Geilenkirchen - Rainer Tegtmeyer im Porträt: Dirigent und Trompeter aus Leidenschaft

Rainer Tegtmeyer im Porträt: Dirigent und Trompeter aus Leidenschaft

Von: Anna-Lena Backhaus
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Ein Leben für die Musik: Rainer Tegtmeyer erzählt von seiner ganz großen Leidenschaft. Foto: Anna-Lena Backhaus

Geilenkirchen. Im Leben von Rainer Tegtmeyer dreht sich alles um die Musik. Der 52- jährige Dirigent und Musiklehrer unterrichtet schon seit 30 Jahren an der Kreismusikschule Heinsberg und hat heute noch genau so viel Spaß daran wie zu Beginn seiner musikalischen Laufbahn. Denn wenn es um die Musik geht, fangen seine Augen sofort an zu leuchten.

Wenn Rainer Tegtmeyer von der Musik und von seinem Weg und Werdegang berichtet, sitzt er entspannt mit übergeschlagenem Bein am Tisch, und sein Gesicht strahlt.

„Mit zwölf Jahren wollte ich unbedingt in einer Big Band in Geilenkirchen Schlagzeug spielen, aber dort wurde gar kein Schlagzeuger gebraucht“, erzählt Tegtmeyer. Stattdessen drückte man ihm eine Trompete in die Hand, mit der er zu Hause sofort anfangen sollte zu üben. „Nach drei Monaten Probe konnte ich dann zum ersten Mal bei einem kleinen Weihnachtskonzert mitspielen. Es sollten noch viele weitere folgen, und 1985, etwa sieben Jahre später, habe ich dann diese Band übernehmen und dirigieren dürfen.“

Schon in der Schule war Musik Tegtmeyers Lieblingsfach, während ihn der restliche Unterricht deutlich weniger interessierte. Auf eine bestimmte Musikrichtung konnte sich Rainer Tegtmeyer aber schon damals nicht festlegen. „Ich höre eigentlich so ziemlich alles. Klassik, Jazz, aber auch Hardrock kann ich mir gut anhören.“

Geprägt wurde er am Anfang seiner musikalischen Laufbahn jedoch am meisten durch die Jazz-Musik, die er in der Geilenkirchener Big Band kennenlernte. Sein Wunsch war es, einmal Musik zu studieren. Da es anfangs jedoch zu wenige Plätze für Jungstudenten gab, konnte er dieses Vollstudium erst ein Jahr verspätet beginnen. Die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule bestand er mit Bravour. Und auch die beiden Zwischenprüfungen innerhalb der sechs Semester bewältigte er problemlos.

„Aufgrund meiner angeborenen Krankheit musste ich damals schon erkennen, dass es sinnvoll ist, das Ganze nicht hauptberuflich zu machen“, erzählt der Musiker, der im Rollstuhl sitzt. Dennoch verlor er sein musikalisches Ziel nie aus den Augen und überzeugte auch seinen Vater, der ihm zunächst zu einem Verwaltungsjob geraten hatte. Seine Mutter beschreibt Tegtmeyer heute als diejenige, die ihn in seinem Wunsch nach einem Trompetenstudium am meisten bekräftigte.

Vor Beendigung des Studiums gelangte er dann zum Zoll. „Das kam jedoch auch nur durch die Musik. Schließlich gab es da die Zollkapelle, so dass ich Leidenschaft und Beruf ganz gut miteinander verbinden konnte.“ Zum sicheren Job kam die Möglichkeit hinzu, weiterhin Musik zu machen.

Zum oftmals auch anstrengenden Üben konnte er sich immer wieder selbst motivieren. „Meine Eltern haben nie gesagt: Jetzt übe doch mal. Das brauchten sie auch nicht. Ich wollte es ja selber.“

In Rainer Tegtmeyers Familie gab es keine musikalischen Vorprägungen. „Ich war der erste Musiker“, erzählt er mit einem stolzen Lächeln im Gesicht.

Dass die Musik Menschen verbindet, ist eine feste Überzeugung von Rainer Tegtmeyer. In der Musikschule, in der er heute als Trompetenlehrer und Bigband-Leader tätig ist, lernte er nämlich auch seine Ehefrau Anette kennen.

An der Musik begeistert Rainer Tegtmeyer so ziemlich alles. Besonders gerne erinnert er sich jedoch an seine Konzerte mit der Zollkapelle vor einigen Politikern zurück. „Ich habe dort sogar das ein oder andere Solostück gespielt“, berichtet er stolz. Außerdem hat er auch schon manche Trompetenstimmen im Studio eingespielt. „Vor allem beim Schlager braucht man oft eine Live-Stimme bei den Aufnahmen. Und diese Aufgabe habe ich dann übernommen.“

Auch der Musikunterricht bereitet ihm viel Freude. Ihn macht es stolz, die Entwicklung zu sehen, die seine Schüler im Laufe der Zeit durchmachen. Irgendwann könne man dann auf andere Dinge achten, als nur auf die Griffe oder die richtigen Töne. „Dann spürt man noch mehr von der Art der Trompete. Die Musikalität kommt noch viel mehr zum Ausdruck.“

Auch Jahre später erinnert Rainer Tegtmeyer sich noch an einige seiner ehemaligen Schüler, die „wirklich weit hätten kommen können mit der Musik“, wie er erzählt. „Ich freue mich über jeden Musiker, der etwas aus seinem Talent macht und sich weiterentwickelt.“ Am Ende könne man sehen, beziehungsweise hören, dass sich die Arbeit wirklich gelohnt habe, auch wenn das Erreichen des Endergebnisses oftmals viel Ausdauer abverlange.

„Eine gute musikalische Technik zu haben, heißt nicht, dass man auch die Seele berührt. Dabei ist das doch das wichtigste. Man muss die Musik auch spüren können.“ Das gelingt ihm auch bei den Arrangements, die er selbst für seine Orchester schreibt und die dann genau auf das Können der jeweiligen Musiker angepasst sind.

Über 15 Jahre lang hat er den Musikverein Langbroich-Harzelt dirigiert und dabei seine Ideen zur Begeisterung der Musiker und des Publikums eingebracht. Umso trauriger war man dort, als er nun seine Entscheidung bekannt gab, aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten zu wollen und das Dirigat abzugeben. Am Ende der emotionalen Abschiedsfeier verabschiedet er sich mit den Worten, die er am Ende jeder Probe benutzt: „Ich bedanke mich für heute.“

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