Seit über 40 Jahren sind Blumen sein Geschäft

Von: Laura Beemelmanns
Letzte Aktualisierung:
5197726.jpg
Gärtnermeister Franz Stahl bindet einen bunten Strauß zum 30. Geburtstag einer Kundin. Foto: lbe
5197766.jpg
Seit 40 Jahren sind Blumen sein Geschäft: Gärtnermeister Franz Stahl. Foto: lbe

Geilenkirchen. „Sind Sie nicht aus Geilenkirchen?“, fragt Franz Stahl (72) seinen ersten Kunden in dieser Stunde, während er ein buntes Sträußchen duftender Rosen zusammen steckt. Der Mann stutzt. „Ist es so recht?“ „Ja, danke“, antwortet der Mann, dessen Gesicht Franz Stahl noch nie auf dem Geilenkirchener Markt gesehen hat.

Just in diesem Moment klingelt das Telefon. Seine Kollegin Ruth van Helden (50) reicht ihm den Hörer. „Die Blumen wurden schon mitgenommen“, sagt er, verabschiedet sich freundlich und legt auf. Den Strauß des Herren kürzt Stahl noch schnell. Dann reicht er ihn Ruth van Helden. Sie verpackt ihn in Folie und verziert ihn mit Geschenkband. „Dann werden wir uns demnächst also öfter sehen“, ruft Stahl ihm entgegen. „Ja, vielleicht. Ich bin aber viel unterwegs“, sagt der Mann und geht.
Es ist 9 Uhr auf dem Geilenkirchener Marktplatz. Der gelernte Gärtnermeister Franz Stahl steht mit seinem Anhänger seit rund 40 Jahren jeden Dienstag und jeden Freitag auf dem Geilenkirchener Markt, jeden Samstag in Palenberg und jeden Donnerstag in Übach. Gemeinsam mit Ruth van Helden und Josef Richter (79) verkauft er dort von 6 bis 15 Uhr Rosen, Tulpen, Vergissmeinnicht, Gerbera und Primelchen. Und er bindet Sträuße – ununterbrochen.„Guten Morgen!“ ruft Franz Stahl seinem nächsten Kunden zu. Der erwidert: „Ich hätte gerne drei Anthurien schön in einem Strauß“. „Für die Frau?“ „Nein, für die Freundin“, antwortet der Mann und lacht. „Wie viel darf es kosten?“ Mit einer schnellen Handbewegung signalisiert er Franz Stahl, dass es darauf nicht ankommt. „Was kostet das hier?“, ruft eine Frau dazwischen, die ein österlich geschmücktes Körbchen mit einer kleinen Blume darin in die Luft hält. „2,90 Euro“, antwortet Stahl. Die beiden Herren sprechen inzwischen über Fußball, die Gesundheit der Frau – das Übliche. Währenddessen steckt Stahl noch einige wenige Röschen in den Strauß, die farblich perfekt zu den Anthurien passen. „15 Euro macht es dann“, sagt er. Dann reicht er den Strauß erneut an seine Kollegin weiter. Sie verpackt ihn und bindet ein Schleifchen darum.
Etwa 30 verschiedene Sorten Rosen verkauft Stahl. Und nochmals etwa 50 andere Blumen, darunter Schnittblumen, Zimmerpflanzen, Topfpflanzen und kleine Gestecke.  Die Blumen, die den Winter ein klein wenig besser vertragen, wie Tulpen beispielsweise, liegen auf dem Stand weiter vorne – ohne Dach über dem Kopf. Darum kümmert sich Josef Richter. Er verpackt auch die kleinen Töpfchen mit den Primeln in weiße Plastiktüten, damit die Erde nicht herausfällt. Der Anhänger selbst, in dem Ruth van Helden und Franz Stahl arbeiten, wird beheizt – von rechts und von links. „Um Blumen zu binden, brauchen wir warme Hände“, sagt Stahl. Außerdem mögen es die Anthurien gerne mollig. 15 Grad müssen es da schon sein.
„Das ist eine superschöne Rose“, sagt er zu seiner nächsten Kundin. „Tolle Farbe“, antwortet sie und schaut nickend auf die Wahl, die sie getroffen hat. „Könnten Sie die noch ein bisschen herrichten?“ „Ja, das machen wir.“ Franz Stahl öffnet die in Plastik gepackten Rosen und bindet sie gemeinsam mit viel Grünzeug zu einem Sträußchen. „Ich würde mal sagen: so.“ „Wunderschön.“

