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Türsteher-Prozess: Auf der Anklagebank alle „Klischees“ vertreten

Von: rei
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Übach-Palenberg. Vor dem Amtsgericht Geilenkirchen soll am 9. April um 9 Uhr die voraussichtlich letzte Sitzung einer Reihe von Verhandlungstagen unter dem Vorsitz von Richter Thomas Schönig stattfinden, in der ein Urteil über mehrere Angeklagte wegen verschiedener Körperverletzungen erwartet wird.

Diese soll er in Ausübung ihrer Tätigkeit als Sicherheitskraft der ortsansässigen Diskothek „Rockfabrik“ im Jahr 2012 zu verschiedenen Gelegenheiten begangen haben.

Die Vorwürfe gehen vom Einsatz von Pfefferspray über Tritte in Kickboxmanier bis hin zu Knochenbrüchen im Gesicht aufgrund von gezielten Faustschlägen. So lauten die jeweiligen Anklagen. Verfolgt man die dazugehörigen Verfahren, wird das zunächst eindeutige Bild aber mehr und mehr entzerrt.

Die Anklagebank ist aufgrund der Tatsache, dass mehrere Taten gemeinsam verhandelt werden, an denen aber nicht jeweils alle Angeklagten beteiligt gewesen sein sollen, stets gut besetzt. Man findet die erwarteten muskulösen Türsteher ebenso wie den „netten Jungen von nebenan“. Der Glatzkopf ist ebenso vertreten wie die Föhnfrisur, mal zeigt eine Haut Tätowierung, mal fehlen solche ganz.

Die Abläufe der Geschehnisse relativieren sich vor Gericht recht schnell, wenn sachlich und in zeitlicher Distanz zum Geschehen noch einmal darüber gesprochen wird. Und nüchtern. Denn so gut wie immer ist Alkohol im Spiel. Meist sehr viel Alkohol. Das senkt Hemmschwellen und macht häufig aggressiv und dünnhäutig. Wer möchte sich vor seinen Freunden oder seiner Gattin sagen lassen, er sei zu betrunken um eingelassen zu werden, während alle anderen um ihn herum nicht abgewiesen werden? Und wer soll es ihm schonend beibringen?

Rasch ins Handgemenge

So geschehen im Fall des in Viersen wohnenden Zahnarztes Christian H., dem mit seinen Brüdern Friedrich (ebenfalls Arzt) und Sebastian (Rechtsanwalt) beim frühmorgendlichen Wechsel vom Oktoberfest zu Rockfabrik im Jahr 2012 mit der Begründung „Ihr habt genug für heute“ der Einlass verweigert wurde. Deren Ehefrauen waren jedoch schon eingelassen worden und taten – nach Aussage des Zeugen Sebastian H. – „vielfach kund“, was sie davon hielten.

Es kam offenbar dann sehr rasch zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf Christian H. wohl einen folgenschweren Schlag ins Gesicht erhielt. Als Folge wurde eine Orbitabodenfraktur (Bruch des Augenhöhlenbodens zur Kieferhöhle) und Gehirnerschütterung attestiert. Woher und von wem dieser Schlag kam, vermochte keiner der zahlreichen Zeugen wirklich zu sagen. Das von der Verteidigung angebotene Video dieser Auseinandersetzung wurde bisher noch nicht angesehen. Klare Ergebnisse brachten auch die umfangreichen Zeugenanhörungen in den anderen mitverhandelten Fälle nicht.

„Fast wöchentlich“

Für die Mitarbeiter der Security ist die Möglichkeit, angezeigt zu werden, schon eine Art einzukalkulierendes Berufsrisiko. „Das passiert ja schon fast wöchentlich“, verdeutlicht es eine der Verteidigerinnen. Mit für die Angeklagten durchaus erheblichen Nebenfolgen, die auch der Vorsitzende Thomas Schönig erkennt und als „sehr unbefriedigend“ bezeichnet, dem aber die Hände gebunden sind: Keiner der Angeklagten ist hauptberuflich bei der Security. Was wiederum den Arbeitgeber erzürnt, wenn sein Mitarbeiter statt zur Auftragserfüllung zum Gerichtstermin muss – und das auch noch als Angeklagter. Von einer möglichen Verurteilung und deren Folgen ganz zu schweigen.

Im Fall des Angeklagten Michael S. wird das besonders deutlich. Nur in einem der drei gemeinsam verhandelten Fälle ist er angeklagt. Dennoch erfordert seine Anwesenheit in den zahlreichen und langwierigen Terminen teilweise eine Anreise aus München. Und der ihn angeblich belastende Zeuge erscheint trotz mehrfacher ordnungsgemäßer Ladung noch nicht einmal.

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