Schicksalstreffer 2014 aus einem Bröckchen Blei

Von: Andrea Schever
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Prima Silvesterstimmung: Am Ende des Abends hat der Freundeskreis (v.l.) Markus Welterlich, Thomas Otten, Christina Kühn, Jonas Ohlenforst und Emanuel von Heel seinen besonderen Bleiguss. Die seltsamen Formen geben Anlass zur individuellen „Deutungen“. Foto: Andrea Schever
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Das flüssige Blei wird im Wasser sofort wieder fest und lässt bizarre Figuren zurück.

Geilenkirchen. Am Dienstag endet das Jahr 2013, und seit Tagen schaut jeder gebannt auf die Dinge, die da kommen. Was bringen uns die kommenden 365 Tage – außer der Portoerhöhung der Post und weiterhin klammer öffentlicher Kassen? Fünf Freunde aus Geilenkirchen und Umgebung haben sich ans traditionelle Bleigießen gewagt und einen Blick in die Zukunft geworfen.

Das geschieht natürlich nicht ohne gehöriges Augenzwinkern. Ausgestattet mit einem Schmelzlöffel und einzelnen Bleiportionen treffen sich Christina Kühn aus Bauchem, Jonas Ohlenforst aus Hünshoven, Markus Welterlich aus Niederheid, Emanuel von Heel aus Waurichen und Thomas Otten aus Geilenkirchen in diesen Tagen voller Tatendrang.

Die Studenten kennen sich noch aus Schultagen und sehen sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Studiengänge oft das ganze Jahr über nicht. Da bieten sich für sie die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr einfach an, um sich an einem Abend auszutauschen und einen deutungsvollen „Blick“ ins anstehende Jahr zu werfen.

Bei Sekt, Fondue und schließlich auch Kartoffelchips können die fünf Kumpel es kaum abwarten, mit dem Bleigießen zu beginnen, denn für manch einen ist es das erst Mal mit dieser Tradition. Den Anfang macht Jonas, der während des Erhitzens des Bleis erzählt, wie es bei ihm anfing: „Ich habe das als Jugendlicher mit etwa 15 Jahren beim Feiern mit meinem Onkel das erste Mal gemacht. Und seitdem gab es das bei mir jedes Jahr, meist mit den Freunden, mit denen ich Silvester verbracht habe.“

Dann schwingt er den Löffel, es zischt unmerklich, und er kann seine Bleifigur aus dem Wasser fischen. Während er den Schmelzlöffel an Emanuel weiterreicht, versucht er seine Figur auszumachen: eine Palme. Ein Blick in die Packungsbeilage deutet das Motiv: ein gutes Geschäftsjahr.

Und schon ist auch schon Emanuels Blei flüssig und im abschreckenden Wasser verschwunden. Er erkennt einen Schuh und soll laut Bedeutungstabelle 2014 ein heiteres Leben haben. Lachend bestätigt er: „Das ist mein schönes Silvester!“

Nixe bringt „Liebschaften“

Auch Markus ist mit dem Ergebnis seines Schmelz- und Abschreckvorganges ganz zufrieden: Eine Nixe deutet ihm „gefährliche Liebschaften“ an. Wie in der Gebrauchsanweisung gelesen nimmt er dann noch eine Kerze zur Hand und wirft einen Schatten seiner Bleifigur auf den Tisch, um diese zu deuten. Ein Jagdhorn wird erkennbar. Thomas nimmt den Zettel und deutet: „Lustbarkeiten“. Die Freunde lachen. Christinas Bleiklumpen weckt stark unterschiedliche Assoziationen bei den Betrachtern, aber „der Schrei“ aus dem berühmten Gemälde des norwegischen Malers Edvard Munch kommt dem, was die Furchen in das Blei formen, recht nahe. Eine Deutung dafür hat die beiliegende Tabelle zwar nicht, aber das macht Christina nichts aus, denn sie ist auch mit dieser hübschen Figur zufrieden.

Während des Gießens legt sich auch der letzte Argwohn gegenüber dieser heidnischen Tradition. „Am Anfang war ich ja nicht so begeistert davon“, räumt Thomas ein, „aber als das Gießen dann los ging, hat es doch Spaß gemacht.“ Sein Bleiguss in Form einer Krone lässt schließlich auch nur Gutes für 2014 erwarten: Er könne ein hohes Amt bekleiden.

Jonas berichtete, dass er zu Hause eine ganze Sammlung mit Bleifiguren aus den vergangenen Jahren hat. „Die schönsten sind dabei ein Hammer und eine Marienfigur, weil diese beiden wirkliche Ähnlichkeit mit den beiden Motiven haben und man nicht viel Fantasie braucht.“

Als alle ihre Zukunftsprognosen aus den Bleiklumpen und deren Schatten gedeutet haben, kommt eine weitere Idee auf: Gruppen-Bleiguss. Und nach geduldigem Schmelzen, einem lauten Platschen und einigen Sekunden des Wartens fischt Jonas den Klumpen aus dem Wasser. Nach langem Herumreichen und Betrachtet steht fest: ein Blatt. Laut Spruch des Orakels sei jedem geraten, sich nicht in die Angelegenheiten anderer einzumischen.

Mit dieser abschließenden Prognose für das Jahr können alle leben, da sich so sicher auch ein paar Probleme verhindern lassen. Eins wird wohl aber nicht zu verhindern sein: dass sich die Gruppe im kommenden Jahr zum Bleigießen trifft.

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