Rapper Sido von Fans im Musikpark gefeiert

Von: Stefan Reiners
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Wo sind die Sido-Fans? Anheizen gehörte natürlich dazu. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Bei der Ankündigung, Paul Hartmut Würdig, 32, verheiratet, Vater eines Sohnes und in Erwartung des zweiten Kindes, trete in Geilenkirchen auf, hätten wohl bei Weitem weniger Menschen am Sonntag den Weg in den Musikpark in Geilenkirchen gefunden, geschweige denn hätten sie bis in die Morgenstunden ausgeharrt, um diesem persönlich gegenüberstehen zu können.

Nennt man ihn allerdings nicht beim bürgerlichen Namen, sondern kündigt man an, Sido käme im Rahmen seiner „Meine Jordans Club Tour“ in die Region, dann ist die Hütte brechend voll.

Fachmännisch vorbereitet und bestens unterhalten wurde das Publikum von den DJ´s Paul BlaZe, Ash Money XL, DJ Maaleek und DJ Desue, der ebenso wie Sido im „Märkischen Viertel“ in Berlin groß geworden ist und mit diesem das „Usta Soundsystem“ bildet, das letztlich für das Gesamtevent im Musikpark verantwortlich zeichnete.

Schon am Abend standen die Fans Schlange, um möglichst nah an ihrem Idol auf der Tanzfläche sein zu können. So war die Tanzfläche von Anfang an bis zum Schluss immer ausgefüllt. Und gestanden hat niemand. Dafür sorgten die „Plattenleger“, die – drohte die Stimmung auch nur graduell abzuflauen – immer den richtigen Song aus der Kiste kramten, um das Publikum wieder wach zu rütteln. Chart Hits suchte man da vergeblich, aber die fachkundigen Hip-Hop- und Rap-Fans kannten trotzdem die Texte.

Schlechtes Vorbild

Um 1 Uhr 15 am Montagmorgen war es dann so weit: Plötzlich stand er irgendwie auf der Bühne, der langersehnte Star der Szene. Es gab nur ganz kurz und vereinzelt Gerangel unter den Zuschauer um die letzten Plätze mit Blickkontakt, und dann konnte der Höhepunkt der Party steigen.

Ohne große Voransprache ging es gleich los. Die Hände wippten, die Beats gingen in die Beine und die Bässe in den Magen. Nach dem zweiten Song („Schlechtes Vorbild“) wurde Sido diesem Ruf auch gleich gerecht, indem er erst mal einen Jägermeister orderte und die Fans aufforderte, dass bitte schön jeder einen trinken möge, wenn er einen trinke. Inwieweit dem Folge geleistet wurde, war allerdings nicht zu erkennen.

Im nächsten Song flog das Handtuch in die Menge, was nicht symbolisch gemeint war, denn Sido kam gerade erst in Fahrt, und in der folgenden Ansprache wurde an das Publikum die Frage gerichtet, wer denn alles kiffe. Ob die Antwort befriedigend ausfiel, blieb im Zeitalter des absoluten Rauchverbots zunächst offen. Sido gab also die Devise aus: „Wir wollen heute einen saufen!“

Der nächste Jägermeister. Aber es war wohl nur ein Stilmittel für eine gekonnte Überleitung zu einem der auch Nichtfans bekannteren Lieder, nämlich „Der Himmel soll warten“. Denn der Star räumte, zur kurzzeitigen Beruhigung aller elterlichen Unkenrufe, durchaus ein, ungesund zu leben.

Nach diesem musikalischen Bekenntnis, noch viel vor zu haben im Leben, äußerte Sido sein Befremden darüber, dass trotz der Nähe zur holländischen Grenze „hier ganz wenig Gras zu riechen“ sei. Tatsächlich war bis dahin überhaupt kein Gras zu riechen. Wir erinnern uns: Absolutes Rauchverbot.

Auch Sido entwickelt sich im Leben weiter, wird älter. Man schreibt über sein Leben. Die Lieder – sorry, die „Songs“ – spiegeln das Leben auch wider. Authentizität sei wichtig, betonte Sido schon immer. Da werden einem 32 jährigen Familienvater Texte vorgehalten, die ein 20 jähriger Revoluzzer geschrieben hat. Und die heute 20 jährigen Revoluzzerfans fahren natürlich gerade auf diese alten Texte ab.

„Zeigt mal Eure Schuhe“, forderte der Star seine Fans auf und spielte auf das folgende Stück „Meine Jordans“ an, den wohl ersten Werbetext aus seiner Feder. Als etwas anderes kann man ihn, in Anbetracht der Tatsache, dass die „Meine Jordans Club Tour“ von einem großen amerikanischen Schuhverkäufer initiiert wurde, wohl kaum bezeichnen. Es folgte sein derzeit sicherlich größter Hit. „Bilder im Kopf“ startete unter frenetischem Jubel, wurde aber abrupt abgebrochen. Die Erklärung folgte prompt: „Ich hab ´nen Joint gerochen!“ Man roch ihn tatsächlich, und das Lied ging nicht weiter, bis die Tüte bei Sido angekommen war, der dann auch genüsslich einen tiefen Zug tat und den Rauch in die Menge blies. „Das hilft mir. Der Joint kam übrigens aus Baesweiler“, verkündete er. Hoffen wir, dass es ein inszenierter „Gag“ war. „Bilder im Kopf“ startete erneut, die Stimmung war ganz oben. Nach dem Schlusston noch einen kollektiven Jägermeister, und das war´s dann.

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