Schlägereiopfer erhebt schwere Vorwürfe

Von: Rainer Herwartz
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So sieht das schreckliche Ende
So sieht das schreckliche Ende einer harmlos begonnenen Diskonacht aus. Mazdak Tabai wurde nach der Tat im Heinsberger Krankenhaus fotografiert.

Heinsberg-Oberbruch. Mittlerweile sei sein Kopf richtig angeschwollen, sagt Mazdak Tabai. Und es bleibe eine „Narbe sowohl auf meinem Kopf übrig, als auch in meiner Seele”. Der 29-jährige Deutsche mit iranischen Wurzeln, Inhaber einer Firma für Heizung- und Sanitärtechnik in Alsdorf, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Türsteher einer Oberbrucher Diskothek an der Boos-Fremery-Straße.

Aber auch die Polizei habe sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert in der Nacht zum letzten Sonntag. Kurz nach vier Uhr in der Früh sei es vor der Diskothek zu einer Auseinandersetzung gekommen zwischen dem 29-Jährigen und einem ihm unbekannten glatzköpfigen Mann, hatte die Polizei in ihrem Routinebericht an die Presse vermeldet. Im Verlauf dieses Streits habe ein 24-jähriger Alsdorfer seinem Freund Mazdak zu Hilfe eilen und mit einer Flasche auf den unbekannten Glatzköpfigen einschlagen wollen, dabei jedoch aus Versehen seinen Freund getroffen, der dadurch erhebliche Kopfverletzungen erlitten habe. „Beim Einsatz des Sicherheitsdienstes wurde auch der 24-Jährige verletzt”, hieß es weiter.

Beinahe nichts davon entspreche der Wahrheit, erklären nun Mazdak Tabai und sein Freund Cagdas Bytüner, der gerade an seiner Bachelor-Arbeit in Elektrotechnik an der RWTH Aachen schreibt. Dies sei aber auch kein Wunder, denn: „Ich wurde nicht eine Sekunde ausgefragt. Die Polizisten gingen auf direktem Wege zu den Türstehern, notierten sich ihre Version und verließen den Tatort ohne auch nur eine einzige Festnahme”, beklagt Tabai.

Der 29-Jährige schildert gegenüber unserer Zeitung den Verlauf des Abends aus seiner Sicht. Mit mehreren befreundeten Pärchen hätten er und seine Freundin nach einem „Dankeschön-Essen”, mit dem eines der Mädchen sich für die Hilfe bei einem Umzug revanchierte, beschlossen, noch einen Abstecher in die Disco zu machen. Als die Gruppe in den frühen Morgenstunden außerhalb der Diskothek auf ein Taxi zurück nach Alsdorf gewartet habe, sei sie Zeuge eines Streits zwischen zwei Männern geworden. „Motiviert durch die zahlreichen Zeigt-mehr-Zivilcourage-auf-der-Straße-Sendungen versuchte ich, ein wenig die Stimmung zu beruhigen, in dem ich den beiden Streithähnen riet, sich nicht zu streiten”, sagt Tabai. Dadurch habe sich wohl eine dritte Person, der besagte Glatzköpfige, seinerseits provoziert gefühlt. Mit den Worten „Was guckst Du so? Hast Du ein Problem?” sei er auf ihn zugekommen und habe ihm aus heiterem Himmel mit voller Wucht ins Gesicht geschlagen.

„Ich bemerkte nur grob, wie mein Freund Cagdas versucht hat, mir den Typen vom Leib zu halten, als dann plötzlich einer der Türsteher ihm mit einem Teleskop-Schläger gegen seine Hand schlug. Sofort ging Cagdas vor Schmerz zu Boden.” Ein dreifacher Handbruch, der nun operiert werden müsse, sei die Folge, erklärt Tabai. Schon deshalb könne nicht die Rede davon sein, dass sein Freund ihm aus Versehen mit einer Flasche über den Schädel gehauen habe. Vielmehr seien einige Türsteher nun auf ihn, Tabai, losgegangen.

Der Alsdorfer spricht von einem „Schlaghagel” der auf ihn „eingeprasselt” sei und der erst endete, „als mir einer der Angreifer einen spitzen Gegenstand gegen meinen Kopf geschlagen hat und mein Gesicht von Blut überströmt wurde”. Obwohl seine Freundin die Türsteher mehrfach darum gebeten habe, den glatzköpfigen „Haupttäter” doch bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten, hätten sie dies ignoriert und sie „zur Seite geschoben”.

Und was sagt die Polizei zu den Vorwürfen? Pressesprecher Karl-Heinz Frenken: „Für die hinzu gerufenen Polizeibeamten hat sich der Sachverhalt so dargestellt, wie er im Polizeibericht beschrieben worden ist. In der aufgebrachten Stimmung wurden zahlreiche Personen befragt und ihre Personalien aufgenommen. Auf Grund der daraus gewonnenen Erkenntnisse wurden Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung und gefährlicher Körperverletzung eingeleitet. Da wir erst am Beginn der Ermittlungen stehen und die Beteiligten sowie Zeugen noch eingehend zu dem Fall befragt werden müssen, kann ich noch keine weiteren Angaben machen.”

Christian Varban, der Einsatzleiter des Security-Teams, bleibt bei seiner Aussage, die er gegenüber der Polizei gemacht habe. Demnach sei Cagdas Bytüner schon zuvor aus der Disco geflogen, weil er dort ein Mädchen belästigt habe. Auch die Attacke mit einer Flasche auf den Kopf seines Freundes bestätigt er erneut gegenüber unserer Zeitung. Dass seine Leute auf Mazdak Tabai eingeprügelt hätten, bestreitet er hingegen vehement. Da kommt sicher noch eine Menge Arbeit auf die Ermittler zu.
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