Geilenkirchen - Türsteher in Geilenkirchen: Jetzt schaltet sich die Politik ein

Türsteher in Geilenkirchen: Jetzt schaltet sich die Politik ein

Von: Thorsten Pracht
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Geilenkirchen. Die Geschehnisse in der Mainacht vor einer Geilenkirchener Diskothek beschäftigen nicht nur Mediziner und Ermittler, sondern möglicherweise demnächst auch die Geilenkirchener Politik. „Uns reicht es jetzt. Das muss langsam aufhören, wir können da nicht nur zugucken“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Horst-Eberhard Hoffmann.

Auch CDU-Fraktionschef Wilhelm-Josef Wolff beobachtet die Geschehnisse nach eigenen Angaben seit einiger Zeit. „Wir haben das in der Fraktion bereits thematisiert“, erklärt er.

Wie berichtet, erlitt der 26-jährige Manuel Illig in der Nacht zum 1. Mai vor der Diskothek einen Jochbein-, Kieferhöhlen-, Augenhöhlen- und Nasenbruch. Seine Verletzungen wurden im Aachener Uniklinikum mehrfach operiert. Verursacher soll ein Türsteher des Hauses sein, der mittlerweile nicht mehr dort beschäftigt ist. Jürgen Heitzer von der Pressestelle der Kreispolizeibehörde Heinsberg bestätigt, dass nach den Vorfällen in der Mainacht eine Strafanzeige wegen Körperverletzung gestellt wurde. „Zum Stand des Verfahrens möchten wir keine Angaben machen“, sagt Heitzer, der allerdings von der Tat einer Einzelperson spricht.

Die Polizei setzt das Puzzle der Geschehnisse in der Tatnacht gerade erst zusammen. Ohne die Türsteher unter Generalverdacht zu stellen, ist zumindest eine Häufung von Übergriffen zu verzeichnen, bei denen Menschen durch überzogene Gewalt von Sicherheitsleuten zu Schaden kamen. „Es gab ja bereits mehrere Prozesse und auch Verurteilungen vor dem Amtsgericht“, erinnert Hoffmann.

Erst Ende Januar wurde der ehemalige Leiter des Sicherheitsdienstes der Diskothek wegen gefährlicher Körperverletzung in drei Fällen sowie einer vorsätzlichen Körperverletzung zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt. Richter Thomas Schönig hielt dem 42-Jährigen damals vor, er habe jede Gelegenheit wahrgenommen, seinen Job für sein vorhandenes Gewaltpotenzial zu nutzen. Zwei weitere Angeklagte wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt, weil sie nicht vorbestraft waren.

Als Reaktion darauf hatten die Betreiber der Diskothek seinerzeit den Sicherheitsdienst gewechselt. „Das jetzige Unternehmen erfüllt alle gesetzlichen Vorgaben und hat einen guten Leumund“, sagt Betriebsleiter Eric Engel, der sich vom Verhalten des Sicherheitsmannes klar distanziert. „Ich kann mich nur für das Verhalten des Türstehers entschuldigen“, sagt Engel, der auch versucht hat, persönlich mit dem Opfer in Kontakt zu treten.

Jetzt fordern die Angehörigen des jüngsten Opfers nicht nur strafrechtliche, sondern auch behördliche Konsequenzen – und stoßen damit bei der SPD auf offene Ohren. „Wir werden die Verwaltung befragen, welche Möglichkeiten bestehen“, kündigt Hoffmann an. Er sehe durchaus einen „gewissen Spielraum“. Wolff merkt an, dass es sich bei den vorliegenden Fällen nicht um Ordnungswidrigkeiten, sondern um Straftaten handele. Und für die sei nun mal die Polizei und nicht die Politik zuständig. „Ich weiß aber, dass unser Ordnungsamt in engem Austausch mit der Polizei steht.“ In Richtung der Diskothekenbetreiber sagt Wolff: „Ich finde schon, dass die Geschäftsleitung dafür Sorge zu tragen hat, dass solche Vorfälle sich nicht wiederholen.“

In den sozialen Netzwerken sowie in den Leserkommentaren auf der Website unserer Zeitung ist die Diskussion über die Geilenkirchener Türsteher bereits voll entbrannt. Jetzt scheint das Thema auch in der Politik angekommen zu sein.

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