Übach-Palenberg 2010: Bittere Wahrheit und süße Schmankerl

Von: Franz Windelen
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Übach-Palenberg. 2010 - es ist das Jahr der bitteren Wahrheit, versüßt durch einige Schmankerl. Im wahrsten Sinne des Wortes. In das Lamento der Kommunalpolitik auf das finanzielle Desaster mischt sich ein Juchheißa auf die Schokoladenfabrik. Hier ein 50-Millionen-Schuldenberg aus der Vergangenheit, dort eine 65-Millionen-Investition in die Zukunft.

Die Stadt nagt am Hungertuch, die lokale Wirtschaft scheint sich - nach der lähmenden Finanzkrise - wiederzubeleben. Wirtschaftsförderer Hans-Peter Gatzen vermeldet: das Carolus Magnus Centrum (CMC) ist bis zum letzten Zentimeter verpachtet - nicht zuletzt wegen des Umzuges der Firma Oerlikon-Schlafhorst von Mönchengladbach nach Übach-Palenberg. 28 Firmen, mehr als 200 Arbeitsplätze.

Udo Jastrinski und Manfred Latour, die Kapitäne der Übacher bzw. Palenberger Kaufmannschaften, suchen den Schulterschluss - ihr Motto: ein Denken, ein Handeln. Es werden die Weichen gestellt für ein Einkaufszentrum auf der alten Zechenbrache am CMC, die Immobilien Treuhandgesellschaft aus Düsseldorf erhält unter sechs Bewerbern den Zuschlag.

Der mediale Sommerhit

2010 - es ist das Jahr, in dem Übach-Palenberg, mal abgesehen vom Haushaltssicherungskonzept, auch in anderer Hinsicht den Vorreiter macht. Unvergessen ist, selbst in dieser bibberkalten Schneezeit, der mediale Sommerhit: das Badeshorts-Verbot im Ü-Bad; das strikte Reglement aus dem Rathaus hat über den Übacher Beckenrand hinaus so viel Wirkung, dass es in der bundesweiten Medienlandschaft durchgereicht wird.

Einmalig im Kreis Heinsberg: auf dem Boschelner Friedhof wird ein muslimisches Gräberfeld freigegeben - ein außergewöhnliches Stück Integration über den Tod hinaus. Seit Dezember werden fleißige Helfer aus Vereinen, Institutionen und Organisationen für ihr freiwilliges Engagement mit der Ehrenamtskarte NRW belohnt. Auch noch beispiellos in der Region: Der Stadtrat sagt im Dezember Ja zur Beteiligung der Bürger an den Beratungen der Haushalte 2012ff.

2010 - es ist das Jahr, in dem es auch Gründe zum Feiern gibt: Übach-Palenberg wird 75, eine Gemeinde lässt den gelungenen Wandel vom rustikalen Bergbau zum modernen Industriestandort Revue passieren, im Juni wird beim festlichen Akt auf den Geburtstag angestoßen. Zwei weitere Jubiläen stehen im Spätsommer auf der Agenda: die Jumelage mit dem französischen Rosny sous Bois währt bereits 20 Jahre, die Partnerschaft mit der niederländischen Nachbargemeinde Landgraaf zehn Jahre. Endlich: ein langjähriges Ärgernis gehört der Vergangenheit an, der Bahnhof ist saniert, im August wird die barrierefreie Anlage eingeweiht.

2010 - es ist das Jahr der Neuorientierung. Die sechs katholischen Gemeinden im Stadtgebiet fusionieren am 1. Januar zur Großpfarre St. Petrus, die Gläubigen müssen lernen, in anderen Dimensionen zu denken. Auch kommunalpolitisch weht ein anderer Wind. Die Mehrheitskoalition CDU/UWG/FDP installiert zunächst drei stellvertretende Bürgermeister - gegen den heftigen Protest der rot-grünen Opposition; nur ein paar Wochen später, im März, wird der dritte Vize in Person von Vera Sarasa, UWG, gestrichen - zu wenig Repräsentationsaufgaben, zu viel Kosten; im Knatsch mit ihrer Fraktion legt die Ratsfrau das Mandat nieder.

Ein Opfer der Sparmaßnahmen wird auch Volker Schlüter, der Beigeordnete für Planen und Bauen. Der Rat beschließt im Mai - gegen die Stimmen von SPD und Grünen - die Planstelle wegzurationalisieren; 430.000 Euro werden eingespart, hat die Ratsmehrheit errechnet. Wirtschaftsförderer Hans-Peter Gatzen übernimmt ab Oktober, im Zuge der von Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch vorangetriebenen Neuorganisation der Verwaltung, zusätzlich die Leitung im Baudezernat.

2010 - es ist auch das Jahr der neuen Bescheidenheit, es stand im Zeichen der Eichhörnchens: sparen, sparen und noch mal sparen - daran wird sich auch 2011 nichts ändern. Gebühren und Realsteuern werden erhöht. So mancher Wunsch des Bürgers und der Vereine muss unerfüllt bleiben - das Haushaltssicherungskonzept legt den Verantwortlichen Fesseln an. Und Übach-Palenberg muss sich, als einzige der zehn Kommunen im Kreis Heinsberg, vehement gegen noch schlimmeres Ungemach stemmen, gegen die drohende Überschuldung.

Es schweigt die Klangbrücke

2010 - es ist das Jahr des Wartens. „Warten” ist ein Stichwort, das schon mit einem gewissen Automatismus den Blick auf eine Dauerbaustelle - Kishons Blaumilchkanal lässt grüßen! - richtet: auf die euregionale Klangbrücke. Bis zum März 2011, so das aktuelle hoffnungsvolle Geflunkere, soll das Kunstwerk die ersten Spaziergänger vom Dohmen-Park ins Wurmtal tragen. Geduld ist auch gefragt bei der Bewältigung des Demographischen Wandels, dieser stellt die Stadt, ebenso wie die Sanierung der Finanzen, vor eine herkuleske Zukunftsaufgabe; am Ende soll ein stabiler und stabilisierender Stadtentwicklungsplan stehen - als kleines Bollwerk gegen das Vergreisen der Stadt.

Lassen Sie uns, ohne viel älter zu werden, auf 2011 warten, auf dessen Bilanz wir allerdings wiederum zwölf Monate warten müssen.
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