Geilenkirchen/Übach-Palenberg - Tagesmütter zwischen Bürokratie und Kinderliebe

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Tagesmütter zwischen Bürokratie und Kinderliebe

Von: Markus Bienwald
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Wünschen sich mehr Resonanz: Waltraud Große, Silvia Calis, Dagmar Philipps-Hüwel und Eva-Maria Piez (v.l.) sind alle als Tagesmütter tätig. Foto: Markus Bienwald
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Junge Herrschaften wie diesen kommt die Betreuung zu Gute.

Geilenkirchen/Übach-Palenberg. Wenn zwei das Gleiche tun, muss das nicht heißen, dass sie auch die gleichen Rahmenbedingungen vorfinden. Das gilt auch für die Bezahlung, die je nach zuständigem Träger unterschiedlich ausfallen kann, obwohl hier Menschen mit gleicher Qualifikation arbeiten. Und das bei einer Aufgabe, der eine Tagesmutter teils an fünf Tagen pro Woche acht Stunden nachgeht.

„Ein Kind, das man so lange betreut, das zieht man mit groß“, ist Eva-Maria Piez sicher. Sie ist Tagesmutter und auch ihre Kolleginnen kennen das Pensum, den Aufwand und die geringe öffentliche Aufmerksamkeit, die ihre Tätigkeit mit sich bringt. „Was es uns ein wenig schwierig macht, ist die unterschiedliche Behandlung der Tagesmütter“, beginnt Waltraud Große. Die Geilenkirchenerin hat vor zwei Jahren das Netzwerk für Tagesmütter und -väter im Kreis Heinsberg gegründet und ist selbst Tagesmutter. „Für mehr Familiennähe…“ steht auf dem in frischem Grün gehaltenen Flyer der Einrichtung.

Leider scheint das Angebot, das dieses Netzwerk von Tagespflegepersonen neben den etablierten Kindertageseinrichtungen seit einigen Jahren im Portfolio hat, sich noch nicht so herumgesprochen zu haben. So hat das Kreisjugendamt im Jugendhilfeausschuss Mitte Februar festgestellt, dass im Bereich des Kreisjugendamtes im laufenden Kindergartenjahr noch 199 Plätze fehlen. Tagesmütter und ihre männlichen Kollegen spielten bei dieser statistischen Betrachtung durch den Jugendhilfeausschuss keine Rolle, nur Kindertageseinrichtungen wurden aufgelistet. „Kindertagespflege ist ein gleichrangiges Betreuungsangebot“, weiß Waltraud Große, „und bietet eine gute Alternative zu anderen Betreuungsformen, gerade für die ganz kleinen Kinder.“

Die Tagesmütter sprechen gerne von mehr Flexibilität, die sie den Eltern geben können, von einer familiennahen Betreuungsform und enger Zusammenarbeit, die in einer Erziehungspartnerschaft zum Wohle des Kindes gipfelt. Da werden auch sogenannte Randzeiten, die Kitas wegen fixer Öffnungszeiten und begrenzter Zahl von Mitarbeitern einfach nicht abdecken können, in vielen Fällen entscheidend, um den Weg zur Tagesmutter zu gehen. „Die Eltern sollen bewusst entscheiden können, für welche Betreuungsform sie sich entscheiden“, sagt auch Silvia Calis, die in Hückelhoven als Tagesmutter tätig ist. Derzeit fehlt es an ausreichenden Informationen zum Betreuungsangebot der Tagesmütter. „Es ist manchmal schwierig für Eltern, adäquate Auskünfte zu bekommen, oder den unterschiedlichen Wünschen und Regelungen gerecht zu werden“, weiß Piez. Da sind beispielsweise die Angebote gar nicht so bekannt, auch an wichtigen Stellen wird nur wenig bis gar nicht auf das Angebot der Tagespflegepersonen hingewiesen, wissen die Tagesmütter aus Erfahrung. „Manchmal ist es aber auch schwierig, Angebot und Nachfrage zu vereinigen“, unterstreicht Piez.

Dabei ist sie Teil eines Netzwerkes, das Betreuung für die ganz jungen Kinder ermöglicht und den Familien damit gleichzeitig die Möglichkeit gibt, einen Elternteil wieder in den Beruf einsteigen zu lassen. „Bei einer Beschäftigungsquote von nur 40,3 Prozent der Frauen im Kreis Heinsberg bilden wir damit das Schlusslicht in NRW und täten gut daran, hier mehr auf ein vielfältiges Betreuungsangebot zu setzen“, wirbt Waltraud Große. Abgedeckt wird von den Tagesmüttern das ganze Spektrum moderner Familiengestaltung: Von den Alleinerziehenden über eine Familie nach klassischem Vater-Mutter-Kind-Muster bis hin zu Menschen, die auf Hartz IV angewiesen sind. „Auch deren Rechtsanspruch ist seit August 2013 gesichert“, betont Waltraud Große.

Der Wiedereinstieg in den Beruf hat gerade für Frauen aber noch weitere Vorteile, wie Eva-Maria Piez aus ihrer langjährigen Arbeit im sozialen Bereich weiß. „Frauen zahlen Sozialversicherungsbeiträge, beziehen im Alter eigene Rente und vermeiden damit, in die Grundsicherung zu fallen“, sagt sie. Umgekehrt kann die Tätigkeit als Person in der Tagespflege auch eine berufliche Perspektive sein, die sich gut mit der eigenen Familie verbinden lässt. „Wir wünschen uns einfach eine bessere Etablierung der Kindertagespflege in die Betreuungslandschaft“, schließt Dagmar Philipps-Hüwel.

Und mit den Verbesserungen in Sachen bürokratischer Aufwand, der manchmal einer Betreuung bei der Tagesmutter im Wege steht, kommt dann vielleicht der Tag, an dem die Rahmenbedingungen überall ein ausgewogenes Niveau erreichen. Große: „Schließlich sind wir nach bundesweiten Standards qualifiziert und kümmern uns um die notwendigen Fortbildungen, die uns immer auf den neuesten Stand in Sachen Kinderbetreuung bringen.“

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