„Strongman-Run”: Wie Karneval mit viel Dreck

Von: Wilfried Rhein
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Das gab Szenenapplaus unter rund 40.000 Zuschauern für David Schulz und Jerome Iven (l.), als sie im Vorjahr in Weeze zum „Strongman-Run” in sehr freiem, karnevalistischem Dress (Bild) an den Start gingen.

Geilenkirchen/Übach-Palenberg. „Was ziehen wir bloß an?” Die Frage bewegt David Schulz und Jerome Iven seit Wochen. Eine verbindliche Antwort haben die beiden Freunde und ein kleiner Freundeskreis noch nicht gefunden.

Es ist auch nicht so einfach, sich für einen sportlichen Auftritt besonderer Art auszustatten. Nylonstrümpfe an Strapsen trugen sie ja schon voriges Jahr.

Es geht um Spaß am Sport. Und um einen Kick für eine außergewöhnliche Aufgabe, die in diesem Jahr, am 17. April, im Umland des Nürburgrings gestellt wird. Der „Strongman-Run” in seiner fünften Auflage wird erstmals im Umland der im Motorsport berühmten Nordschleife ausgetragen.

Die Organisatoren sprechen vom „größten und spektakulärsten Hindernislauf der Welt”. Rund 10.000 Teilnehmer - am Wochenende war Meldeschluss - haben sich angekündigt, um in der so genannten Grünen Hölle die 14 Hürden auf der gut neun Kilometer langen Strecke zu meistern. Zweimal hintereinander.

Jerome Iven und David Schulz sind zwei davon; eine kleine Freundesgruppe wird sie begleiten. Das Duo ist bereits erfahren im Ablauf des „Strongman-Run”. Als die beiden vor zwei Jahren über die Medien von dem Ereignis erfuhren, war es leider schon für die aktive Teilnahme zu spät. Aber ein Jahr darauf, in Weeze, waren die beiden Bewegungsbegeisterten am Start.

Vielfältig talentiert

Zum Sport haben David Schulz (24) und Jerome Iven (25) recht früh gefunden. Jerome, bei der Bundeswehr als Meister der Fluggerätemechanik im Dienst, ist firm auf vielen Gebieten, vom Tanz bis hin zum Kampfsport. David, der Sozialversicherungsfachangestellte bei der AOK Rheinland, enttarnte sich mit 16 Lebensjahren selbst als, wie er sagt, „Moppelchen”, und begann gegenzusteuern. Kraft- und Ausdauersport lag ihm da besonders, Indoorcycling inklusive.

Die jungen Athleten - Jerome aus Siepenbusch und David aus Grotenrath - kennen sich seit der Schulzeit. Jetzt teilen sie auch ihr Faible für den Sport. Aber nicht auf eine Sparte beschränkt. „Ich mach´ viel”, sagt Jerome Iven, „aber gern in Ergänzung mit anderen.”

Dafür bietet das Laufen eine ausgezeichnete Basis. Das geht gemeinsam, aber auch anders. David Schulz ging 2009 auf die Köln-Marathon-Strecke, „die hab´ ich gepackt”, freut sich der 24-Jährige. „Da brauch´ ich ein bisschen Action mehr”, gesteht Jerome Iven und lenkt eher querfeldein. Wenn´s sein darf auch mit dem Mountain-Rad. So kommen die Freunde auf rund 20 Stunden Training pro Woche.

So kann man den „Strongman-Run” beruhigt angehen. Auch als Team, als das man sich auch bei der Organisation eingetragen hat. Der Name ist Bekenntnis: „Absolut Fit”. Das wird von allen Teilnehmern erwartet, egal ob sie sich zu der „Profigruppe” zählen oder - wie David und Jerome - eher den Spaßfaktor voranstellen.

Den haben die Freunde voriges Jahr in Weeze vor geschätzten 40.000 Zuschauern ausgelebt. Jerome und David zwar durchaus im richtigen Sportdress für die teils schlammige Strecke bei elf Grad Wassertemperatur, aber drapiert mit grünem Monokini wie weiland „Borat” und darunter noch langen Nylons, mit Strapsen an der Corsage befestigt. „Das war”, erinnert sich David Schulz, „wie Karneval - mit herrlich viel Dreck.”

Karnevalistisch soll es durchaus bleiben, halten die Freunde für ihren kommenden Auftritt am Prinzip fest. Und wenn bei allem Überlegen kein griffiger Gedanke hängen bleibt, geht das Team „Absolut Fit” ins Bekleidungskaufhaus - „oder an die Kiste mit Karnevalsklamotten”, da lasse sich vieles spontan entscheiden. Aber „bunt und gewagt” soll´s schon sein.

Satte 18 Kilometer rennen und dazu noch über und durch Hindernisse zu kommen, verlangt den Athleten einiges ab. Da warten Erdhügel, aufgekippte Reifenhaufen, das Fischernetz, die „Eifeler Nordwand” zum Klettern und als Premiere eine Wasserrutsche. „Immer locker bleiben, vom Start weg”, sind sich die Freunde einig. Denn man will während des Laufs auch „miteinander quatschen. Wenn das ohne Seitenstechen geht”, empfindet Jerome Iven, „ist das Tempo okay”.

Sehr viel mehr an Vorbereitung soll es gar nicht sein, vom verrückten Outfit abgesehen. Jerome Iven achtet noch darauf, dass über die Mahlzeiten zuvor sein Energiehaushalt an Kohlehydraten stimmt; ein Mehr an Training plant er nicht ein. Den letzten Straßenlauf absolviert David Schulz kommenden Sonntag in Korschenbroich. Für die fünf Kilometer plant er keine halbe Stunde ein; eigentlich die Zeit, nach der seine Muskeln erst so richtig mitmachen.

Die Teilnahme am „Strongman-Run” lassen sich David, Jerome und Freunde rund 400 Euro kosten, von der Meldegebühr bis zur schrillen Verkleidung. Dafür gibt es Spaß satt. Und Muskelkater. Für David Schulz „ein Glücksgefühl”. Auch darauf richtet sich die Vorfreude. Egal was sie anziehen.
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