Geilenkirchen - Stürmischer Applaus nach letztem Akkord

WirHier Freisteller

Stürmischer Applaus nach letztem Akkord

Von: Johannes Gottwald
Letzte Aktualisierung:
carmina-foto
Klangliche und stimmliche Herausforderung: Die Schulchöre des St. Ursula-Gymnasiums Geilenkirchen scheuten die anspruchsvolle Inszenierung des Carl Orffs Stücks „Carmina Burana” nicht. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Seit jeher ist die 1937 uraufgeführte „Carmina Burana” das bekannteste und beliebteste Werk von Carl Orff (1895-1982). Mit dieser umfangreichen, abendfüllenden Komposition, deren Texte einer mittelalterlichen Handschrift aus dem bayrischen Kloster Benediktbeuern entnommen sind, fand der gebürtige Münchener seinen unverwechselbaren Personalstil, dem er auch in seinen späteren Oratorien und Bühnenwerken - etwa „Der Mond”, „Die Kluge” oder „Die Bernauerin” - treu geblieben ist.

Eine einzigartige Synthese aus moderner Klangsprache und deftiger, nicht selten archaisch anmutender Volkstümlichkeit. Während Harmonik und thematische Verarbeitung in den Hintergrund treten, spielt der Rhythmus eine dominierende Rolle, weshalb die Musik von Carl Orff gerade auch bei der jungen Generation „ankommt”.

Im Jahre 1956 erstellte der Komponist eine Fassung für zwei Klaviere und ein Schlagzeug, um das Werk auch Schul- und Laienchören zugänglich zu machen. Aber auch in dieser Version stellt die „Carmina Burana” eine beträchtliche klangliche und stimmliche Herausforderung dar. Die Schulchöre des St. Ursula-Gymnasiums Geilenkirchen scheute die anspruchsvolle Arbeit einer Einstudierung nicht und brachten kürzlich das Werk zusammen mit der Schola Cantorum von St. Foillan aus Aachen in der Aula der Schule zu Gehör.

Am Klavier begleiteten Burkhard Kerkeling und Oliver Feiter, an den Schlaginstrumenten saßen Florian Dicke, Markus Knoben, Jan Lurweg, Thomas Preuth und Kai Stoffels. Den ersten Teil des Werkes leitete Brigitte Reymer, beim zweiten und dritten Teil stand Andrea Fühner am Dirigentenpult.

Mit monumentalen Akkordschlägen wurde der Eröffnungschor „Fortuna imperatrix mundi” eingeleitet. Der überwiegend lateinische Text der „Carmina Burana” wurde im Programmheft in deutscher Übersetzung abgedruckt, so dass die Zuhörer Text und Musik zusammen erleben konnten. In den ersten beiden Nummern wird die Glücksgöttin Fortuna als Herrscherin der Welt dargestellt. Die folgenden Gesänge sind dem aufkeimenden Frühling gewidmet, was gut zur Jahreszeit passte.

Bei der dritten Nummer „Veris leta facies” wäre etwas mehr dynamische Differenzierung wünschenswert gewesen und auch das nachfolgende „Omnia sol temperat” wirkte nicht ganz intonationssicher. Umso prächtiger zog dann aber das „Ecce gratum” vorbei, in dem das anbrechende Frühjahr gefeiert wird. Das Instrumentalstück „Uf dem Anger” ließ unverkennbar bayrische Folklore durchschimmern, beim ebenfalls sehr gelungenen „Floret silva nobilis” trat erstmals neben Latein auch mittelalterliches Althochdeutsch in Erscheinung. Dies setzte sich auch in dem Lied „Chramer, gip die varwe mir” fort, in dem eine von ihrem bisherigen Liebhaber verlassene Jungfrau um eine neue Liebe wirbt.

Wechselnde Leitung

Die schroffen Klänge des rhythmisch erregten „Swaz hie gat umbe” lösten sich in dem innigen Liebesgesang „Kum, kum, geselle min” , bevor „Were diu werlt alle min” den ersten Teil zu einem kraftvollen Abschluss brachte. An dieser Stelle wechselte die Leitung, Fühner übernahm nun das Dirigat, sorgfältig auf die Dynamik achtend. Der zweite Teil des Werkes führte in eine Dorfschenke, in der es fröhlich und burschikos zuging. Ein glänzendes Baritonsolo von Stefan Mosemann „Estuans interius” stand am Beginn, gefolgt von der köstlichen Parodie „Olim lacus colueram”. Hier brachte Tenor Georg Schillinger das Publikum zum Schmunzeln, als er die herzzerreißende (und doch komische) Klage eines Schwanes darstellte, der einst auf dem See schwamm und nun am Bratspieß gedreht wird.

Ebenso gelungen war die Spottlitanei „Ego sum abbas”, in der ein trunkener Zecher im parodierten Kirchenton einen Abt markiert - eine Anspielung darauf, dass im Mittelalter auch in den Klöstern nicht selten lockere Sitten herrschten. Das von überschäumender Energie erfüllte „In taberna, quando sumus” schloss die Reihe der Trinklieder ab.

Ruhiger und besinnlicher wurde es im dritten Teil mit der Überschrift „Cours d„amours” (Hof der Liebe). Hier konnten die Solostimmen, darunter auch die Sopranistin Konstanze Mejer, einmal mehr ihr ausgereiftes Können zeigen. Besonders eindrucksvoll und gelungen präsentierte sich der einfühlsame und zugleich äußerst klangreine mehrstimmige Tenor/Bariton/Baß-Gesang „Si puer cum puellula”. Erst mit dem frischen „Veni, veni, venias” trat der volle Chor wieder in Erscheinung. Das wuchtig-pathetische „Blanziflor et Helena” leitete zum Schlusschor über, der mit dem Anfang identisch war: Das Werk beginnt und endet mit der Anrufung von Fortuna, der „Herrscherin der Welt”.

Nach dem Verklingen des letzten Akkordes konnten alle Beteiligten den stürmischen Beifall der Zuhörer entgegennehmen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert