Gangelt-Hastenrath - Sieben radeln bis zum Ende der Republik

Sieben radeln bis zum Ende der Republik

Von: hama
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Christoph Faltyn, Harald Falty
Christoph Faltyn, Harald Faltyn, Heinz Zillgens, Georg Tholen, Norbert Dahlmanns, Frank Bischof und Arno Paul haben nach 2601 Kilometern den „Zipfelpass” in der Tasche. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt-Hastenrath. „Deutschland ist schön, wir leben nahe einer Zipfelgemeinde, und Radfahren ist ein toller und für uns sehr geselliger Sport”, umschreibt Christoph Faltyn, dass man nach der großen Rom-Tour auf der Suche nach neuen Zielen schnell bei den drei anderen Zipfelgemeinden gelandet war.

Nach dem Rom-Abenteuer vor drei Jahren war die Gruppe per Velo zur Bundeshauptstadt nach Berlin gefahren, um dort ordentlich die Fußball-EM in den Straßen der Hauptstadt mitzufeiern. Auch bei dieser Reise zeigte sich, dass eben der Weg das Ziel ist.

Man mache das sicher auch aus sportlichem Ehrgeiz, aber das sei nicht der Hauptgrund: „Oftmals kommen wir trotz der Anstrengungen gewichtsmäßig schwerer von der Fahrt zurück, und das ist nicht nur auf die verbesserte Muskulatur zurückzuführen”, lachen Christoph Faltyn, Harald Faltyn, Heinz Zillgens, Georg Tholen, Norbert Dahlmanns, Frank Bischof sowie Arno Paul und erinnern sich an die herrliche Stunden der Geselligkeit.

Die Berlin-Tour habe wieder einmal gezeigt, „wie schön doch Deutschland ist”. Im „Zipfelpass” sei nachzulesen, dass Reisende vier Jahre Zeit haben, alle anderen Zipfel zu bereisen; dafür gibt es dann das Zipfelgeschenk. „Für uns war klar, wir schaffen das in drei Jahren”, so die Radfahrer aus Hastenrath.

Die erste Tour führte nach Oberstdorf. Lange Zeit konnten die sieben Herren am schönen Rhein entlang fahren: „Eine herrliche Etappe, die uns konditionell nicht viel abforderte.” Das änderte sich aber, als es am Bodensee vorbei Richtung Oberstdorf ging. Heute ist ihnen klar, warum sie vor dem großen Anstieg von einer netten Dame einige Äpfel geschenkt bekamen. „Im Nachhinein konnten wir uns denken, warum wir die Vitamine zugesteckt bekamen: Der Aufstieg war echt haarig und jedes Vitamin bitternötig.”

Aber wie auch bei allen vorangegangenen und noch folgenden Etappen freuten die Männer sich immer auf das erste Bier bei der Ankunft. Dem folgten dann bei der allabendlichen Tourbesprechung das ein oder andere „Weizen” mehr. Um die Touren nicht zu verbissen anzugehen, wurde viel improvisiert statt organisiert. Die Zielorte und Unterkünfte wurden teils erst während der Touretappen ausgemacht. Wenige Ausrutscher gab es, wie zum Beispiel auf der Insel Lindau, wo die zugesagte Unterkunft plötzlich anderweitig vergeben war und die Hastenrather erstmal buchstäblich im Regen standen.

Ähnlich war es auf Sylt, wo ein Harley-Davidson-Treffen stattfand und die Frage nach freien Zimmern lediglich mitleidig belächelt wurde. „Apropos Sylt-Tour”, so Christoph Faltyn, „es ist uns passiert, dass der Fährmann am anderen Ufer eingepennt ist und wir mit beharrlichem Läuten an der Glocke auf uns aufmerksam machen mussten.”

Berg- und Talfahrten, Flussüberquerungen oder andere schwierige Routen sind für die Jungs solange kein Problem, wie die Wege für Rennräder geeignet sind. „Ansonsten sieht man sich alle hundert Meter die Reifen flicken.” Besonders das Tandem ist durch das hohe Gewicht anfällig für schlechte Wege. Das wird benötigt, weil mit Arno Paul ein blinder Mitfahrer seit Jahren dabei ist.

„Seine Sehbehinderung war nie ein Problem. Kurioserweise hat Arno als technisch versierter Mensch uns mittels Handy-Navigation und Sprachausgabe oftmals den Weg beschrieben, wenn wir uns mal verfranzt haben”, so Faltyn. So eine Tour habe natürlich auch seine rustikalen Seiten. Das ist nach einhelliger Meinung der Männer der Grund dafür, warum Frauen nicht mitgenommen werden. „Da kann es passieren, dass man 30 Liter warmes Wasser für sieben Personen zum Waschen zur Verfügung hat, so geschehen in Süderlügum, wo wir trotz Hausmeister und Sanitärexperten den Schalter für die Warmwasseraufbereitung nicht fanden”, zeigt man sich mehr oder weniger überzeugend rücksichtsvoll den Frauen und Freundinnen gegenüber.

Auf der Görlitz-Tour hatte man sich „überhitzt” dazu entschlossen, spontan die Räder abzustellen und nackig in der Elbe zu baden. Eine sonderbare Erfahrung hat die Gruppe an den Grenzen zu den neuen Bundesländern gemacht. Fast alle Spuren der damaligen Grenze sind beseitigt worden sind, so ihre Erfahrung.

„Als wir eine jüngere Einheimische nach dem Grenzverlauf fragten, wusste sie uns keine Antwort zu geben. Lediglich der schwerhörige Opa wusste noch, wo die Grenze verlief”, so Christoph Faltyn. Viele Eindrücke, Erinnerungen und Erlebnisse gehören natürlich zum Schatz einer solchen Reise.

Eine Sache haben die Radfahrer sich geschworen: Bei der spontanen Unterkunftsauswahl wollen sie verstärkt nach dem Namen filtern. Unterkünfte, die „Zum Talblick” oder „Zur Bergkuppel” heißen, seien nichts für Radfahrer und werden gemieden. Häuser mit Namen wie „Zur Wassermühle” oder „An der Talsperre” dagegen würden künftig bevorzugt.

Tagesetappe beträgt150 Kilometer

Grundsätzlich wird immer an sechs Tagen gefahren. Dazu kommen ein Tag Sightseeing und einer für die Rückfahrt.

Bis Sylt waren 820 Kilometer, bis Görlitz 930 Kilometer, bis Oberstdorf 850 Kilometer und in den Selfkant exakt einer. Pro Tagesetappe werden rund 150 Kilometer mit bis zu 15 Prozent Steigung zurückgelegt. Das alles mit Gepäck und ohne Begleitfahrzeug.

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