Geilenkirchen - Türsteher-Prozess: Kein Anlass für milde Urteile

Türsteher-Prozess: Kein Anlass für milde Urteile

Von: Georg Schmitz
Letzte Aktualisierung:
Nicht immer bleiben die Fäust
Mit der Urteilsverkündung endete am Montagnachmittag die Prozessserie um Türsteher einer Geilenkirchener Diskothek. Symbolfoto: imago

Geilenkirchen. Die Prozess-Serie um Türsteher einer Geilenkirchener Diskothek ist zu Ende: Strafrichter Thomas Schönig schloss sich dem Antrag von Staatsanwalt Hubert Herwartz an und verurteilte den ehemaligen Leiter des Sicherheitsdienstes der Geilenkirchen Diskothek, Peiman A., wegen gefährlicher Körperverletzung in drei Fällen sowie einer vorsätzlichen Körperverletzung zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr und sechs Monaten.

Weil der in Heinsberg wohnende 42-jährige Türsteher mehrfach vorbestraft ist, wurde die Strafe nicht zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem sei nicht ersichtlich, dass sich der Beschuldigte eine Bewährungsstrafe zur Warnung dienen lasse, hieß es. Der 31-jährige Franz M. aus Baesweiler wurde wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen zu einem Jahr und der 28-jährige Peter S. aus Übach-Palenberg wegen gefährlicher Körperverletzung zu neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Für beide Angeklagte wurden die Strafen zur Bewährung ausgesetzt weil sie nicht vorbestraft sind. Der 29-jährige Jens A. aus Hückelhoven kam bei einer vorsätzlichen Körperverletzung mit 60 Tagessätzenzu 60 Euro davon.

Der Richter verwies bei seiner Urteilsverkündung darauf, dass einige Türsteherkollegen bei ihren Aussagen im Zeugenstand gelogen hätten, diese würden noch zur Rechenschaft gezogen. Richter Thomas Schönig sah es als erwiesen an, dass besonders der 42-jährige Heinsberger bei den Taten stets aktiv beteiligt war. Dabei hatte Staatsanwalt Hubert Herwartz zu Beginn der Verhandlung schon die Einstellung einiger dem 42-Jährigen zur Last gelegten Vergehen beantragt. Bei diesen Beschuldigungen seien direkte Tatbeteiligungen nicht eindeutig zu klären. Dem folgte das Gericht.

Hubert Herwartz sah es positiv, dass mehrere Verfahren zusammengelegt wurden. „Dadurch kann man sich ein besseres Bild von dem Handeln der Türsteher machen“, so der Staatsanwalt. Der 42-jährige in Heinsberg wohnende Iraner habe jede Gelegenheit wahrgenommen, den Job für sein vorhandenes Gewaltpotential zu nutzen. An den Prozesstagen hätten die Türsteher keinerlei Reue gezeigt, auch hätten sie in der Geilenkirchener Diskothek nie auf eine Deeskalation hingearbeitet.

Herwartz nannte ein Beispiel: Ein Gast sei von dem 42-Jährigen festgehalten worden, während ihm sein 38-jähriger Türsteherkollege mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen habe. Das dies von dem 42-Jährigen als Notwehr dargestellt worden sei, spotte jeder Beschreibung. „Es kam beiden Türstehern nur darauf an, das Opfer brutal niederzuschlagen“, so Herwartz. In einem anderen Fall habe der Heinsberger einer Frau den Arm auf den Rücken gedreht, bis sie vor Schmerzen schrie. Ein weiteres Mal sei ein Gast auf den Parkplatz aus dem Kamerabereich gezogen worden, um ihn dort zusammenzuschlagen. Der Staatsanwalt nannte weitere Beispiele für das unverhältnismäßige Vorgehen der angeklagten vier Türsteher.

Jede Einsicht fehlt

Für den zweifach vorbestraften 42-jährigen Peiman A. aus Heinsberg beantragte er unter Einbeziehung einer viermonatigen Freiheitsstrafe vom Amtsgericht Heinsberg und den geforderten Einzelstrafen von dreimal zehn Monaten sowie drei Monaten eine Gesamtstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung. Hubert Herwartz vermochte keine mildernden Umstände bei dem Angeklagten zu erkennen, dem 42-Jährigen fehle jede Einsicht. Auch sehe er keine günstige Prognose für den Beschuldigten, denn auch im vergangenen Jahr sei er wieder durch Körperverletzungen aufgefallen.

Für den 38-jährigen in Übach-Palenberg wohnenden Peter S. mit serbischer Herkunft forderte der Staatsanwalt neun Monate, für den 31-jährigen Baesweiler Franz M. ein Jahr. Diese beiden Strafen könnten zur Bewährung ausgesetzt werden. Für den in Hückelhoven wohnenden 29-jährigen Beschuldigten Jens A. komme eine Strafe von 60 Tagessätzen in Betracht.

Auch die beiden Vertreter der Nebenklage sahen in der Brutalität der Türsteher keinen Grund für Milde. „Es ist für mich nicht nachzuvollziehen, dass eine Frau so brutal behandelt wird“, sagte Rechtsanwalt Marco Kellenter über den Vorfall mit seiner Mandantin. Es sei vollkommen überflüssig gewesen, die Diskothekengäste zu treten und zu schlagen. „Was durch das Überwachungsvideo dokumentiert wird, spricht für sich“, so Kellenter. Sicherheitspersonal müsse eigentlich deeskalierend wirken, hier seien aber Aggressionen ausgelebt worden.

Die Aussage des 42-jährigen Angeklagten, dass es sich in dem einen Fall um Notwehr gehandelt habe, sei lächerlich. Die Verteidiger der Türsteher sahen die Sachverhalte zumeist ganz anders und forderten Freisprüche für ihre Mandanten. Oft sei es so gewesen, dass die Türsteher hätten eingreifen müssen um schlimmeres zu verhindern. Immerhin hätten sie auch andere Gäste vor Gefahren schätzen müssen. Zudem seien Zeugenaussagen widersprüchlich und nicht eindeutig gewesen. Oft seien die Gäste der Aufforderung, die Disko zu verlassen, nicht gefolgt. „Das Hausrecht, das die Sicherheitskräfte unbestritten haben, können sie auch nutzen, wenn sich ein Gast nichts zu Schulden kommen lässt. Wenn die sagen raus, dann müssen die Leute raus“, so Rechtsanwalt Freese.

Alle vier Angeklagten nutzten die Gelegenheit zu einer Erwiderung nicht. Während Rechtsanwalt Harald Simons auf Rechtsmittel für seinen Mandanten verzichtete und somit das Urteil gegen Franz M. rechtskräftig wurde, wollen sich die Verteidiger Jürgen Freese, Bastian Kaiser und Claus Wallrafen Gedanken darüber machen, ob sie in Berufung gehen.

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