Rundbogen mit Säulen sind bestens anerkannt

Von: Wilfried Rhein
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Andreas Plum mit der Putzmasch
Andreas Plum mit der Putzmaschine. Das einige tausend Euro teure Gerät ist unerlässlich für die Arbeit des Stuckateurmeisters.

Gangelt-Breberen. In den Ferien, damals als Schüler, hat Andreas Plum mal „am Bau” geholfen. Das hat ihm nicht nur ein paar Mark Taschengeld mehr eingebracht, sondern auch einen festen beruflichen Horizont.

Jetzt ist Andreas Plum als Stuckateur Meister in seinem Handwerk. Und zwar als Bester seines Lehrgangs im Kammerbezirk. Den vorzüglichen Abschluss des 36-jährigen Gangelters, geboren in Breberen, hat ihm nicht nur große Achtung zukommen lassen, sondern beispielsweise auch den eurodotierten „Meisterpreis der Sparkassen”, der von diesen Instituten in Aachen, Düren und im Kreis Heinsberg für „hervorragende Prüfungsleistungen” ausgelobt worden ist.

Bis zum heutigen Tag ist An­dreas Plum begeistert von seinem Beruf: „Schon früh haben mich die Formen angesprochen, mit denen man arbeiten kann.” Und was macht der Stuckateur? „Alles, was weiß ist”, bringt der junge Meister lachend die Erklärung rüber. Im Detail heißt das, Innenputz, Trockenausbau, Außendämmung, al­so der Umgang mit Glaswolle oder Folien bis unters Dach.

Die reine Stuck-Arbeit - heißt die plastische Ausformung von Gips oder Mörtel an Decken oder Simsen - ist für die Branche mit der Zeit weniger geworden. „Oft geht es um Kirchen, meist sind Restauratoren im Einsatz”, sagt Andreas Plum. Hier und da wird schon mit Styropor kaschiert. „Aber”, bekennt der Meister, „so was ist natürlich nicht zu vergleichen mit einer schönen Gipsleiste.” Er akzeptiert auch, dass die Kosten viele Interessierte schrecken. „Allein ein Fenster”, so der Breberener, „kostet einige Tage Arbeit.”

1993 hatte Andreas Plum seine Ausbildung im Selfkant begonnen; drei Jahre dauerte sie. Gesellen- und Bundeswehr schlossen sich an. 2006, inzwischen in Gillrath beschäftigt, reifte die Idee, Meister in seinem Handwerk zu werden. Rund zwei Jahre brauchte es dann, bis Andreas Plum in die Meisterschule aufgenommen wurde. Das hieß: drei- bis viermal in der Woche nach Düsseldorf in die Abendschule, zweimal je eine Woche Vollzeitausbildung, wofür anteilig der Jahresurlaub herhalten musste. Und anschließend bei der Handwerkskammer Aachen sechs Wochen Training für die kaufmännische Fitness in diesem Job, wenn man ihn denn selbstständig ausüben möchte.

Eine harte Zeit? „Oh, ja”, erinnert sich Andreas Plum, der gerade, 2008, geheiratet hatte. Frau und später Sohn mussten auf einiges verzichten. „Aber dennoch hatte ich eine prima Rückendeckung für die Herausforderung”, zeigt Andreas Plum ehrlichen Stolz auf seine Familie. Schließlich war auch materiell einiges zu investieren. „Etwa 10 000 Euro”, rechnet der junge Meister hoch, habe ihn die Meisterausbildung gekostet, „Fahrtkosten jetzt mal nicht mitgezählt.” Etwas von der finanziellen Belastung wurde ihm dank staatlicher Förderung erstattet.

Neubauten oder Sanierung

Ende 2010 waren die Hürden genommen, Anfang April voriges Jahr ging Andreas Plum in die Selbstständigkeit, später will er gerne Mitarbeiter für seinen Betrieb in Breberen einstellen. Er weiß aber: „Unserem Beruf wird nicht die Tür eingerannt.” Soll heißen: Gute Leute sind rar. Dabei sind die Auftragslagen durchweg gut. „Wenn es keine Neubauten gibt, kann man auf Sanierung von Altbestand hoffen”, hat Andreas Plum gelernt. Wobei er der Lobby-Arbeit seines Zentralverbands des deutschen Handwerks ein großes Lob zollt.

„Wer interessiert ist, kann auch gutes Geld verdienen”, beschreibt der junge Meister die Aussichten seiner Branche und persönliche Eindrücke. Denn bezahlt wird meist nach fixen Quadratmeterpreisen, und die kann man mit Elan abarbeiten. Ein wenig körperliche Robustheit kann im Beruf nicht schaden, auch der Temperaturen wegen. Aber eines gilt immer, sagt Andreas Plum, „bei zweistelligen Minusgraden draußen kann man nicht arbeiten”. Denn in seinem Job ist Qualität verpflichtend, weil an vielen Stellen im häuslichen Wohnbereich sichtbar. Faustregel: Das Einfamilienhaus normaler Größe braucht zwei Wochen für den Ausbau.

Sechs Tage Arbeit billigte ihm die Prüfungskommission in Düsseldorf zu, um sein Meisterstück abzuliefern. Oberbegriff Fensterverkleidung, hier: nach Zeichnung Säulen mit Rundbogen zu fertigen. Parallel sollte der Jury für das Projekt eine Preisangebotsberechnung vorgelegt werden. Alles perfekt! Meister Andreas Plum bekommt sein Diplom am morgigen Sonntag im Düsseldorfer Congress Center persönlich in die Hand; von den 18 Kurs-Beginnern werden nur noch elf Kollegen im Saal sein.

Und die Familie von Andreas Plum. Sie weiß auch schon, was der dekorierte Meister bald vorhat: die Bewerbung bei der Handwerkskammer zum Öffentlich bestellten vereidigten Sachverständigen; der vierte im großen Bezirk. Das heißt, wieder zwei Lehrgänge. „Weiterbildung ist nötig”, akzeptiert Andreas Plum die neuerliche Belastung, „wir müssen auf gutem Niveau bleiben.”
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