Schlittenhunde laufen ihre letzten Rennen

Von: Georg Schmitz
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Rennen auf dem Gelände neben der B 221 machte Geilenkirchen bis vor wenigen Jahren zu einer Hochburg des Schlittenhundesports. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Lautes Gebell aus mehr als 200 Hundekehlen gehörte bei den Internationalen Schlittenhunde-Wagenrennen auf der 5,5 Kilometer langen Strecke rund um den Hatterather Wald an der B221 in Geilenkirchen vor Jahren zum Alltag. Die „Musher”, so der Name für die Schlittenhundeführer, hatten hier alljährlich ihre Zelte aufgeschlagen.

Zwölf Schlittenhundewagenrennen gab es hier zwischen den Jahren 1990 und 2003, und die Teilnehmer kamen aus ganz Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Zu verdanken waren die sportlichen Aktivitäten mit den Schlittenhundegespannen dem Geilenkirchener Bernd Keusemann, dem damaligen Vorsitzenden von „M.U.S.H.”; die vier Buchstaben stehen für „Musher Union für Schlittenhundesport”, als Verein eingetragen.

Dieser Verein wurde von Bernd Keusemann Anfang der 90er-Jahre gegründet, nachdem sich der in den 80er-Jahren etablierte Eifeler Schlittenhunde-Sportverein aufgelöst hatte. Plötzlich wurde Geilenkirchen die Hochburg für Freunde der vier nordischen Hunderassen „Alaskan Malamute”, „Samojede”, „Siberian Husky” sowie des seltenen Grönlandhundes. Hunde, die erst bei kaltem Wetter richtig auf Trab kommen und nichts anderes im Sinn haben, als laufen, laufen und noch mehr laufen.

Viele tausend Zuschauer besuchten in diesen Jahren das Camp neben der B221 und zeigten sich begeistert von den Gespannen. Doch mit den Schlittenhunderennen in Geilenkirchen ist nun endgültig Schluss, denn „M.U.S.H.” wird zum Ende des Jahres aufgelöst.

„Der Zahn der Zeit geht auch an unserem Verein nicht spurlos vorüber”, blickt Bernd Keusemann zurück. Der frühere Vorsitzende von M.U.S.H. ist heute amtierender Chairman der 1996 gegründeten World Sleddog Association (WSA), ebenfalls mit Sitz in Geilenkirchen. Dieser Weltverband für den Schlittenhundesport ist noch aktiv, doch Bernd Keusemann steht bei den kommenden Wahlen im September als Präsident nicht mehr zur Verfügung.

So ist es durchaus möglich, dass der WSA seinen Sitz in Geilenkirchen verliert und dieser eventuell auch in ein anderes Land verlegt wird. Mit 62 Jahren möchte Bernd Keusemann nicht mehr an vorderster Front stehen. Bis vor wenigen Jahren hat er noch aktiv an Rennen teilgenommen, zuerst mit Zweier- oder Vierer-Gespannen, später „aufgrund meines zunehmenden Gewichtes” mit sechs Schlittenhunden vor dem Wagen.

Bernd Keusemann hat viel für den Schlittenhundesport in Deutschland getan. Er erinnert sich noch an die Anfänge und seinen ersten Husky „Bourbon”, den er in den USA gekauft hatte. Geboren in Wuppertal, kam er mit dem Militär nach Geilenkirchen und verrichtete in den 60er-Jahren beim Flugkörper-Geschwader seinen Dienst. Dann verschlug es ihn nach Amerika, von wo er 1981 nach Geilenkirchen zurückkehrte.

Der Manager einer Medizintechnikfirma im Gewerbegebiet Niederheid widmete sich fortan intensiv dem Schlittenhundesport. Noch im Februar 2010 hatte Bernd Keusemann die Rennleitung bei der Schlittenhunde-Weltmeisterschaft in Oberwiesental mit 250 Teilnehmern und 1500 Hunden übernommen. „Das war meine letzte offizielle Aktion.”

Mit seinem „Hundetransporter”, einem Chevrolet-Pickup, hat der Vorsitzende mehr als 200.000 Kilometer für den Schlittenhundesport zurückgelegt. „Vom Norden Europas bis Italien, vom Westen bis zur ukrainischen Grenze in der Slowakei”, erinnert sich Bernd Keusemann. Dabei habe er viele Menschen kennengelernt und Freunde gewonnen.

Im FC Germania Bauchem

Neben den zwölf Geilenkirchener Veranstaltungen habe der M.U.S.H. viele Qualifikationsrennen zur Europameisterschaft und Europacup-Rennen organisiert. Der Verein ist zwischenzeitlich als „Abteilung Schlittenhundesport” im FC Germania Bauchem eingetragen und mittlerweile auch Mitglied im Stadtsportverband Geilenkirchen.

Bernd Keusemann verweist nicht ohne Stolz auf die Erfolge aus den eigenen Reihen: „Wir haben mit Philip Mauderer den Junioren-Weltmeister 2010 und mit seiner Mutter und aktuellen M.U.S.H.-Vorsitzenden Iris Mauderer die Vize-Weltmeisterin der Schlittenhundesportler hervorgebracht.” Mit Sportlern wie Europameister Thorsten Pfaff und dem Internationalen holländischen Meister Horst Moll seien weitere erfolgreiche Musher in den Reihen des Vereins vertreten.

Bernd Keusemann hat sich nun als aktiver Musher zurückgezogen, eine Entscheidung, die ihm nach über 20 Jahren Schlittenhundesport in Geilenkirchen nicht leicht gefallen sei.

„Ökonomische Zwänge, persönliche Interessen, altersbedingtes Ausscheiden und weitere Gründe haben die Mitgliederzahl im Verein drastisch reduziert”, nennt er die Ursache für die Auflösung des Clubs.
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