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Steter Streiter für Natur und Umwelt

Von: Karl-Heinz Hamacher
Letzte Aktualisierung:
Die computergesteuerte Gewicht
Auch in Lemgo ist Willi Hennebrüder (rechts) nach wie vor in Sachen Natur- und Umweltschutz aktiv. Repro: Hamacher

Gangelt/Lemgo. Dem gesunden Menschenverstand folgend, sollte klar sein, dass es keinen Zusammenhang zwischen der eingeleiteten Regenwassermenge und dem Trinkwasserverbrauch gibt. Dennoch wurden über Jahrzehnte in den meisten Kommunen in Deutschland die Kosten der Niederschlagswasserbeseitigung mit einer Einheitsgebühr nach dem Trinkwasserverbrauch berechnet.

Dass es in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen mittlerweile gerechter und bürgerfreundlicher zugeht, ist Willi Hennebrüder zu verdanken.

Viele Jahre hat der engagiert Natur- und Umweltschützer nahe dem heutigen Naturpark in Gangelt gewohnt. Hier in Gangelt kämpfte er für die Nutzung von Regenwasser in Zisternen und war maßgeblich an der Entwicklung der Computererfassung bei der Hausmüllentsorgung beteiligt.

Während das Zisternenprojekt jedem, der es nutzte, einen Kostenvorteil brachte, sorgte der Computerchip, mit dem die Müllmenge exakt für die genaue Abrechnung erfasste wurde, für deutlich mehr Gebührengerechtigkeit und trug zur Abfallvermeidung bei.

Beide Projekte musste er gegen viele Widerstände durchsetzen - heute sind sie in vielen Kommunen und Bundesländern selbstverständlich. Für dieses Projekt erhielt der NABU, unter dessen Dach Willi Hennebrüder zu der Zeit arbeitete, 1989 einen Hauptpreis im Europäischen Umweltwettbewerb. Ebenfalls wurde er zusammen mit dem Unternehmer Grass hierfür mit dem mit 20.000 DM dotierten Cusanuspreis der Stadt Koblenz ausgezeichnet.

1995 hat er vor dem Verwaltungsgericht in Aachen ein richtungweisendes Urteil zur Einführung der gesplitteten Abwassergebühr erstritten, in dessen Folge eine Vielzahl von Kommunen in ganz Deutschland die Gebühren umgestellt haben, was letztendlich zu großen Flächenentsiegelungen führt.

Willi Hennebrüder lebt mittlerweile mit seiner Familie in Lemgo und ist Studiendirektor am dortigen Hanse-Berufskolleg. Letztendlich sind die Gründe für den Umzug privater Natur, „auch wenn die Auseinandersetzungen im Interesse des Natur- und Umweltschutzes mehr und mehr zur Belastung für die ganze Familie geworden sind”, blickt er heute zurück.

Die Entscheidung, Gangelt zu verlassen und in ein Umfeld zu wechseln, wo Natur- und Umweltschutz einen höheren Stellenwert hatte, bezeichnet er „als richtig, weil man hier auch mehr bewegen kann und konnte”. In Lemgo gab es 1995 schon eine gesplittete Abwassergebühr mit Kostenfreistellung von der Niederschlagswassergebühr für Zisterneninhaber, eine Bio-Tonne für Grünabfälle, jetzt auch mit einer Konzeption der Energiegewinnung in Form von Kraftwärmekopplung und Wiederverwertung des Komposts als Dünger.

Auch die Windkraftanlagen waren vorbildlich. Eigentümer sind die Stadtwerke mit Bürgerbeteiligung und einer Verzinsung der Bürger-Windkraftanlagen mit fünf Prozent. Zuletzt hat die Firma Zumtobel eine Mitarbeiter-Photovoltaikanlage auf ihren Firmendächern installiert. 1,5 Millionen Euro Beteiligung haben die Mitarbeiter innerhalb weniger Tage aufgebracht.

„Wir sind bei den Stadtwerken Lemgo frei von Atom- und Kohlestrom im Privatbereich. Wie man sieht, gibt es Alternativen.” Er lobt ein perfekt funktionierendes Stadtbussystem mit Abfahrten jede halbe Stunde und zu den Kernzeiten mit Abfahrten alle 15 Minuten. Dies wird von den Bürgern gut angenommen. Es gibt ein kommunales Klimaschutzkonzept und ein Radwegekonzept. Von solch vorbildlichen Konzepten sei man im Kreis Heinsberg noch weit entfernt, sagt er.

Damals wie heute geht Willi Hennebrüder Konfrontationen nicht aus dem Weg und ist auch immer noch bereit, für die Durchsetzung der hohen Ziele in Sachen Natur- und Umweltschutz, das Fahrwasser zu wechseln.

Wer hätte gedacht, dass er, Nabu-Urgestein und Vordenker bei vielen Projekten in Gangelt und Lemgo, den Nabu verlassen und sich mit anderen Mitstreitern dem BUND anschließen würde. Als bei einem Altlastenprojekt seiner Meinung nach nicht mehr im Sinne der Bürger gehandelt wurde und er die entscheidenden Nabu-Gremien nicht auf seine Seite bekam, wechselte er zum BUND.

Dass es kein Hennebrüder-Solo war, zeigt die Tatsache, dass der Nabu mit ihm auf Landesebene alle ehrenamtlichen Mitarbeiter des Landesfachausschusses verlor. Willi Hennebrüder ist jetzt unter anderem verantwortlich für die größte Obstsortendatenbank Europas http://www.obstsortendatenbank.de und den Internetauftritt http://www.bund-lemgo.de des BUND Lemgo. Er kümmert sich um Streuobstwiesen und ist Mitglied im Bundesarbeitskreis Wasser des BUND.

In Sachen Flächenentsiegelungen betreute er bundesweit mehr als 40 Bürger und Initiativen. Nach wie vor gibt es auch den Privatmann Willi Hennebrüder, der seit 1971 mit Brigitte verheiratet ist. Tochter Kristina war Abiturbeste am Leopoldinum in Detmold, sie studierte Chemie in Leipzig und Erlangen, erwarb den Dr.-Grad in Chemie und ist jetzt Mitarbeiterin beim Europäischen Patentamt in München.

Sohn Sebastian studierte Wirtschaftswissenschaften an der Uni Dresden, ist Dipl.Kaufmann und jetzt selbstständiger Unternehmer, Javaentwickler, Hibernatetrainer mit Schulungen in ganz Europa und Buchautor.
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