Prima Mannschaft auch ganz ohne Zwang

Von: Wilfried Rhein
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Großübungslage für das Tech
Großübungslage für das Technische Hilfswerk aus Übach-Palenberg. Hier in Zusammenarbeit mit Feuerwehr und Rettungsdienst. Foto: THW

Übach-Palenberg. Der Dienst bei der Bundeswehr ist inzwischen eine Aufgabe für Freiwillige geworden. „Gezogen” wird nicht mehr; der Wehrdienst ist ausgesetzt.

Humanitäre Organisationen, Rettungsdienste zum Beispiel, suchen nach Lösungen für ihre Personalbasis, denn mangels Wehrdienst gibt es auch keinen Ersatzdienst mehr. Auch der im Katastrophenschutz des Bundes ist davon betroffen.

Beim Technischen Hilfswerk (THW) in Übach-Palenberg geht man aber mit dieser Situation ganz entspannt um. „Dank einer enorm hohen Freiwilligen-Quote von derzeit rund 70 Prozent haben wir den Wegfall der Wehrpflicht gut verkraftet”, sagt Stephan Frambach, der für das THW in Übach-Palenberg die Öffentlichkeitsarbeit leitet.

Länger als beim „Bund”

Dieser Ortsverband der „Bundesunmittelbaren Körperschaft”, die dem Innenminister untersteht, ist der Verband mit dem westlichsten Zuständigkeitsbereich in Deutschland. Zusammen mit den Verbänden Hückelhoven und Erkelenz deckt das THW Übach-Palenberg im Geschäftsführungsbereich Mönchengladbach den gesamten Kreis Heinsberg bei den spezifischen Aufgaben nach Unglücken ab.

Zu Zeiten der aktiven Wehrpflicht an der Waffe konnten sich die jungen Männer bei Zivil- und Katastrophenschutzdiensten vorstellen und sich auf eine Dienstzeit dort verpflichten lassen. Übrigens weitaus länger als es der Wehrdienst gefordert hätte. „Davon hat auch das THW profitiert”, weiß Stephan Frambach, „von früher zwölf Jahren hat sich die Dienstzeit aber inzwischen auf vier Jahre reduziert.”

Die Einheitsleiter mussten jüngste für die „Freigestellten” 120 Pflichtstunden dokumentieren. Für das THW bedeutete das einen stabilen Anteil an Dienstleistenden, und der Anteil derer, die nach ihrem Pflichtteil beim Ortsverband Übach-Palenberg blieben, lag bei immerhin 50 Prozent. Der Weg zum THW mag für die meisten Ersatzdienstler auch eine berufliche Dimension gehabt zu haben, denn Ausbildung oder Studium waren ohne Unterbrechung in Uniform möglich.

„Personeller Wechsel, beispielsweise durch Umzug, hat unsere Helferschaft stets neu geformt”, erläutert Stephan Frambach. Unter der Leitung des THW-Ortsbeauftragten Michael Hufschmidt und dem Chef des Technischen Zuges Bernd Junker sind rund 50 aktive Helferinnen und Helfer zum ehrenamtlichen Engagement bereit; hinzu kommen noch Reserveeinheiten „auf Abruf”.

Nachwuchs für den aktiven Dienst bringt kontinuierlich die Jugendgruppe des THW Übach-Palenberg hervor. Etwa 30 Mitglieder hat sie jetzt, zehn bis 17 Jahre alt. Wer will, unterzieht sich dann einigen Prüfungen und kann in die THW-Grundausbildung wechseln, die neun Monate lang die angehenden Aktiven jeden zweiten Samstag in die Unterkunft Werkstraße oder zu Übungsorten ruft. Einmal pro Jahr geht es ohnehin mit dem ganzen Ortsverband „nach draußen” zu einer Übung.

Das im Jahr 1972 in Übach-Palenberg gegründete Technische Hilfswerk ist auch stolz auf seine Förderstruktur. Unter den 30 Jugendlichen sind sieben Mädchen; alle profitieren auch von der Fürsorge des eigenständigen Fördervereins in der Stadt. Dieser hat sich per Satzung der THW-Jugendpflege verschrieben.

„Es ist dabei geblieben”, sagt Stephan Frambach, „dass wir eine hochmotivierte Mannschaft haben. Auch ohne Zwang, weil jetzt die Grundlage einer Ersatzdienstverpflichtung entfallen ist.” Es mag an der Sache selbst liegen, die so vielfältig ist, dass beim THW neue Ideen geboren und praktiziert werden.

Da tut es gut, dass sich beim THW Übach-Palenberg auch Experten aus dem Handwerk einsetzen. „Gesucht werden immer Fachleute aus der Holz- und Metallverarbeitung, Elektrofachkräfte oder Installateure”, zählt Stephan Frambach auf. Beim THW führte das zum Aufbau von Einsatzgruppen „Infrastruktur” und „Elektroversorgung”.

Weiterführende Lehrgänge werden über das THW angeboten. Auch mit dem Ziel, dass solche Qualifikation in der Wirtschaft anerkannt wird. Das reicht vom Maschinisten für Stromerzeugung über das Konfliktmanagement bis hin zu „Führung von Einheiten”, zählt der THW-Sprecher auf.

Zehn Einsatzfahrzeuge umfasst der Park des THW-OV Übach-Palenberg. Darunter zwei so genannte Bergungswagen, etwa wie Rüstwagen der Feuerwehr, Sonderfahrzeuge für die Fachgruppen, teils mit Anhänger, Mannschaftswagen plus zwei Kleinbusse speziell für die Jugendgruppe.

Gut für die Struktur

Davon haben auch die drei jungen Männer profitiert, die im Vorjahr noch als Ersatzdienstleister zum Technischen Hilfswerk gekommen sind. „Bei ihnen wie auch bei allen anderen haben wir als THW nie Probleme gehabt mit der Entscheidungsstelle beim Kreiswehrersatzamt in Jülich”, dankt Stephan Frambach der „Rekrutenbehörde”. Es fanden aber auch noch vier weitere Freiwillige zum örtlichen THW, auf die ebenfalls 120 Stunden Ausbildung - nicht allein in Erster Hilfe - pro Jahr warteten.

Der Stamm des Technischen Hilfswerks in Übach-Palenberg ist aus Sicht der Leitung stark und fest. Dass man nicht mehr mit Ersatzdienstlern rechnen kann, trägt auch Stephan Frambach mit Optimismus: „Fünf neue Aktive pro Jahr”, sagt er. „werden ausreichen, unsere Infrastruktur zu stärken.”
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