Rechtsanspruch auf Betreuung: Kein Kind bleibt unversorgt

Von: Udo Stüßer
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Nicole Reinartz sorgt in der Kindertagesstätte Teveren dafür, dass die Kleinen auch am Mittagstisch viel Spaß haben. Foto: Georg Schmitz
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Herbert Brunen und Hermann-Josef Lehnen sind sich sicher: Wenn es um die U3-Betreuung geht, ist in Geilenkirchen jedes Kind versorgt. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. „Nicht jeder Familie, die einen Platz für ihr Kind in unserer Einrichtung haben möchte, können wir eine Zusage geben“, bedauerte am Mittwoch Beate Meyer, Leiterin der AWO-Kindertagesstätte Jahnstraße in Bauchem. 120 Anmeldungen konnte sie für das neue Kindergartenjahr nicht berücksichtigen, davon zwölf für Kinder unter drei Jahren.

 „Wir können deshalb aber die Gruppen nicht vergrößern, weil wir pädagogische Arbeit von guter Qualität anbieten. Hier soll nicht nur Betreuung, sondern Bildung angeboten werden.“ Dass diese Kinder nun alle unversorgt sind, will sie mit Blick auf Doppelanmeldungen nicht sagen: „Auch wollen viele Eltern ihr Kind speziell in unserer Einrichtung anmelden und verzichten auf einen Platz in einer anderen Kita. Wieder andere möchten keine Tagespflege, sondern eine spezielle Förderung in der Kindertagesstätte“, hat Beate Meyer in vielen Gesprächen erfahren.

Ab Donnerstag haben alle Kinder unter drei Jahren einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Tageseinrichtung oder in der Kindertagespflege. Für Kindertagesstättenleiterin Beate Meyer wird sich ab Donnerstag nicht viel ändern: „Wir haben vor drei Jahren schon die U3-Betreuung eingeführt. Wir stellen dafür zwölf Plätze zur Verfügung, das wird sich auch in diesem Jahr nicht ändern.“

Hermann-Josef Lehnen, als stellvertretender Leiter des Geilenkirchener Jugendamtes für Kindergärten zuständig, und Geilenkirchens Beigeordneter Herbert Brunen versprechen zum Stichtag: „Kein Kind bleibt in Geilenkirchen unversorgt!“ Wobei Lehnen aber auch weiß: „Die Lage bei den Drei- bis Sechsjährigen ist angespannt, aber die Eltern laufen uns nicht die Tür ein.“

Nur Schätzungen

Seit Jahren schon wird in Geilenkirchen in kleinen altersgemischten Gruppen eine U3-Betreuung angeboten, besonders nach dem Inkrafttreten des Kinderbildungsgesetzes am 1. August 2008 wurden die Anstrengungen vergrößert.

Von Donnerstag an allerdings gibt es erstmals einen Rechtsanspruch für Kinder ab einem Jahr. „Der Gesetzgeber geht von einer Bedarfsquote von 35 Prozent aus“, erklärt Brunen. Allerdings handele es sich dabei nur um Schätzungen. In Geilenkirchen werde allein in den zwölf Kindertagesstätten eine Versorgungsquote von 36 Prozent erreicht. Rechne man die Tagespflege hinzu, komme man auf eine Versorgungsquote von etwa 50 Prozent.

3,6 Millionen Euro wurden in den Ausbau der Kindertagesstätten investiert. 2,4 Millionen Euro sind an Fördermitteln geflossen, so dass ein Eigenanteil von 1,2 Millionen Euro bei den Trägern Stadt Geilenkirchen, Katholische Kirche, Arbeiterwohlfahrt, Lebenshilfe und Elterninitiative verblieb. „Wichtig bei der Bedarfsplanung war, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Angebot und voraussichtlicher Nachfrage zu schaffen“, erklärt Lehnen. Und Brunen ergänzt: „Ein Defizit an Plätzen hätte zu einer Nichterfüllung des Rechtsanspruches und ein Überangebot hätte zu freien Plätzen und damit zu einem Finanzierungsrisiko für die Träger geführt. Bislang ist in keinem Fall ein nicht erfüllter Rechtsanspruch geltend gemacht worden.“

827 Plätze in der Stadt

827 Kindergartenplätze gibt es in Geilenkirchen, hinzu kommen 77 Tagespflegeplätze, die aber in nächster Zeit auf 95 ausgebaut werden sollen. Von den 827 Plätzen in den Kindertagesstätten stehen 172 für die U3-Betreuung zur Verfügung. Für die Tagespflege stehen 20 Personen zur Verfügung. „Geht es um den Rechtsanspruch, werden Kindertagesstätte und Tagespflege gleich gestellt“, erklärt Brunen.

„Manche Eltern möchten lieber einen Kita-Platz, andere liebereinen Tagespflegeplatz, weil sie im Schichtdienst arbeiten und die Öffnungszeiten der Kitas nicht ausreichen“, nennt Lehnen Vor- und Nachteile und weist gleichzeitig auf die Rasndzeitenabdeckung in den Kindertagesstätten hin. Dann, wenn für den normalen betrieb, die Türen geschlossen werden, können sich Tagespflegepersonen den Kindern widmen, deren Eltern länger arbeiten müssen.

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