Sektkorken knallen: CDU in Feierlaune

Von: Udo Stüßer und Markus Bienwald
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Jubelnder Bürgermeister: Wolfgang Jungnitsch (CDU) ist der Wahlsieger in Übach-Palenberg. Foto: Markus Bienwald
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Die Geilenkirchener CDU in Feierlaune: Noch am Wahlabend wurde so manche Flasche Sekt entkorkt. Foto: Georg Schmitz
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Kirsten vom Scheidt (rechts) zieht für die CDU in den Geilenkirchener Rat ein, Theresia Hensen holte in Grotenrath ein beachtliches Ergebnis und behält ihr Mandat. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Die Geilenkirchener Christdemokraten waren am Sonntagabend in Feierstimmung. Die illustre Runde, die es sich vor Hotel Jabusch an diesem sommerlichen Abend gut gehen ließ, wurde minütlich größer.

Während hier immer mehr Tische herangeschafft wurden und die Sektkorken knallten, lag Markus Melchers, Parteichef der Geilenkirchener FDP, bereits im Bett. Er war müde. Und er war maßlos enttäuscht. „Ich hatte gehofft, dass wir gegen den Bundestrend ankämpfen können.

Das ist uns nur in einzelnen Wahlkreisen gelungen“, erklärte er Montag. In den nächsten Wochen und Monaten wollen die Liberalen überlegen, „wie wir es besser machen können“. Melchers weiß aber auch: „Es ist schwer, gegen den Bundestrend anzukämpfen.“ Und er gesteht: „Darüber hinaus haben die innerparteilichen Diskussionen sicherlich nicht geholfen.“ Enttäuscht ist er aber nicht nur über das Abschneiden der FDP: „Ich bin sprachlos, dass die NPD in den Stadtrat reingekommen ist. Das stimmt mich traurig.“

Manfred Schumacher, Geilenkirchens CDU-Parteichef, war Montag schon früh auf den Beinen. Er sammelte in seinem Wahlkreis in Bauchem seine Wahlplakate ein: Mit Blick nach vorne meinte er: „Wir wollen im Stadtrat keine Listenverbindung oder Koalition eingehen. Wir gehen gestärkt in die neue Legislaturperiode. In der Vergangenheit hat sich bewährt, dass wir mit der einen oder anderen Partei sprechen“, erklärte er. Und: „Wir sind nicht so arrogant zu sagen, dass wir nicht das Gespräch mit anderen Parteien suchen.“

Freude herrschte auch bei Manfred Mingers (Die Linke): Seine Partei hat in Geilenkirchen nicht nur fast ein Prozent mehr Stimmen und einen zweiten Platz im Stadtrat geholt. „Durch den großen persönlichen Einsatz unserer Mitglieder haben wir jetzt den Fraktionsstatus erreicht.“ Den zweiten Platz für die Linken wird neben Manfred Mingers Michael Thielemann aus Geilenkirchen einnehmen. War Mingers bislang Einzelkämpfer, so kann er nun mit seinem Fraktionskollegen Anträge einbringen. Grund für das gute Abschneiden sei der persönliche Kontakt zu den Wählern und der immense persönliche Einsatz der Wahlkämpfer.

Helmut Gerads, Parteichef der Bürgerliste, freut sich, dass er in Gillrath ein Direktmandat geholt hat. Dass seine Partei aber knapp an einem fünften Sitz gescheitert ist, bedauert er, kann „aber mit dem Ergebnis leben“. Seine Partei habe einen sachlichen Wahlkampf geführt und verspricht: „Wir werden im Stadtrat keine Blockadepolitik betreiben, sondern stets gute Anträge, egal von welcher Fraktion, unterstützen.“ Jürgen Benden, Parteivorsitzender der Grünen, freut sich, dass er zum zweiten Mal in Hünshoven ein Direktmandat geholt hat.

Und er sieht ein Ziel erreicht: „Keine Partei mit einer absoluten Mehrheit.“ Vor dem Rat liege mit sechseinhalb Jahren eine lange Legislaturperiode. „In dieser Zeit müssen wir Geilenkirchen weiter nach vorne bringen. Dafür müssen wir aber an einem Strang ziehen.“ Er jedenfalls sei bereit, mit allen Parteien kon-struktiv zusammenzuarbeiten.“

Die Stimmung im Übach-Palenberger Rathaus konnte am Sonntagabend kaum besser sein, denn dort hatten sich ab 21.30 Uhr immer mehr Anhänger von CDU und vor allem von Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch eingefunden. Während es auf den hinteren Rängen im Umfeld der UWG angesichts eines schlechten Ergebnisses sehr ruhig war und viele lange Gesichter zu sehen waren, freute sich Herbert Mlaker als Newcomer mit seiner von ihm gegründeten Partei USPD über einen nicht unbedingt zu erwartenden Einzug in den neuen Stadtrat.

Mlaker nahm dazu gleich mal in der ersten Reihe Platz, direkt neben den CDU-Vertretern, deren Ergebnisse geradezu frenetisch gefeiert wurden. Und spätestens, als Wahlkreis Nummer fünf, auf den in dieser wahrscheinlich längsten Wahlnacht aller Zeiten in Übach-Palenberg am längsten gewartet werden musste, um 13 Minuten nach Mitternacht die Wiederwahl Jungnitschs bestätigte, gab es noch eine Gratulationscour für den Amtsinhaber. Die SPD war zu diesem Zeitpunkt schon dabei, ihre altgediente rote Fahne im Palenberger Restaurant „Postwagen“ einzurollen und noch ein gutes Stündchen länger konsterniert auf das Endergebnis der Stadtratswahlen zu warten.

„Ich ging voran, Ihr seid mir gefolgt, und das Ergebnis steht da“, so Wolfgang Jungnitsch nach dem letzten Ergebnis der Bürgermeisterwahlen. Und Ralf Kouchen, SPD-Bürgermeisterkandidat: „Es war ein sehr fairer Bürgermeister-Wahlkampf, in dem es nie Dissens zwischen den Einzelbewerbern gegeben hat. Leider hat die SPD den deutschlandweiten Europawahltrend nicht für sich nutzen können. Aber nach dem alten Sprichwort ‚Nach der Wahl ist vor der Wahl‘, gilt es jetzt, Ursachenforschung zu betreiben, um 2020 mit einem kompetenten Team anzugreifen.“

Grüne: Ziele erreicht

Und Frank Kozian, Grüner Spitzen- und Bürgermeisterkandidat, meinte: „Ich bin voll zufrieden, denn wir haben mit einem guten Wahlkampf unsere beiden gesteckten Ziele erreicht. Das waren ein zweistelliges Ergebnis für den Bürgermeisterkandidaten und ein Sitz mehr im künftigen Stadtrat.“

Gerhard Gudduschat, Fraktionschef der CDU: „Das ist ein eindeutiges Votum der Wähler für die in den vergangenen viereinhalb Jahren geleistete Arbeit. Die CDU-Fraktion wird weiterhin versuchen, mit der bürgerlichen Mehrheit zum Wohle der Stadt zu arbeiten. In Sachen Koalition wollen wir in keinster Weise etwas ausschließen, denn so ein gutes Wahlergebnis verpflichtet uns, uns weiter zu verbessern.“

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