„Soll ich Ihnen einen Kaffee einschenken, Herr Stahl?“, fragt Ruth van Helden. „Ja, gerne“, antwortet er und hat schon die nächsten Rosen, Tulpen und Hyazinthen in der Hand.
Eine persönliche Lieblingsblume hat Stahl nicht. Er liebt die Blumen, die zur jeweiligen Jahreszeit passen und gedeihen. Mit 16 Jahren absolvierte er seine Ausbildung zum Gärtnermeister in der Gärtnerei Delahaye in Boscheln. Im Anschluss arbeitete er bei seinem Vater in der Gärtnerei und machte sich bald darauf selbstständig, verkauft seither Blumen auf dem Markt. Das Blumen-Gen liegt bei den Stahls in der Familie. Nicht nur sein Vater und er, sondern auch sein Neffe sind in diesem Bereich tätig.
„Ich hätte gerne zwei Gutscheine für eine Verlosung“, sagt die nächste Kundin. Außerdem nimmt sie noch ein paar Rosen mit. „Wissen Sie was, ich packe Ihnen noch vier Pflanzen dazu, die können Sie dann verlosen“, sagt Stahl. „Vielen Dank, das freut mich aber“, antwortet die Kundin und geht. Nun arbeitet er an zwei Sträußen  für den Friedhof. Die Kundin sagt, dass sie selbst nicht wüsste, welche Farben und Blumen sich dort eignen. „Ich würde Tulpen empfehlen, die ertragen den Frost ganz gut“, sagt Stahl.

Er kombiniert orangefarbene Tulpen mit bläulich-lilafarbenen Hyazinthen. „Sehr schön“, sagt die Kundin. „Aber passen die in die Friedhofsvase?“ „Ja klar!“, entgegnet Stahl. „Mir fehlt ja die Fantasie bei solchen Sachen“, so die Dame weiter. „Ich mache ja nichts Anderes, habe noch nie etwas Anderes gemacht“, sagt Stahl und grinst in sich hinein. „Also mit Leib und Seele“, sagt sie. Franz Stahl nickt.

Dann lässt er den Blick über all die Blumen schweifen und greift eine weitere Hyazinthe heraus. Fertig. „20 Euro für beide Sträuße“, sagt er. Wieder gibt er den Strauß an Ruth van Helden weiter und widmet sich seiner nächsten Kundin. Die sucht etwas knallbuntes. „Meine Tochter wird heute 30 und ich will einen farbenfrohen Blumenstrauß“, sagt sie.
„30 Jahre – das wäre noch mal was“, philosophiert Stahl. „30 ja, aber dann mit dem Wissen von heute“, entgegnet die Kundin. Die beiden lachen. „Ich brauche noch Gerbera; Ruth!“, sagt er. Einer der gelb-orange gefärbten Blumen war nur gelb. Er sucht jedoch noch eine zweifarbige. Gefunden. Perfekt. Der Strauß ist fertig. „Und Ihre Tochter ist hier aus Geilenkirchen?“, fragt er. „Aus Waurichen“, sagt seine Kundin. „Wird gefeiert?“ „Ja, heute und Samstag.“ „Ein schönes Fest wünsche ich.“ „Danke.“ Sie geht.
Es ist 10 Uhr. Stahl greift mit seinen grünlich gefärbten Händen zum Becher und nimmt einen Schluck Kaffee. Die nächste Kundin hat schon ein paar Primeln in der Hand.
„Guten Morgen“, ruft Stahl ihr entgegen. „Sind Sie aus Geilenkirchen?“ Und so geht es Strauß um Strauß weiter.


Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert