Tamigu-Trio: Musiker begeistern Schüler für die Klassik

Von: Johannes Gottwald
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Bei dem Stück „Sforza robur ritmico” (Die Kraft des Rhythmus) war konzentrierte Aufmerksamkeit gefragt. Der Komponist Günther Wiesemann, der Geiger Michael Nachbar und die Pianistin Tamara Buslova musizierten nicht auf ihren Instrumenten, sondern bedienten ein ganzes Arsenal von verschiedenen Schlagzeugen. Foto: Johannes Gottwald

Geilenkirchen. Jugend und Klassik – sicher ein eher problematisches Verhältnis, wenn man bedenkt, dass Jugendliche häufiger in Diskotheken als in Konzertsälen zu finden sind. Umso verdienstvoller sind die Aktivitäten der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule, die immer wieder namhafte Künstler zu Schulkonzerten einlädt, um auf diese Weise Kindern und Jugendlichen klassische Musik nahezubringen.

Zuletzt war wieder das „Tamigu-Trio“ zu Gast, das schon 2011 erstmals hier aufgetreten war.

Seinen Namen hat das Ensemble von den Anfangsbuchstaben seiner Mitglieder: Tamara Buslova wurde an der Hochschule von Chisinau in Moldavien als Pianistin ausgebildet und errang zahlreiche Auszeichnung als Begleiterin und für ihr solistisches Spiel.

Michael Nachbar wurde als Sohn deutschstämmiger Eltern in Czernowitz geboren, studierte Violinspiel am berühmten Konservatorium in Odessa und wurde 1980 mit dem Doblinger-Musikpreis Wien ausgezeichnet.

Der Komponist, Organist, Pianist und Schlagzeuger Günther Wiesemann stammt aus Hattingen und war in der Vergangenheit mehrfach Preisträger bedeutender Kompositionswettbewerbe.

Der Zuspruch war erfreulich groß – mehr als 70 Schüler aus allen Jahrgangsstufen versammelten sich im Kammermusiksaal der Schule. Mit dem Rondo F-Dur aus der 5. Sonate für Violine und Klavier von Ludwig van Beethoven führten Michael Nachbar und Günther Wiesemann in das Programm ein.

Das heiter-verspielte Hauptthema wich im weiteren Verlauf auch unerwartet ins melancholische Moll aus, zwei brillante Solokadenzen, bei denen Michael Nachbar auf der Geige schon sein ganzes technisches Können aufbieten musste, bildeten den Glanzpunkt des Stückes.

Ausflug in das Barockzeitalter

Einen Ausflug ins Barockzeitalter brachte das in reizvolles Hell-Dunkel getauchte Larghetto aus der Sonate Nr. 4 von Georg Friedrich Händel, dem sich ein rasch dahinfließendes Allegro anschloss.

Dann stellte Günther Wiesemann mit seinem Werk „La rotonda“ (Kehrtrichtung) ein größer angelegtes eigenes Werk vor. Zur Erklärung des Namens führte der Komponist aus, dass sich hier Themenkerne in verschiedenen Richtungen autonom entfalten. Diese Themen herauszuhören und ihre Entwicklung mitzuverfolgen, war allerdings selbst für Kenner schwierig – dem normalen Hörer erscheint das Werk als ungemein geistreiche Klangfantasie, bei der sich die Konturen zuweilen bedrohlich verwischen und das Geschehen ins Uferlose abzugleiten scheint.

Trotzdem war diese Musik für die Schüler ein faszinierendes Erlebnis. Besondere Aufmerksamkeit erregten die vielen Schlagzeuge, die Tamara Buslova zur Begleitung einsetzte und die „Klangmanipulationen“, die Günther Wiese während des Vortrages am Klavier vornahm. So gab es am Ende großen und hochverdienten Beifall.

In der nun folgenden kurzen Pause bestand die Möglichkeit, mit dem Komponisten und den anderen Ensemblemitgliedern ins Gespräch zu kommen. Das meiste Interesse galt den unterschiedlichen Schlagzeugen, deren Funktion ausführlich erläutert wurde. So bekamen die Schüler zu sehen und zu hören, dass man einen Gong auf sehr verschiedene Art und Weise zum Klingen bringen kann – je nach dem, womit man ihn anschlägt oder welche Oberflächenpartien man berührt.

Fast schon ehrfürchtiges Staunen erregte Michael Nachbar, als er auf die Frage antwortete, wie lange er täglich üben müsse: „In meiner Studienzeit wurde ich besonders gefordert – da waren es meistens etwa acht Stunden!“ Michael Nachbar gab auch eine bekannte Anekdote zum Besten, die entweder dem Pianisten Anton Rubinstein oder dem großen Geiger David Oistrach zugeschrieben wird: „Wenn ich einen Tag nicht geübt habe, merke ich es nur selber. Nach zwei Tagen merken es schon meine Freunde und Kollegen. Und am dritten Tag merkt es das Publikum“.

Ausführlich ging Günther Wiesemann auch auf die Frage ein, wie man heutzutage als freischaffender Komponist „überleben“ kann: „Zum einen geschieht dies durch Auftragskompositionen, zum zweiten durch viele Reisen und öffentliches Konzertieren. Heute ist das ein wenig aus der Mode gekommen, aber früher war es selbstverständlich, dass Leute wie Mozart, Beethoven, Chopin, Liszt – ohne dass ich mich mit diesen Genies vergleichen möchte – häufig Konzertreisen unternahmen, um ihre Werke vorzuführen und bekanntzumachen.“ Als drittes Standbein habe er am Klinikum eine musiktherapeutische Abteilung aufgebaut, dort fahre er auch zwei Mal pro Woche hin.

Danach aber war wieder konzentrierte Aufmerksamkeit angesagt, denn nun folgte noch ein weiteres Stück aus der Feder von Günther Wiesemann. Diesmal kamen weder Violine noch Klavier zum Einsatz, sondern alle drei Akteure bedienten ein wahres Arsenal von verschiedensten Schlagzeugen.

Auch dieses Werk war recht ausgedehnt und wies suitenähnlichen Charakter auf, da die einzelnen Abschnitte jeweils ganz bestimmten Klangfarben und Instrumenten zugeordnet waren. Es zeigte wie schon die erste Komposition ausgesprochen improvisatorische Züge und die überbordende Fantasie seines Schöpfers, vermochte aber die Aufmerksamkeit der Schüler nicht mehr so zu fesseln – vielleicht wurde die Aufnahmefähigkeit doch etwas zu sehr strapaziert.

Den „Abgesang“ des Konzertes bildeten dann die lyrisch-idyllische Romanze G-Dur von Max Reger, die bekannte „Träumerei“ von Robert Schumann und schließlich das nicht minder populäre „Air“ aus der Suite BWV 1068 von Bach in einer Fassung für Violine und Klavier.

Bei diesen drei Stücken wurde Michael Nachbar von Tamara Buslova am Klavier begleitet.

Am Ende des Konzerts gab es stürmischen Beifall für die drei Musiker von Jugendlichen, die bis dahin am liebsten Pop-Musik lauschten.

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