Waldfeucht - Trotz Lähmung: Zu einer der besten Badminton-Spielerinnen geworden

Trotz Lähmung: Zu einer der besten Badminton-Spielerinnen geworden

Von: Rainer Herwartz
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Elke Rongen mit gutem Auge und sicherer Hand in ihrem Element: Unter den Rollstuhlfahrern können es nur wenige auf der Welt im Badminton mit ihr aufnehmen. Foto: Herbert Rongen

Waldfeucht. Vergessen wird Elke Rongen diesen Samstag vor 18 Jahren wohl nie mehr. Gute Laune herrschte ringsum. Schließlich stand doch für den Abend ein großes Familienfest auf dem Plan.

Dass schon wenig später alle Gäste wieder ausgeladen werden sollten, ahnte noch niemand, als sich Elke Rongen zu einem kurzen Abstecher zu der Baustelle nach Brüggelchen aufmachte, wo die damals 25-Jährige mit ihrem Mann Herbert an einem neuen Heim baute. Zupackend war sie schon damals. Und vielleicht ist es dieser Wesenszug, der die Blondine aus einer Tragödie, die sich kurz danach ereignete, auf das Siegertreppchen bei einer Weltmeisterschaft führen sollte.

„Ich bin beim Hausbau vom Balkon des Rohbaus gefallen“, erzählt Elke Rongen ihre Geschichte. „Seitdem bin ich querschnittsgelähmt.“ Sie sei aus etwa drei Metern Höhe auf einer Körperseite aufgekommen. Schmerzen habe sie keine gespürt, doch das Rückenmark war im Brustwirbelbereich durchtrennt worden. „Da ich nicht aufstehen konnte, wusste ich sofort, was los war.“

Nicht lange lamentieren

Elke Rongen gehört ohne Zweifel zu den Menschen, die mit der Gabe gesegnet sind, über Schicksalsschläge nicht lange lamentieren oder wehklagen zu müssen, sondern sie einfach anzunehmen und das Beste daraus zu machen. „Ich weiß, dass klingt jetzt etwas komisch“, sagt sie, „aber ich habe durch meine Behinderung so viele nette Menschen kennengelernt – ich weiß nicht, ob mir das als nichtbehinderter Mensch zuteil geworden wäre.“

Bis zu ihrem Unfall war die Waldfeuchterin eine begeisterte Reiterin. Sogar „turniermäßig“ als Springreiterin sei sie für die Reit- und Fahrgemeinschaft Vinn in Kirchhoven unterwegs gewesen. „Ich bin zwar heute immer noch dem Pferdesport verbunden und mache ein-, zweimal im Jahr die Meldestelle beim Reitturnier, aber die Leidenschaft, selbst zu reiten, wäre nicht mehr in gleichem Maße wie früher vorhanden, wenn ich es versuchen würde.“ Darum ließ sie es gleich ganz, denn die Leidenschaft ist bei der 43-Jährigen ein wichtiger Motivator. Und der sollte sich bei einer völlig anderen Sportart einstellen: Badminton.

„Zum Badminton kam ich über den Rehasport.“ Nach dem Unfall 1996 sei sie vom Jahr 2000 ab fünf Jahre lang jedes Jahr zum Check-up in eine Klinik nach Bad Wildungen bei Kassel gefahren. Federball hatte sie schon als Kind gerne gespielt. Mit einer Freundin war sie zudem regelmäßig in die Squash-Halle gegangen. „Deshalb konnte ich mit dem Schläger ganz gut umgehen.“

Was lag da also näher, als zwischen den medizinischen Untersuchungen mal in der Badminton-Gruppe vorbeizuschauen. Eine wahrhaft glückliche Fügung, denn der Sporttherapeut erkannte schnell das besondere Talent der jungen Frau. „Er hat mich nach Aachen zur BSG empfohlen.“ Hingefahren ist sie zunächst jedoch nicht, dazu sollten noch vier Jahre vergehen.

„Heute bedauere ich, dass ich nicht schon im Jahr 2000 dem Rat gefolgt bin, weil es so viel Spaß macht. Ich kann nur jedem, der ein Handicap hat, empfehlen, Sport zu treiben und eine Behindertengemeinschaft aufzusuchen. Dort kann man sich hervorragend austauschen. Man lernt dadurch immens viel für die Bewältigung des Alltags. Ich bin seitdem viel selbstständiger geworden.“

Verdoppeltes Training

Und auch im Sport ging‘s stetig bergauf. „Da mein Trainer und Mixed-Partner Manfred Steinhart und ich die einzigen Rollifahrer in der BSG Aachen sind, trainiere ich überwiegend mit Fußgängern. Das hat sicher auch dazu beigetragen, dass ich meine Leistungsfähigkeit steigern konnte.“

Eine große Konkurrenz unter den Badminton spielenden Rollstuhlfahrern bestehe in Deutschland nicht, sagt Elke Rongen. Es gebe nur etwa 30 von ihnen. „Wenn Badminton paralympisch würde, nähme die Zahl sicher schlagartig zu. Momentan müssen wir nämlich alle Kosten für Training, Fahrten oder Übernachtungen selbst tragen. Wenn wir zum Beispiel zu einer internationalen Veranstaltung fahren – die vorletzte Weltmeisterschaft war in Guatemala – kommt da schnell eine erhebliche Summe zusammen.“

Normalerweise, also außerhalb der Wettkampfsaison, trainiert die 43-Jährige zweimal pro Woche je zwei Stunden in Aachen und Geilenkirchen. In den letzten drei Monaten vor dem Wettkampf verdoppele sie dann jedoch die Trainingseinheiten. Dann baut sie auch Dortmund in ihr Programm ein. „Denn in Dortmund sind nicht nur meine Doppelpartnerin, sondern auch noch andere Rollis, so dass ich mich hier besser auf die Spielsituation vorbereiten kann.“

Dass ihr das immer wieder vorzüglich gelingt, belegen nicht nur die beiden Bronzemedaillen, die sie 2013 bei der Weltmeisterschaft in Dortmund im Einzel und Doppel gewann. Sieben Mal wurde sie bislang Deutsche Meisterin, zweimal Europameisterin und einmal Vizeweltmeisterin. Aus einer Tragödie wurde am Ende eine Erfolgs­geschichte.

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