Süßigkeiten gut verwahrt im großen Glas

Von: Georg Schmitz
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Wilhelm Lenzen, Helene Weinsheimer, Helene Edel und Martha Römer (v.l.) erinnern sich an Osterzeiten früherer Lebensjahren. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Auch wenn es noch drei Monate dauern sollte. Aber schon kurz nach Weihnachten waren die ersten Ostereier und Schokoladenhasen in den Auslagen der Discounter und Warenhäuser zu finden. Doch jetzt erst ist es da, das so lange beworbene Osterfest, mit den traditionell bunten Eiern.

Vier betagte Seniorinnen und Senioren des Franziskusheimes und des Altenheimes Burg Trips erinnern sich aber rege, dass in ihrer Jugendzeit die Ostereier nicht bereits so lange vor dem Fest angeboten wurden.

„Aber auch damals habe ich schon Ostereier im Garten versteckt”, erzählt Martha Römer. Die Familie der heute 91-Jährigen war von Wuppertal nach Übach-Palenberg gezogen. „Damals war Übach-Palenberg noch ein kleines Dorf”, fällt ihr beim Rückblick auf ihre Kindheit ein. Und damals habe sich die Familie auch nicht viel leisten können. Die hartgekochten Ostereier und süßen Schokoeier hatte sie für ihre zwei Kinder versteckt, später auch für ihre Enkel. „Die haben gesucht wie die Waldmeister”, bemerkt sie schmunzelnd. Erstaunlich: Von den Kindern habe sie gelernt, wo man die Eier am besten verstecken kann.

Die Geilenkirchenerin Helene Edel ist mit ihren 99 Jahren die Älteste des Quartetts. „Wir haben uns streng an die Fastenzeit gehalten”, blickt sie zurück. Nur sonntags habe es mal Fleisch oder Wurst gegeben. Die Familie der ehemaligen Beamtin bei der Post in Geilenkirchen stammt aus Limburg an der Lahn. Gehungert hätten sie und ihre beiden Geschwister eigentlich nie, jedoch hätte es während der Kriegszeiten nur nach Vorlage von zugewiesenen Karten Lebensmittel gegeben. Als Katholikin sei auch der Kirchgang in der Osterzeit für sie Pflicht gewesen.

Das kann auch Helene Weinsheimer bestätigen. Die 86-jährige examinierte Krankenpflegehelferin aus Straeten erinnert sich: „Wir hatten Ostersonntag und Ostermontag ein 40-stündiges Gebet in der Kirche.” Bis zur Schulzeit habe sie sogar noch an den Osterhasen und auch an den Weihnachtsmann geglaubt, doch als Mutter habe sie später selber das Vergnügen gehabt, bunte Eier für ihre Kinder in einem Waldstück unweit ihres Hauses zu verstecken.

„Manchmal haben wir sogar noch welche im Sommer gefunden”, gibt sie lächelnd preis. Zum Osterfrühstück habe es Ostereier gegeben, die damals noch selber gefärbt worden seien. „Eier tuppen” habe schon seinerzeit zu den lustigen Spielchen zum Fest gehört.

Helene Weinsheimer weiß auch vom „Schicksal” der Süßigkeiten. Die wurden ab Aschermittwoch in großen Gläsern gesammelt und durften erst ab Ostersonntag wieder genascht werden. Ein Brauch, weiß sie, denn auch heute noch viele Kinder praktizieren.

Wilhelm Lenzen wanderte vor über sieben Jahrzehnten zusammen mit seinem Bruder mehrere Kilometer durch einen Park, um zu seinen Großeltern zu gelangen. Ostern hätten sie in diesem Park oft nach Eiern gesucht, aber erstaunlicherweise habe der Vater die meisten gefunden. „Bis ich dahinter kam, dass er die in der Hand hielt”, sagt der heute 87-jährige Pastor im Ruhestand, der 1953 in Aachen zum Priester geweiht wurde und der rund 50 Jahre lang in der Region Aachen seinen Dienst versah.

Sein Vater sei ein einfacher Arbeiter gewesen, seine Mutter eine fromme Frau. „Wir mussten zweimal in der Woche in die Kirche”, berichtet der vom Niederrhein kommende Wilhelm Lenzen. Auch Karfreitag habe seine Mutter die Jungs nachmittags zur Sterbestunde Jesu in die Kirche geschickt.

Die Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Ostersamstag sei selbstverständlich eingehalten worden. „Aber am Ostersonntag”, erinnert sich Wilhelm Lenzen immer noch mit Freude, „gab es dann Kaninchen auf dem Mittagstisch.”
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