen und der Stadtverwaltung Übach-Palenbergs.

Übach-Palenberg. Optimal wäre, die Probleme an Schulen mit Schülern schon aufzufangen, bevor sie aufbrechen und negative Wirkung zeigen. Denn dass es zu Störfällen kommt, auch bei gut organisierten Lehrerkollegien, bestreiten weder Schulträger noch -leitungen.

Willkommen sind deshalb Instrumente, mit denen in allen Schulformen Ausgleiche geschaffen werden können. In Übach-Palenberg hat mit der Schulsozialarbeit eine neue Zeit begonnen.

Dafür gibt es sogar mehr Personal, das der Stadt Übach-Palenberg allerdings keine Kosten verursacht. Zahlender ist das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, das den Fonds „Bildungs- und Teil­habepaket” aufgelegt hat. Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch erfreut das ungemein: „Eine ganz tolle Sache, die üblicherweise von der Stadt gar nicht zu leisten wäre”, schaut er auf den Stadt-Etat. Als Schulträger jedoch hat die Stadt die Aufgabe, solche Aktionen zu steuern. An dieser Stelle tritt die Arbeiterwohlfahrt (AWO) im Kreis Heinsberg in die Organisation des Verfahrens ein.

Es ist ein öffentlich-rechtlicher Vertrag geschlossen worden zwischen der Stadt und dem Kreis Heinsberg, um drei Planstellen für die Schulsozialarbeit in Übach-Palenberg zu finanzieren, im ganzen Kreisgebiet sind es 13 Stellen. Die der Stadt an der Wurm zugedachten Planstellen werden - auf Grund von Halbtagseinsätzen - von fünf Fachkräften erfüllt; so können alle Schulen der Stadt durch die Sozialpädagogen betreut werden, die dafür von der AWO Service gGmbH aufgenommen worden sind.

Wolfgang Jungnitsch lobte bei der Vorstellung des Projekts ausdrücklich die „guten Erfahrungen mit der AWO” in der Stadt. Und auch AWO-Kreisgeschäftsführer Andreas Wagner zeigte sich dankbar, dass die Stadt mit der Anfrage an seine Organisation herangetreten sei. „Wir zeigen bereits sehr starke Aktivität in Übach-Palenberg, was Gliederungen und Aufgaben der Arbeiterwohlfahrt betrifft”, sagt Andreas Wagner. „Es freut uns, dass wir auch dieses Puzzle-Teil übernehmen können.”

Prävention, also Vorbeugung, nimmt beim Teilhabepaket großen Platz ein. Sozialarbeit in der Schule oder in deren Umfeld ist ein Teil der präventiven Bildungs- und auch Arbeitsmarktpolitik. „Es geht um den Abbau sozialer Ausgrenzung”, markiert Engelbert Piotrowski, Beigeordneter der Stadt Übach-Palenbertg, das hohe Ziel des Pakets. Dafür muss man den Bedarf aber erkennen, selbst wenn es sich um eine Beitragsübernahme für soziale Kontakte handele, führt er das reale Beispiel einer Klassenfahrt an.

Die fünf Schulsozialarbeiter/innen - Iris Evertz, Martina Gräp, Svenja Hansen, Patricia Hülsbeck und Özcan Ugur - werden die Anlaufstellen sein, sollten Schüler/innen mit ihren Problemen außerhalb des Lehrstoffes nicht klar kommen. „Aber auch die Eltern können bei den Fachleuten Rat suchen”, betont Beigeordneter Piotrowski. So sind Schulsozialarbeiter Schnittstellen aller beteiligten amtlichen und gesellschaftlichen Gruppen.

„Eine enge Zusammenarbeit der kommunalen Behörden mit den freien Trägern der Jugendsozialarbeit ist dabei ausdrücklich erwünscht”, hat die Übach-Palenberger Verwaltungsspitze formuliert. Denn es geht schließlich um Hilfen und Vermittlungen, wie man den Anspruch aus dem Bildungs- und Teilhabepaket umsetzen kann.

Etwa 3400 Schüler/innen zählt die Stadt Übach-Palenberg. Rund 230 werden in der Gemeinschaftshauptschule an der Friedensstraße unterrichtet. Im dortigen Musiksaal stellten die Vertragsparteien die projektierte Schulsozialarbeit vor. Für die anwesenden Vertreter aller Schulformen freute sich Hausherr Johannes Nellissen, dass die Schulsozialarbeit endlich gestartet sei. Er fragte aber auch hintergründig, was erwartet die Schule, was erwarten die Lehrer, und wo gibt es eine gemeinsame Basis der Ziele? Es sei bereits eine Diskussion über die Kompetenzen im Gang, denn auch die Lehrerkollegien wünschen, dass ihre Interessen gewahrt blieben. Unterricht sei Sache der Lehrer, „Störer” in den Klassen zunächst auch, aber solche Auffälligkeiten könnten auch in die Therapie der Schulsozialarbeiter gehören.

Die fünf neuen Kräfte an den Schulen Übach-Palenbergs sehen ihren Auftrag zunächst darin, Vertrauen aufzubauen, positive Reaktionen zu erzeugen und zu betonen, dass ihre Arbeit keinen Einfluss auf die Benotung der Schüler hat. Wie geht das am Anfang? Svenja Hansen: „Es sind schon viele Kontakte geknüpft und auch etliche Anfragen an uns gerichtet worden.” Die jungen Sozialpädagogen wollen sich gern in allen Klassen vorstellen und sind auch gerne bereit, hier und da im Unterricht zu hospitieren.

Rund 54.000 Euro kostet eine Stelle Schulsozialarbeit pro Jahr. Die Vertragsmittel reichen bis Ende des Jahres 2013. Für den Bürgermeister durchaus eine politische Herausforderung, sich im Erfolgsfall um Fortsetzung zu bemühen: „Wir können Konzentration auf die Schule fördern - und sogar ein bisschen Familienersatz bieten, wos sein muss.” Real ist für Wolfgang Jungnitsch schon jetzt: „Wir haben einen weiteren Baustein, um die Schulen in Übach-Palenberg attraktiver zu gestalten.”
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