Tanken Freisteller

Türsteherprozess: Jetzt sprechen die Zeugen

Von: g.s.
Letzte Aktualisierung:
4479106.jpg
War Gewalt im Spiel? Im Türsteherprozess weichen die Zeugenaussagen voneinander ab. Foto: dapd

Geilenkirchen/Düren. Die zwei Dutzend Zuschauer in Gerichtssaal konnten sich am zweiten Verhandlungstag gegen einen 31-jährigen Türsteher aus Düren anhand der Vorführung des Überwachungsvideos einen Eindruck von dem Geschehen vor der Geilenkirchener Diskothek verschaffen.

Der Film zeigt den angeklagten Türsteher von hinten, wie er den 27-jährigen Gast mit einem speziellen Griff unter den Armen und um den Hals nach draußen bringt. Das Opfer scheint reglos in seinen Armen zu hängen, ein Fuß schleift über den Boden. Die schwarze Jacke des Gastes hängt am rechten Arm ebenfalls herunter. Der Türsteher ist am Ende des Bereiches der Führungsstangen angekommen, als er eine unvermittelt ruckartige Bewegung macht, sich mit der linken Hand an einer Stange festhält und den 27-jährigen Alsdorfer fallen lässt.

Unterlassene Hilfeleistung?

Aus dieser Sicht ist nicht zu erkennen, ob der Türsteher den Gast zu Boden geworfen hat, oder ob er gestolpert ist und ihn nicht mehr halten konnte. Erschwerend kommt eventuell eine unterlassene Hilfeleistung in Frage, denn der Türsteher hat sich nicht um den am Boden liegenden Verletzten gekümmert. Erst nach etwa zwei Minuten hat sich ein Gast der Disko des Verletzten angenommen, während mehrere Türsteher, darunter auch der Angeklagte nachgeschaut hatten. Die Türsteher schickten einige „ungebetene“ Zuschauer oder Zeugen weg, wie auf dem Video zu sehen ist und deckten später mit Küchentüchern die große Blutlache ab, die sich zwischenzeitlich gebildet hatte.

Strafrichter Thomas Schönig ließ die Videosequenzen im Sekundentakt ablaufen um den Ablauf besser rekonstruieren zu können. Der Richter, Staatsanwalt Dennis Bäcker, Verteidiger Axel S. Iven und der Verteidiger der Nebenklage, Rainer Dietz, befragten an dem vier Stunden dauernden Verhandlungstag zehn Zeugen.

Eine Gruppe Männer hatte die Disko kurz vor vier Uhr verlassen, und auf ein Taxi gewartet. Alle befanden sich aus Sicht des Sturzgeschehens vor dem Türsteher oder seitlich davon, als dieser den 27-Jährigen nach draußen brachte. Ein 50-jähriger Berufskraftfahrer aus Inden will gesehen haben, dass zwei Türsteher den Gast nach draußen gebracht haben, ein dritter habe ihn von hinten auf den Kopf geschlagen, so dass er nach vorne gefallen sei. „Das muss so stark gewesen sein, dass er das Gleichgewicht verloren hat“, sagte der Zeuge.

Ein 49-jähriger Staplerfahrer aus Aldenhoven sprach ebenfalls von zwei Türstehern, die den 27-Jährigen nach draußen gebracht haben sollen. Ein 45-jähriger Großgeräteführer aus dem gleichen Ort war sich sicher, dass der Türsteher den Mann auf den Boden geworfen habe. Was das denn solle, habe er die Türsteher gefragt und mit dem Handy einen Rettungswagen gerufen. Daraufhin hätten die Türsteher ihm und seinen Freunden Platzverweise erteilt und sie auch beleidigt. Das bestätigten andere Männer aus dem Freundeskreis. Die Türsteher hätten ihnen Prügel angedroht und sie sogar verfolgt, als sie schon das Gelände verlassen hatten.

Der Richter wollte weitere Aussagen von Zeugen hören und wissen, was diese subjektiv empfunden haben. Für Schönig war nach Betrachten des Videos allerdings nachgewiesen, dass nicht zwei Türsteher den Gast nach draußen gebracht hatten, sondern nur der Angeklagte. Das Opfer sei ungebremst auf den Boden gefallen. Ob durch ein Stolpern des Angeklagten verursacht oder ob absichtlich hingeworfen – das sei aus dieser Perspektive nicht ersichtlich.

Verbale Auseinandersetzung

Weitere Zeugen hatten das eigentliche Geschehen nicht gesehen, sondern nur die verbalen Auseinandersetzungen im Vorfeld oder den bereits auf dem Boden liegenden Alsdorfer erlebt. Eine 26-Jährige – seinerzeit Mitarbeiterin der Diskothek – gab an, dass der Türsteher den offensichtlich alkoholisierten Gast im Kassenbereich verbal beschimpft habe. Als sich der Gast vor dem Türsteher aufgebaut habe, habe der Angeklagte ihn in den Schwitzkasten genommen. In Garderobennähe sei der Alsdorfer dann in sich zusammengesackt. Ein als Zeuge vorgeladener 35-jähriger Türsteherkollege aus Paustenbach sagte aus, dass der Gast einen Schritt auf den Angeklagten zu gemacht habe. Daraufhin habe der Angeklagte ihn von hinten gepackt und rausgetragen. Er, der 35-jährige Zeuge, habe selber die Tür aufgehalten und gesehen, wie der Angeklagte über die über den Boden schleifende Jacke des Opfers gestolpert sei. Sein Kollege habe sich noch mit der linken Hand am Geländer abgestützt und der Gast sei vornüber auf den Boden gefallen. Der Zeuge behauptete noch, dass der geschädigte Alsdorfer in der Disko bereits früher als aggressiver Gast aufgefallen war.

Dies bestätigte ein weiterer Türsteher, der ebenfalls als Zeuge geladen war. Der 42-jährige Hausmeister aus Heinsberg war damals Objektleiter der Security in der Geilenkirchener Diskothek. Am besagten Morgen habe er gesehen wie sein Kollege den Gast rausbracht habe. Dieser habe später draußen auf dem Boden gelegen. Der 27-jährige geschädigte Alsdorfer wurde ebenfalls befragt. Aufgrund der Ereignisse habe er allerdings einen „Filmriss“. Von den Ereignissen selber habe er nichts mitbekommen, er sei später im Aachener Klinikum aufgewacht und habe in Folge mehrere Operationen über sich ergehen lassen müssen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.