Gangelt - Raumgestalter: Wichtigstes Handwerkszeug ist Menschenkenntnis

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Raumgestalter: Wichtigstes Handwerkszeug ist Menschenkenntnis

Von: Jan Mönch
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Erst ist das Auge gefragt, dann die Hand: Matthias Hamachers Beruf liegt irgendwo zwischen Handwerk und Design. Foto: Karl-Heinz Hamacher
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Beim Arbeiten mit Nadel und Faden ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Gangelt. Mal im Ernst: Wie viele Personen gibt es, die Sie um Rat fragen, wenn es um die Gestaltung ihres Wohnraums geht? Und Hand aufs Herz: Bei wie vielen dieser Personen haben die Tipps und Ideen eine reelle Chance auf Umsetzung?

Die meisten dürften sich Ratschläge hauptsächlich von denen einholen, mit denen sie sich ihre vier Wände teilen. Aber nicht jeder tickt so. Matthias Hamacher aus Gangelt ist darüber ausgesprochen froh. Denn ohne diese Menschen, die sich externen Rat holen, gäbe es seinen Job nicht. Jedenfalls nicht in der Form, in der Matthias Hamacher ihn lebt und versteht. Er ist Raumgestalter. Ganz korrekt müsste es wohlgemerkt „Raumausstatter“ heißen. „Gestalter trifft es aber viel besser“, findet Hamacher.

Menschenkenntnis zählt

Wie auch immer: Matthias Hamacher darf sich zum Berufsstand der Handwerker zählen. Eine Kennzeichnung, die freilich etwas zu kurz greift, denn ebenso wichtig wie handwerkliches Können sind gestalterisches Verständnis und das Gespür für die Komposition von Farben und Formen. Kurzum: Fähigkeiten, die man etwa bei der Bewerbung um einen Studienplatz in Design vorweisen sollte. Als Raumgestalter schöpft Hamacher sozusagen aus der Schnittmenge zwischen Handwerk und Kunst. Außerdem exorbitant wichtig ist eine Fähigkeit, die man nicht lernen kann, sondern entweder hat oder nicht: Menschenkenntnis. Denn wo wird unser Wesen sichtbarer als in unserem Heim?

Ebenda nehmen Matthias Hamachers Aufträge ihren Anfang. Rückt ein Interessent mit Fotos an, weist Hamacher freundlich darauf hin, damit eher schlecht arbeiten zu können. Eine Aufnahme mag noch so hoch aufgelöst sein: Den Blick fürs Wesentliche kann ein gescheiter Raumgestalter nur vor Ort ins Rund – oder besser: ins Eckige – werfen. „Da gibt es die Sicht nach draußen, und da gibt es den Lichteinfall. So etwas erkennt man auf Fotos nicht gut genug“, erklärt Hamacher. Von technischen Gegebenheiten wie Heizkörpern, Leitungen oder der Tragfähigkeit der Wände mal ganz abgesehen. Und schon die Himmelsrichtung, in die man jeweils aus den Fenstern sieht, wirken sich auf Hamachers Planung aus. Ließe man ein von ihm durchgeplantes Gebäude um 90 Grad drehen und dann neu planen, das Ergebnis wäre ein völlig anderes. „Das sieht man zum Beispiel sehr schön bei Doppelhaushälften“, schmunzelt Hamacher.

Nun besteht seine Tätigkeit nicht nur im kompletten Durchplanen von Eigenheimen. Zwar gebe es durchaus Kunden, die gebaut haben und praktisch das nackte Gemäuer in Auftrag geben. Bei anderen wiederum sei der Anlass, eine von Hamachers Niederlassungen in Gangelt und Heinsberg aufzusuchen, jedoch eine Renovierung oder schlicht Unschlüssigkeit in der Frage, was für eine Sofagarnitur sich gut machen würde.

Egal, welchen Umfang der Job nun annimmt: „Es geht um Selbstverwirklichung“, sagt Matthias Hamacher – womit wir wieder beim Thema Menschenkenntnis wären. Wer mit BMW vorfährt, bekommt also ein Ledersofa unter den Hintern geschoben, und der Metzgermeister bevorzugt es eher rustikal? In solchen Kategorien denkt Hamacher nicht. Ganz im Gegenteil: „Man kann nicht vom Auto die Einrichtung ableiten. Das führt auf eine Einbahnstraße“, stellt er klar. „Sich von Klischees leiten zu lassen, ist falsch.“ Kaum eine Rolle, und das mag überraschen, spielt Hamachers Erfahrung nach die Altersgruppe. Was tatsächlich zählt, zeigt sich im Dialog: „Das beginnt mit einer Art unreinem Ineinandersprechen“, erklärt Hamacher. Schritt für Schritt und Satz für Satz kristallisiert sich dann die Richtung heraus.

So vielfältig die Wünsche sind, so vielfältig sind die Kunden. Wenn sie eines vereint, dann wohl die Tatsache, dass sie sich von Massenware gelöst haben. Und wohl auch, dass sie monetär nicht unbedingt auf die günstigste Lösung angewiesen sind. Zum Phänomen Ikea macht Hamacher sich durchaus seine Gedanken. Nicht etwa, weil der schwedische Gigant – im weitesten Sinne – ein Konkurrent ist. „Aber es ist einfach so, dass das Handwerk früher viel mehr nach außen gerichtet war. Die Dorfgemeinschaft hatte ihren Bäcker und ihren Friseur.“ Hamacher will das nicht unbedingt als Kritik verstanden wissen, sondern eher als Feststellung. Er sagt aber auch: „Jeder ist supermobil, aber doch zu bequem, um nacheinander zum Gemüsehändler und dann zum Metzger zu fahren. Das sollte man schon hinterfragen.“

Matthias Hamachers Unternehmen ist ein durchaus traditionsreicher Familienbetrieb. Gegründet wurde es Anfang der 60er-Jahre vom Vater, einem gelernten Sattler. Anfangs wurden ausschließlich Polstermöbel gefertigt, doch schon lange vor Matthias Hamachers Berufseinstieg ging der Betrieb mit der Zeit. 1994 dann übernahm Matthias Hamacher in zweiter Generation. Heute gibt es neben der Polsterei auch Nähatelier und Montageservice. „Wie, Sie machen das alles selbst?“, wird Hamacher oft erstaunt gefragt. Vieles, ja, nicht alles. Neben den eigenen Fertigkeiten sowie denen der sieben Mitarbeiter setzt das Haus auch auf ein Netz aus Schreinern, Malern, Elektrikern und Vorlieferanten.

Und wie wohnt er selbst?

Bleibt die Frage, wie Raumgestalter Hamacher selbst eingerichtet ist. „Das ist natürlich streng geheim“, sagt er halb im Scherz – und gibt dann doch zumindest ein wenig preis: Leder, Lack und Stahl, manch einer mag diese Elemente für modern halten, sind im Hause Hamacher die Ausnahme. „Mir persönlich sind Wohnlichkeit und Gemütlichkeit wichtig. Wir wollten einen Raum, der uns aufnimmt. Darauf kommt es an.“

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