Trabi-Treffen in Niederheid: Gute Zeiten für Trabant und Wartburg

Von: Georg Schmitz
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Bei herrlichem Wetter kamen drei Dutzend Freunde des ostdeutschen Automobils zum 11. Trabi-Treffen in Geilenkirchen-Niederheid zusammen. Eine bunte Sache mit allerlei Kuriositäten. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen-Niederheid. Es gibt sie immer noch in großer Zahl, die Freunde des ostdeutschen Automobils. Viele davon waren zum 11. Trabi-Treffen mit stattlichem Material nach Geilenkirchen angereist.

Neben dem „harten Kern” hatten sich auch neue Gäste aus ganz Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus zur dreitägigen Veranstaltung mit Freunden und Gleichgesinnten auf dem Party-Gelände in Niederheid eingefunden.

Nachdem die Camping- und Ausstellungswiese an der Von-Humboldt-Straße in der Vergangenheit oftmals unter widrigen Witterungsbedingungen gelitten hatte, meinte es Petrus diesmal gut mit den Angereisten. Der Gedanken- und Erfahrungsaustausch unter freiem Himmel stand bei der geselligen Trabi-Gemeinde im Vordergrund.

Interesse ungebremst

Der 25-jährige Markus Hack hatte vor elf Jahren das erste Treffen in Geilenkirchen organisiert, und dies wurde schnell zu einem Selbstläufer. Seit seinem 13. Lebensjahr sammelt und restauriert Markus Hack die teilweise historischen Automobile ostdeutscher Herkunft. Das Interesse der Menschen an Trabant und Wartburg hat seit dem Fall der Mauer offensichtlich nicht nachgelassen.

Die Liebhaber der knatternden Gefährte stecken unzählige Stunden in die Herrichtung und Erhaltung ihrer Schmuckstückchen. Markus Hack besitzt mittlerweile 20 „Schätzchen” der ehemaligen DDR-Automobil- und Motorradindustrie, darunter einen seltenen Trabant-Kübel, einen Trabi-Post-Combi und einen Wartburg 311 aus dem Jahr 1958.

Der 25-Jährige hat zwischenzeitlich seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Vor wenigen Monaten absolvierte er seine Meisterprüfung für Karosserie und Fahrzeugbau. Markus Hacks besonderer Stolz ist unter anderem seine russische „Ural”. Das seit 1945 in Russland gebaute Motorrad mit Boxermotor erreicht mit seinen 32,5 PS immerhin eine Spitzengeschwindigkeit von 120 km/h.

Kürzlich hat er eine „MZ ES 250” erworben. Dieses 1960 in Zschopau nahe der tschechischen Grenze gebaute Motorrad bringt 13 PS auf die Straße. „Die MZ stammt aus der Null-Serie, ich habe sie vom Erstbesitzer gekauft”, zeigt sich Markus Hack zufrieden über seine neue Errungenschaft.

Früh reisten die ersten Teilnehmer an und bauten ihre „Camping-Zelte” auf. Wie bitte? Der echte Begriff aus dem Osten der Republik für diese Zelte mit Schnellaufbausystem lautet „Klapp-Fix”. Inmitten der Zeltlandschaft und umgeben von ostdeutschen Fahrzeugen kam mit dem Lagerfeuer echte Westernatmosphäre auf. Der Blick auf die historischen Schätzchen fiel dabei unweigerlich auf zwei kleine DDR-Lastwagen der Marke „Framo”. Die fünf Buchstaben stehen für „Frankenberger Motorenwerke”, und da schlägt das Herz jeden Kenners höher. „Der Bus stammt aus dem Jahr 1957, der Pritschenwagen ist von 1956. Beide Fahrzeuge haben einen Dreizylinder Zweitakt-Motor und verfügen über 19 PS und 900 Kubikmeter Hubraum”, erzählt Besitzer Guido Wimmer aus Mariadorf.

Uniform vom Lager

Plötzlich sieht sich der Besucher einem „Volkspolizisten” gegenüber, beziehungsweise dessen echter Uniform. Das grün-graue Textil mit den Rangabzeichen eines Hauptmanns mit vier goldenen Sternen stellt Michael Adler aus Leverkusen zur Schau. „Die original Vopo-Uniform stammt aus der Zeit kurz vor der Wende und ist Kammerware”, sagt Michael Adler. Dies bedeutet, dass die Uniform noch nicht getragen wurde und auf Lager lag.

Eine Gruppe Trabi-Freunde aus Mayen und Bitburg, Ennepetal, Wuppertal und Gelsenkirchen begleiten Markus Hack am Nachmittag auf einem Ausflug rund um Geilenkirchen und landen dabei unweigerlich in der City. Hier sorgen die bunten Knattergefährte bei den Besuchern des deutsch-dänischen Eröffnungstages für eine willkommene Show-Einlage, als sie drei Runden um den Kreisverkehr drehen.

Der Weg führt zur Gulaschkanone

Wieder in Niederheid angekommen führt sie der Weg zur Gulaschkanone, und die stammt noch aus Original NVV-Beständen. „Die Progress 180 mit 180-Liter-Tank stand früher auf einer Selbstfahrlafette”, erklärt Eigentümer Enrico Haase. Der war seinerzeit mit Ehefrau Roswitha aus der DDR über die Botschaft in Prag nach Deutschland geflohen. Zuerst wohnte das Ehepaar in Aachen, zog 1991 aber mit der zwischenzeitlich geborenen Tochter Lisa nach Geilenkirchen.

Die „Soljanka” ist an diesem Tag die beliebteste Suppe beim Trabi-Freundeskreis. Das Rezept stammt aus Ostdeutschland und wird von Enrico Haase strikt nachvollzogen. Jagd- und Geflügelwurst, Zwiebel, Knoblauch, geschnittener Paprika, Gewürzgurken und Gurkenwasser, Tomatenmark, getrocknete Chillischoten und Gemüsebrühe, zum Schluss abgeschmeckt mit Creme Fraiché machen die Suppe zu einer köstlichen Speise. „Dazu gehört ein Original Eibauer Schwarzbier aus der Oberlausitz”, macht Enrico Haase seinen Gästen den Mund wässrig.

Auch am Tag der Abreise stärken sich die Freunde ostdeutscher Automobile noch einmal kräftig mit Soljanka oder auch mit biederer Erbsensuppe, bevor sie wieder ihre Heimreise antraten.
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